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Zweifel in SPD an Neuauflage
von Großen Koalition

Parteichef Schulz und CDU-Vize Strobl wollen Sondierungen zügig abwickeln

Kurz vor Beginn der Sondierungen mit der Union hat SPD-Vizechefin Natascha Kohnen Zweifel an der Neuauflage einer schwarz-roten Regierung in Deutschland geäußert. "Ich bin äußerst skeptisch. Ich bin keineswegs sicher, dass es eine große Koalition geben wird", sagte Kohnen den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Samstag. Ihr fehle noch ausreichendes Vertrauen in die Union.

Man müsse abwarten, ob CDU und CSU stark genug seien, bei den am Sonntag startenden Gesprächen weitreichende Zugeständnisse zu machen. Kritik übte die Vorsitzende der Bayern-SPD an den Unionsforderungen in der Flüchtlingspolitik wie etwa einen verlängerten Stopp des Familiennachzugs und eine Kürzung von Leistungen für Asylbewerber. Auch in der Gesundheitspolitik könne es schwierig werden.

Bei einem Scheitern der Gespräche hält Kohnen eine von der SPD tolerierte Minderheitsregierung für denkbar, auch wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das nicht wolle. Man müsse mutiger werden und neue Regierungsmöglichkeiten ausprobieren. Es sei auch nicht auszuschließen, dass die Union mit einer harten Haltung bei einigen Themen "am Ende Neuwahlen provoziert".

Auch in der nordrhein-westfälischen SPD wurden kurz vor den Sondierungen mit der Union massive Vorbehalte gegen ein neues schwarz-rotes Regierungsbündnis im Bund laut. "In meiner Landtagsfraktion gibt es keinen einzigen Abgeordneten, der bislang Sympathie für eine erneute große Koalition erkennen lassen hat. Das ist anders als noch vor vier Jahren", sagte der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag, Norbert Römer, den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland vom Samstag. Seine Partei habe ein tiefes Unbehagen. In der Vergangenheit habe die SPD schmerzlich lernen müssen, wie wenig das Wort von CDU und CSU Wert sei. "Anders gesagt: Wir trauen Frau Merkel und ihrer Truppe nicht mehr über den Weg."

Römer forderte die Union zu weitreichenden Zugeständnissen auf. "Wenn die SPD noch einmal in eine große Koalition gehen soll, wird die Union inhaltlich an ihre Schmerzgrenze gehen müssen. Und in einigen Punkten auch darüber hinaus", sagte er. Die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen und die Zwei-Klassen-Medizin müssten weg, das Rentenniveau müsse stabilisiert werden und mittelfristig wieder steigen. Zudem sei eine Regelung für die Schulden der Kommunen nötig. Ihm fehle aber die Fantasie, dass die Union bei all diesen Punkten mitgehe.

Die SPD-Spitze will am nächsten Freitag entscheiden, ob sie die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen empfiehlt. Dafür müsste dann ein Sonderparteitag am 21. Jänner Grünes Licht geben. In der Partei gibt es dazu aber eine große Skepsis.

SPD-Chef Martin Schulz und der CDU-Vize Thomas Strobl wollen bei den Sondierungsgesprächen keine Zeit verlieren. "Wir machen das jetzt stabil und schnell", sagte der Schulz den "Aachener Nachrichten". Die SPD sei bereit, "in den nächsten fünf Tagen zu einem Abschluss zu kommen". Strobl sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Wir müssen jetzt Gas geben und Tempo machen. Wir müssen schnell Ergebnisse produzieren." Das müsse bis spätestens kommenden Freitag geschehen. "Je früher desto besser."

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