Zwei-Klassen-Medizin in unseren Spitälern?
Privatpatienten offenbar bei OP bevorzugt!

Ex-Spitalsmitarbeiterin berichtet von Ungerechtigkeit

Gegen ein Ordensspital in Wien sind Korruptionsvorwürfen laut geworden. Nach einer früheren Angestellten sollen Privatpatienten bei Operationen vorgereiht worden sein, andere heimgeschickt, so das ORF-Radio. Ärztekammer-Vizepräsident Mayer und Gesundheitsministerin Kdolsky wehrten sich gegen den Vorwurf der Zwei-Klassen-Medizin. Chirurgenvertreter Stöger bestätigte die Praxis der Vorreihungen.

Mayer sprach von einem "weiteren Symptom für eine pauschale Diffamierungskampagne". Kammerdirektor Kux betonte, dass sich der Ehrenrat und die Disziplinarkommission in den vergangenen Jahren mit keinem einzigen Korruptionsvorwurf und auch keinem einzigen Fall einer ungerechtfertigten Zurückreihung eines Patienten beschäftigt hätten.

Auch Gesundheitsministerin Kdolsky wehrt sich gegen den Vorwurf der Zwei-Klassen-Medizin. Dieser sei "völlig aus der Luft gegriffen und dient lediglich der Verunsicherung der Patientinnen und Patienten", ließ die Minister erklären. Kdolsky sprach sich auch gegen "Pauschalverurteilungen eines gesamten Berufsstandes" aus.

Dass es Vorreihungen gibt, bestätigte aber auch der Chirurgenvertreter und Primar Stöger: "Das ist leider richtig so." Auf der anderen Seite würden aber die Privatversicherungen das gesamte System stützen." Ohne Privatpatienten würde das Gesundheitssystem die allgemeine Bevölkerung noch wesentlich mehr über Steuern und dergleichen belasten. Akutpatienten würden in Österreich aber sofort behandelt.

Aus der Patientenanwaltschaft hieß es gegenüber der APA, derartige Fälle würden kaum bekannt. "Der Patient, der negativ betroffen ist, bekommt davon nichts mit", so ein Sprecher. Anders sieht das die Wiener ÖVP-Gemeinderätin und frühere Volksanwältin Korosec. Sie führt eine Kampagne gegen lange Wartelisten in Wiener Spitälern. Innerhalb weniger Wochen hätten sich 300 Patienten bei ihr gemeldet. Mehrere von ihnen seien zwei bis drei Mal wieder nach Hause geschickt worden, obwohl der Operationstermin bereits festgelegt war. Korosec: "7000 Euro und ein rascher Termin war kein Problem." (apa)