Zwei Festnahmen im Fall Flick: Ungarischer Rechtsanwalt steckt hinter Sarg-Diebstahl

Polizei: Erpresser forderten sechs Millionen Euro Vier Verdächtige befinden sich noch auf freiem Fuß

Zwei Festnahmen im Fall Flick: Ungarischer Rechtsanwalt steckt hinter Sarg-Diebstahl

Beim "Kopf" hinter dem zuletzt zusehends mysteriöser erscheinenden Kriminalfall handelt es sich offenbar um einen 41-jährigen Rechtsanwalt aus Budapest. Das gab der Chef des Budapester Polizeipräsidiums, Gabor Toth, in der ungarischen Hauptstadt bekannt. "Er ist noch nicht voll geständig, aber vermutlich einer der Drahtzieher", sagte Ernst Geiger vom Bundeskriminalamt in Wien. Die österreichischen Ermittler waren nach Budapest angereist.

"Es handelt sich um eine Erpressung zum Nachteil der Familie Flick, die seit 11. Dezember lief", führte Geiger aus. Damals sei ein in englischer Sprache verfasster Brief an die Hinterbliebenen eingelangt, der laut Geiger übersetzt mit den Worten begann: "Ich bin der Boss der Grabräuber. Es ist mir eine große Freude, mit Ihnen zu sprechen ... Sie dürfen nicht die Polizei rufen. Seien Sie unbesorgt, der Sarg ist unbeschädigt." Und weiter hieß es: "Sie müssen uns bezahlen. Das ist Ihre einzige Chance."

Erpresser erhielten zweimal 100.000 Euro
Zum Zeitpunkt des Auftauchens des Erpresserschreibens gab es laut Geiger noch andere Spuren und falsche Hinweise von Trittbrettfahrern. Ab April dieses Jahres schließlich standen die Fahnder via Emails in Kontakt mit den Erpressern. Bald war klar, dass die Spur nach Ungarn führte. Insgesamt sei den Erpressern zweimal 100.000 Euro ausgehändigt worden.

Der mutmaßliche Drahtzieher sei in Budapest "gut etabliert und in der Kirche engagiert", sagte Geiger. Warum der Mann versucht haben soll, Millionen zu erpressen, sei unklar. Vier Verdächtige, die offenbar mitgeholfen hatten, befinden sich noch auf freiem Fuß. Die Polizei sucht u.a. nach einem Rumänen, der wegen seiner Statur und Gefährlichkeit als "Grizzly" bekannt ist und in seiner Heimat wegen Polizistenmordes gesucht werde.

Sarg im Wald versteckt
Um den gestohlenen Sarg des Multimilliardärs Friedrich Karl Flick sicher aufzubewahren, hatten sich die Erpresser ein Waldstück in Budapest ausgesucht. Der äußere und der innere Sarg waren an jeweils zwei verschiedenen Orten in unbewohnten Gebäuden im Wald versteckt, sagte Alexander Marakovits, Sprecher des Bundeskriminalamts. Bei den Verstecken habe es sich um eine Art Bauschuppen bzw. ein Kellergewölbe gehandelt.

(apa/red)