Zwei Deutsche werden im Irak vermisst: Hinweise sprechen für neuen Entführungsfall

Offenbar über 60-jährige Frau und Sohn entführt Dutzende Tote: Bombenanschlag auf Markt in Bagdad

Bei den beiden im Irak entführten Deutschen handelt es sich nach Informationen des "Tagesspiegels" um eine Frau im Alter von über 60 Jahren und ihren Sohn. Die in Berlin erscheinende Zeitung berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, die Frau sei mit einem irakischen Arzt verheiratet. Ihr Sohn, etwa Mitte 20, sei im Außenministerium in Bagdad tätig. Mitglieder der Familie lebten in Berlin und anderen Regionen Deutschlands. Der Hintergrund der Entführung sei unklar, die Geiselnehmer hätten bisher keine Forderung gestellt. Allerdings sei gedroht worden, den Sohn zu erschießen.

Der "Tagesspiegel" berichtete weiter, die Frau und ihr Sohn seien körperlich unversehrt. Die Geiselnehmer hätten die beiden wahrscheinlich gezielt aus ihrem Wohnhaus in Bagdad geholt. Der Ehemann und Vater habe sich zum Zeitpunkt der Entführung nicht in dem Haus befunden. Die Familie gelte für irakische Verhältnisse als vermögend. Es bleibe offen, ob es den Entführern nur um Lösegeld gehe, ob sie ein politisches Motiv hätten oder ob Extremisten Geld erpressen wollten, um ihren Kampf zu finanzieren.

Deutsche Regierung soll offenbar erpresst werden
Die "Berliner Morgenpost" berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, die Entführer versuchten offenbar, die deutsche Regierung zu erpressen. Der Generalbundesanwalt habe kurz nach Bekanntwerden der Entführung beim Bundesgerichtshof ein Ermittlungsverfahren wegen versuchter Nötigung von Verfassungsorganen eingeleitet. Zudem ermittele die Bundesanwaltschaft gegen Unbekannt wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und Geiselnahme. Die Staatsschutz-Abteilung beim Bundeskriminalamt (BKA) sei vom Generalbundesanwalt beauftragt worden, die Ermittlungen zu führen. Die Bundesanwaltschaft wollte zu dem Bericht "derzeit keine Stellung abgeben", sagte ein Sprecher der Behörde der Nachrichtenagentur AFP.

Außenminister Steinmeier: Zwei Deutsche vermisst
Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte bestätigt, dass im Irak zwei Deutsche vermisst werden. "Wir können nicht ausschließen, dass es sich um eine gewaltsame Entführung handelt", sagte Steinmeier in Brüssel. Nähere Einzelheiten könne er im Moment nicht nennen.

Bereits vor Tagen sei "der Krisenstab im Auswärtigen Amt zusammengetreten, um zu sehen und zu tun, was möglich ist", erklärte der Außenminister. "Wir hoffen, dass das Ganze einen guten Ausgang findet, und wir tun natürlich alles dafür, dass die beiden deutschen Staatsangehörigen gesund zu ihren Familien zurückkehren können."

Entführer sollen mit Tötung drohen
Nach Informationen der "Bild"-Zeitung haben die Geiselnehmer mit der Erschießung ihrer Opfer gedroht. Das berichtete das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise in Berlin.

Die Regierung in Berlin gehe bei der Entführung von einem politischen Hintergrund aus. Die beiden Deutschen lebten dem Bericht zufolge schon längere Zeit im Irak und sollen sich dort auch politisch engagiert haben. Einer der Entführten sei als "Techniker" im irakischen Außenministerium beschäftigt.

Im Mai 2006 waren die beiden deutschen Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nitzschke nach mehr als dreimonatiger Geiselhaft im Irak wieder freigekommen. Sie waren im Jänner auf dem Weg zu ihrer Arbeit verschleppt worden. Die Zahlung von Lösegeld wurde von der deutschen Regierung nicht bestätigt.

Dutzende Tote: Bombenanschläge in Bagdad
Bei Anschlägen im Zentrum von Bagdad sind mehr als 70 Iraker getötet worden. Etwa 150 weitere Menschen wurden verletzt. Insgesamt sind drei Bomben im Stadtzentrum explodiert. Die erste detonierte in einem Geschäftsviertel, die beiden anderen auf Märkten. Beide Gegenden sind überwiegend von Schiiten bewohnt.

(apa/red)