Zwanzig Jahre nach der Waldheim-Affäre:
"Ich glaube nicht, dass ich verbittert bin"

Alt-Präsident: "Biographie taugt nichts als Symbol"

Zwanzig Jahre nach der Waldheim-Affäre spürt Alt-Bundespräsident Kurt Waldheim keine Verbitterung mehr. "Ich glaube, dass ich kein verbitterter Mensch bin", sagte er. Allerdings habe ihn damals besonders verletzt, dass er eine Symbolfigur des Umgangs des Landes mit der nationalsozialistischen Vergangenheit geworden ist. "Meine Biographie taugt nichts als Symbol."

Gleichzeitig habe er sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten oft Gedanken gemacht, "was unter dem Druck massivster Angriffe von mir unglückselig und falsch formuliert wurde - oder auch von anderen bewusst uminterpretiert wurde". Dies gelte vor allem für seinen Satz zu seiner Tätigkeit in der deutschen Wehrmacht am Balkan: "Ich habe nur meine Pflicht getan." Manches, was er dazu beigetragen habe, sei jedoch "aus dem Gefühl entstanden, von dieser Flut für mich ungerechtfertigter Vorwürfe überrollt zu werden," sagte Waldheim zur "Kleinen Zeitung".

Was sein Einreiseverbot in die USA ("Watchlist") betrifft, so hofft er weiterhin, "dass gerade ein Rechtsstaat wie die USA fähig ist, falsche Entscheidungen zu korrigieren". Er selbst habe jedoch nur geringe rechtliche Möglichkeiten gehabt, den Prozess neu einzuleiten, und dies hätte "viele Klüfte neu aufgerissen".

Im Präsidentschaftswahlkampf 1986 war Waldheims Vergangenheit in der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs thematisiert worden und wurde auch zum Gegenstand internationaler Polemik. Obwohl eine Historiker-Kommission später kein persönliches Verschulden Waldheims feststellen konnte, kam der frühere UNO-Generalsekretär auf die US-"Watchlist" und durfte damit nicht mehr in die USA einreisen. Diese "Waldheim-Affäre" führte in weiterer Folge zu einer breiten Diskussion über den öffentlichen Umgang Österreich mit seiner Geschichte unter dem Nationalsozialismus. (apa/red)