Zurück in der Formel 1: Berger sieht
die Scuderia Toro Rosso als "sein" Team

Konkurrenz auch mit Schwesternteam RBR Gedrosselter V10-Motor Trumpf für Ex-Minardi-Team?

Bei Gerhard Berger ist es vorbei mit der Ruhe. Nur zwei Jahre hat der Tiroler eine Auszeit von der Königsklasse des Motorsports genommen. Seit der Deal mit Red Bull den Tiroler Unternehmer zum Hälfteeigentümer der Scuderia Toro Rosso gemacht hat, ist der 46-Jährige wieder in Sachen Formel 1 unterwegs. Berger wird den ersten WM-Einsatz "seines" Teams am kommenden Wochenende in Bahrain an Ort und Stelle verfolgen.

Ursprünglich wollte der frühere Ferrari- und Benetton-F1-Pilot, der auf die Erfahrung von 210 GP-Rennen und fünf Jahre als BMW-Motorsportchef zurückblickt, tatsächlich mit einem eigenen Team in die Formel 1 zurückkehren. Bisher, so Berger, sei das aber pure Geldverschwendung gewesen, "man hätte als Privater nur Schiffbruch erleiden können".

Das ändert sich aber nun, hauptsächlich dank des von FIA-Chef Max Mosley angeregten Regeländerungs- und Sparkurses. "Es geht Schritt für Schritt vorwärts, jetzt hat man auch als Privater eine Chance", betont Berger.

Berger gestand vor dem WM-Auftakt, dass der Deal mit Red Bull in der Tat äußerst kurzfristig passiert sei. "Didi Mateschitz und ich haben 18 Jahre Vergangenheit. Wir haben auch immer wieder über die Formel 1 gesprochen, aber das Timing hat einfach nie gepasst", erklärte Berger.

Die so plötzlich in seinen Schoss gefallene Scuderia sieht er trotzdem als "sein" Team an. "Sogar mehr noch. Ich habe noch dazu mit Mateschitz einen Idealpartner gefunden. Ein Österreicher, stark im Marketing und in der Formel 1 engagiert, eine Menge Synergien. Was will man mehr?"

Stichwort Synergien: Diese sind in erster Linie wirtschaftlich und sportpolitisch gegeben, aber wäre auch ein unkomplizierter Fahrerwechsel vorstellbar, wenn einer der Kandidaten beim "Mutterteam" nicht entspricht? Bergers diplomatische Antwort: "Beide Teams haben talentierte, starke Fahrer. Scott Speed und Tonio Liuzzi sind Piloten der Zukunft. Sie werden deshalb aber nicht wie Hähne lauern", glaubt Berger.

Auf eine prinzipielle Konkurrenzsituation zwischen Red Bull Racing und der Scuderia Toro Rosso muss man sich trotz des gemeinsamen Eigentümers aber sehr wohl einstellen, das weiß auch Berger. "Konkurrenz ist absolut nicht ausgeschlossen. Red Bull Racing und Toro Rosso haben jeweils die Aufgabe, den bestmöglichen Job zu machen", stellte Berger klar, dass es auf der Strecke keine gegenseitige Rücksichtnahme geben werde.

Allerdings, so Berger, müsse man die höchst unterschiedliche Ausgangslage zur Kenntnis nehmen. "Red Bull Racing ist ein Riesending im Vergleich zu Toro Rosso. Wir sind die erste Stufe der Minardi-Weiterentwicklung und Minardi stand 20 Jahre in der letzten Reihe. Unser Ziel ist, in den nächsten zwei Jahren ins Mittelfeld zu kommen."

Dass seine Scuderia unter der Führung von Landsmann Franz Tost ("Ich kenne ihn lange und gut von BMW") speziell am Saisonbeginn dank der bewährten Zehnzylinder-Motoren Vorteile haben könnte, nimmt Berger wohlwollend zur Kenntnis. Ebenso wie eine eventuell verärgerte Konkurrenz, sollte die Standfestigkeit der Cosworth-Maschinen die STR1-Autos zunächst tatsächlich in die Punkteränge spülen.

"Dann werden sie die Motoren eben weiter drosseln. Aber jeder hätte die Chance gehabt, mit Zehnzylindern zu fahren", betont Berger, der sich auf diesem Weg errungenen Erfolg nicht madig machen lassen will. "Ich habe lieber Erfolg und Neider als keinen und Mitleid."

(apa)