'Zur Supermacht fehlt moralische Autorität':
Der Dalai Lama sieht Aufholbedarf bei China

Fehlende Menschenrechte und Meinungsfreiheit EU-Parlamentspräsident appelliert an China

'Zur Supermacht fehlt moralische Autorität':
Der Dalai Lama sieht Aufholbedarf bei China © Bild: AP/Mayo

Der Dalai Lama hat China aufgerufen, seine Menschenrechtspolitik zu überdenken. Dies sei im Interesse auch der chinesischen Regierung, sagte das Exil-Oberhaupt der Tibeter bei seinem Besuch im Europaparlament in Brüssel. "Die Volksrepublik China hat den Ehrgeiz, eine Supermacht zu werden - und sie verdient es", so der Dalai Lama. "Aber ein wichtiger Faktor dafür fehlt ihr: moralische Autorität".

"Der Ruf Chinas leidet unter einer schlechten Menschenrechtslage, fehlender Meinungsfreiheit und massiver Zensur", erklärte der 73-Jährige. "China sollte in diesem Bereich sensibler werden, wenn es vom Rest der Welt mehr Respekt erwartet." Im Übrigen zeige der anhaltende Kampf der Tibeter für Autonomie, dass die chinesische Politik der Repression nicht funktioniere: "Die Chinesen glauben, dass sie dieses Problem durch die Unterdrückung lösen können, und das ist falsch", sagte der Dalai Lama.

Berichte, wonach der von der tibetischen Führung propagierte Gewaltverzicht in der eigenen Bevölkerung zunehmend auf Unmut stößt, wies der Dalai Lama zurück. Zwar gebe es Kritik daran, dass er für Tibet lediglich einen Autonomie-Status und keine Unabhängigkeit anstrebe, sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter. "Aber selbst diejenigen, die für eine Unabhängigkeit eintreten, bekennen sich klar zum gewaltfreien Protest."

EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering appellierte an Peking, den Dialog mit der tibetischen Führung wieder aufzunehmen. Andernfalls "könnte man den Eindruck gewinnen, dass die jüngsten Gespräche nur wegen der Olympischen Spiele stattgefunden haben", sagte der CDU-Politiker mit Blick auf mehrere Treffen chinesischer Regierungsbeamter mit Vertretern des Dalai Lama in den vergangenen Monaten. China hatte diese Kontakte im Mai aufgenommen, nachdem Peking wegen der gewaltsamen Niederschlagung der März-Unruhen in Tibet international in Kritik geraten war. Anfang November erklärte die chinesische Regierung die Gespräche für gescheitert.
(apa/red)