Zur Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs:
Die Arzneikosten sind immer noch zu hoch

Kdolsky: Ist keine Gebärmutterhalskrebsimpfung Weiterhin keine Aufnahme in Kinderimpfprogramm

Zur Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs:
Die Arzneikosten sind immer noch zu hoch

Die von den österreichischen Impfexperten und maßgeblichen Gynäkologen geforderte gesundheitspolitische Entscheidung für die Aufnahme der Impfung gegen die Human Papilloma Viren (HPV) in das kostenlose Kinder-Impfprogramm der öffentlichen Hand wird noch dringender: Jetzt gibt es nach "Gardasil" (Sanofi-Pasteur-MSD) mit "Cervarix" (GSK) schon den zweiten für den Zweck der Verhütung von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinome) in Europa zugelassenen Impfstoff.

Die Vakzine sind extrem hoch wirksam und schützen wahrscheinlich zumindest 6,5 bis sogar mehr als acht Jahre lang, hieß es beim Eurogin-Kongress in Monaco am Wochenende.

"99,999 Prozent der Zervixkarzinome werden durch HPV-Infektionen verursacht. Karzinome, die ohne eine solche Infektion entstehen, sind extrem selten. Acht von zehn Frauen werden durch sexuelle Kontakte mit HPV infiziert. Bei zehn Prozent kommt es zu einer langfristigen Infektion mit der Gefahr für die Krebserkrankung. 71,5 Prozent der Erkrankungen gehen auf Infektionen mit den HP-Virusstämmen 16 und 18 zurück", sagte die in Fachkreisen weltweit angesehene Pathologin Margaret Stanley in Monaco.

Alle 18 Minuten stirbt eine Frau
Zwar gibt es in den westlichen Industriestaaten etablierte Früherkennungsprogramme mit Abstrichuntersuchungen. Doch beispielsweise nur elf Prozent der britischen Frauen nehmen daran teil. In Österreich liegt die Beteiligung bei 30 Prozent. Das traurige Resultat: Alle 18 Minuten stirbt in Europa eine Frau an Gebärmutterhalskrebs, weltweit sind es pro Jahr 270.000 Todesfälle, in Europa etwa 30.000. In Österreich erkranken pro Jahr etwa 550 Frauen, etwa 180 erliegen der Krankheit. Rund 5.000 Patientinnen bekommen nach der Abstrichuntersuchung einen verdächtigen Krebsbefund und müssen sich einem Eingriff unterziehen.

Genau das könnte zu 70 Prozent mit den Vakzinen verhindert werden. Beide enthalten virusähnliche künstlich hergestellte Partikel, die das Vorhandensein des Virus vortäuschen. Die Antikrebs-Wirkung beruht auf den HPV-16 und HPV-18 ähnlichen Proteinen. Eine der Vakzine schützt auch vor Genitalwarzen. Beide Impfstoffe haben aber offenbar auch eine gewisse Kreuzprävention mit anderen und ebenfalls an der Krebsentstehung beteiligten HP-Viren.

Kdolsky misstrauisch gegenüber Impfstoff
Auch wenn Österreichs Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (V) bisher in der öffentlichen Debatte immer wieder erklärte, dass es sich bei den Impfungen nicht um Impfungen gegen Gebärmutterhalskrebs handle, so lautet der Text der Europäischen Arzneimittel-Zulassungsagentur EMEA zu einem der Produkte: "... ist ein Impfstoff zur Prävention von hochgradigen Dysplasien (Zellveränderungen, Anm.) der Zervix (CIN 2/3), Zervixkarzinomen (...), die durch Typen (...) des humanen Papillomavirus (HPV) verursacht werden." Die EMEA spricht also explizit vom Schutz vor Gebärmutterhalskrebs.

Das Problem bei den HPV-Infektionen, die eben bei zehn Prozent der betroffenen Frauen vom Immunsystem nicht beseitigt werden können: Das beim Geschlechtsverkehr übertragene Virus wird für das Immunsystem der Betroffenen offenbar nicht ausreichend erkennbar. Daher kommt keine ausreichende Immunreaktion in Gang. Sexuell aktive Frauen können sich ihr Leben lang immer wieder anstecken, weil das körpereigene Abwehrsystem kein "Gedächtnis" für diese Viren entwickelt.

100-prozentiger Schutz?
Das ist bei den Vakzinen offenbar ganz anders. Diane Harper vom Dartmouth Medical Center (US-Bundesstaat New Hampshire): "Die klinischen Studien mit 18.644 Probandinnen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren unter Verwendung von 'Cervarix' haben gezeigt, dass die wirklich Geimpften (die Hälfte erhielt ein Placebo, Anm.) zu 100 Prozent vor durch HPV-16 und HPV-18 hervorgerufenen Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs und vor wirklichen Karzinomen geschützt waren. Dieser Schutz hält zumindest fünfeinhalb Jahre an. Derzeit werden die Daten nach sechseinhalb Jahren analysiert. Sie sehen nicht anders aus." Bereits an die acht Jahre können bei Kandidatvakzinen des zweiten Impfstoffs überschaut werden. Auch hier zeigte sich bisher offenbar eine anhaltende Wirkung nach drei Vakzine-Dosen.

Die Impfstoffe, der zweite Hersteller (GSK) betont die zusätzliche Verwendung eines neuen Adjuvans zur Wirksamkeitsverstärkung, sind dazu extrem gut verträglich. Laut allen Daten von mittlerweile Zehntausenden Probandinnen gab es abgesehen von lokalen Reaktionen an der Einstichstelle keine weiteren Probleme.

600 Euro für Impfung
Jetzt käme es eben auf die breite Anwendung der Vakzine zur Verhinderung von Gebärmutterhalskrebs an. Regulär liegt der Preis in Österreich allerdings für die Impfungen bei rund 600 Euros. Bisher gab es Aktionen der Apotheken mit Reduktion auf 450 Euro - noch immer viel zu viel für viele Familien, die ihre Töchter vor dem Zervixkarzinom schützen wollen.

Tom Wright, Pathologe der Columbia-University (New York): "Natürlich müssen wir die Früherkennung mit den Abstrichtests aufrechterhalten. Doch wir müssen einerseits natürlich die heranwachsenden Mädchen impfen und die Immunisierung auch Frauen im höheren Alter anbieten." Der Schutz der Mädchen generell - bevor sie sexuelle Kontakte aufnehmen - wäre die beste Möglichkeit, mittelfristig das Zervixkarzinom wirklich an den Rand der Auslöschung in der Bevölkerung zu treiben. Die Impfung erwachsener Frauen könnte - allerdings sicher mit geringerem Wirkungsgrad - einen individuellen Schutz darstellen.

Gesundheitsministerium zögert
Die Entscheidung des österreichischen Gesundheitsministeriums zur Aufnahme der Impfung in das Kinder-Impfprogramm steht weiterhin aus. Das gilt auch für die Finanzierung der generellen Immunisierung der Säuglinge gegen potenziell lebensgefährliche Pneumokokken-Erkrankungen. Dazu hat sich zuletzt auch Deutschland entschlossen.
(apa/red)