"Zumeist große Fahrlässigkeit": Bawag machte in 10 Jahren 3 Milliarden € Verlust

NEWS: Unterlagen vor Überprüfung "verschwunden" Teure Kunstwerke & Flöttl-Flugzeug "nicht auffindbar"

Im BAWAG-Krimi steht offenbar der nächste Katastrophenbericht an. Prüfer von Nationalbank und Finanzmarktaufsicht (FMA) "zerfetzen" die Gewerkschaftsbank, wie "News" schreibt. Dem von Herausgeber Alfred Worm verfassten Magazinbericht zufolge hat die BAWAG in den vergangenen zehn Jahren in Summe rund 3 Mrd. Euro verloren. Dies zumeist aus grober Fahrlässigkeit, wie ergänzt wird.

Die BAWAG äußert sich zu dem Bericht nicht. Banksprecher Thomas Heimhofer verwies gegenüber der APA auf das laufende Behördenverfahren, in dem man keinerlei Stellungnahmen nach außen abgeben wird.

Seit Wochen prüft ein Team, bestehend aus Experten der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und der Finanzmarktaufsicht die Gebarung der BAWAG P.S.K. Geprüft werden alle Vorgänge zurück bis ins Jahr 1994.

Der hochbrisante Bericht soll bald fertig sein - in etwa drei Wochen soll er nach den Magazin-Informationen endredigiert am Tisch des Finanzministers landen. Der Endbericht solle 80 bis 100 Seiten umfassen.

Er wird, so schreibt das Magazin, minutiös darstellen, dass zahllose überprüfungsrelevante Unterlagen, die zur Rekonstruktion gewisser Spekulationsgeschäfte von Bedeutung sind, zum Verschwinden gebracht worden seien.

Vom Verdacht, dass viele Dokumente dem Reißwolf zugeführt worden sein dürften, sei auch die Staatsanwaltschaft informiert worden.

Ohne ÖGB 2001 insolvent
Im Detail hätten die Prüfer festgestellt, dass bis 2000 der BAWAG ausschließlich aus den Karibik-Spekulationen ein Schaden von rund 2 Mrd. Euro entstanden sei. Wäre die ÖGB-Garantie damals nicht abgegeben worden, hätte die BAWAG spätestens 2001 Insolvenz anmelden müssen. Die Bank wäre nicht mehr bilanzierungsfähig gewesen.

Die BAWAG betonte wiederholt, sie hätte von ihrem Spekulationspartner Wolfgang Flöttl ausreichende Sicherheiten zur Abdeckung der Spekulationsverluste gehabt. Die OeNB-FMA-Prüfer stellen das Gegenteil fest, wie das Magazin schreibt. Die von Flöttl als Sicherheiten angebotenen und mit 300 bis 400 Mio. Euro bewerteten Kunstschätze - etwa Van Goghs, Picassos etc. - seien entweder an Drittschuldner verpfändet, verschwunden oder überhaupt nur auf Pump gekauft gewesen. In einigen Fällen habe die Bank erst die Kreditraten überweisen müssen, um überhaupt an die Kunstschätze heranzukommen. Der Gesamterlös der von Flöttl angebotenen Sicherheiten habe letztlich nur knapp 100 Mio. Euro betragen.

Kunstwerke und Jet verschlampt?
Einige der Kunstwerke seien in der Schweiz deponiert gewesen und hätten im direkten Zugriff nur des damaligen BAWAG-Vorstands gestanden. Einige dieser Bilder seien nicht mehr auffindbar. Die Staatsanwaltschaft werde in den kommenden Tagen benachrichtigt.

Nach "News"-Informationen hat die BAWAG auch ein Flöttl-Flugzeug finanziert. Dieses sei aber ebenfalls nicht auffindbar.

Durch die ÖGB-Beteiligung an der liechtensteinischen Desana-Stiftung sei, wie auch bereits medienöffentlich, die BAWAG eine verdeckte Beteiligung an der US-amerikanischen Brokerfirma Refco Group Inc. in Höhe von 26,6 Prozent eingegangen. Zusätzlich zu einer bestehenden - offiziellen - BAWAG-Beteiligung an der Refco in Höhe von 10 Prozent besaß der ÖGB bis 2004 an der US-Brokerfirma somit einen Anteil von 37 Prozent. Durch die Refco-Insolvenz (Oktober 2005) erwachse nun der BAWAG - (= ÖGB) - eine Gläubigerforderung in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro, die laut Bericht in keinem Verhältnis zum (fiktiven) Beteiligungsertrag stehe.

In Summe verlor also die BAWAG in den vergangenen zehn Jahren rund 3 Mrd. Euro, heißt es im neusten "News"-Bericht zum BAWAG/ÖGB-Skandal.

(apa/red)