Zukunftsoptimismus ist angesagt: Trend- forscher Horx rechnet mit Angstszenarien ab

Überalterung, Klima-Katastrophe & Co.: Keine Spur! Urherber der Angst: "Apokalyptisches Spießertum"

Zukunftsoptimismus ist angesagt: Trend- forscher Horx rechnet mit Angstszenarien ab

"Zukunftsoptimismus" lautet die aktuelle Devise von Trendforscher Matthias Horx. In seinem jüngsten Buch erschüttert er kategorisch alle gängigen Untergangs-Szenarien und findet spottende Worte für die Klimakatastrophe. Sein Untertitel: "Warum die Welt nicht schlechter wird. Ein Pamphlet gegen Untergangs-Ideologen, Panik-Publizisten, Apokalypse-Spießer und andere Angst-Gewinner."

Das klingt zwar polemisch, doch es bleibt das Dilemma, dass der Buchmarkt mit Zukunfts-Thesen überschwemmt wird und Prognosen immer schwieriger werden. Auf Grund "nicht erfüllter Versprechen" sei die Trend- und Zukunftsforschung diskreditiert, konstatiert zum Beispiel Jonathan Grant von der amerikanischen Rand-Corporation im Wirtschaftsmagazin "Brand eins". Selbst der Erfinder der "Megatrends", der US-Amerikaner John Naisbitt, betonte kürzlich in einem Interview, es sei ihm peinlich Zukunftsforscher genannt zu werden, da es mittlerweile so viele gebe.

In den vergangenen Jahren sei die "Prognosefähigkeit" der Institute "überverkauft" worden, ihre Thesen hätten enttäuscht, meint Grant weiter. Die nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete Rand-Corporation arbeitet mittlerweile an acht Standorten weltweit und gilt immer noch als Denkfabrik. So wird zu überprüfen bleiben, ob Horx Recht hat, wenn er meint, dass uns weder die Überalterung, noch die Klima-Katastrophe oder der Kampf der Kulturen droht. Eine moralisierende Angstlobby - so wettert der 52-Jährige - verhindere echten Wandel und halte die Gesellschaft nieder. Horx: "Alarmismus ist der Nährboden des Populismus, der eigentlichen politischen Gefahr des 21. Jahrhunderts; Alarmismus macht manche politischen Zukunftsdebatten praktisch unmöglich."

Zukunftsvorhersage immer schwieriger
Die Zukunftsvorhersage wird, so hat auch eine in "Brand eins" veröffentlichte Branchen-Umfrage des Schweizer Gottlieb Duttweiler Instituts ergeben, immer schwieriger. Es gebe nicht mehr einen dominanten Trend, sondern vielfältige parallele Entwicklungen überall auf der Welt. Auf der Website "trendwatching.com" erscheint jede Woche ein Newsletter mit aktuellen Strömungen und Einschätzungen junger Nachwuchsforscher. Und so zeichnet der Medien-Profi Horx denn auch lieber ein sehr differenziertes Bild der Realität - in einer eingängigen Sprache. Mitunter sehr subjektiv kritisiert er Medien- Mechanismen, die ein absurdes Klima aus Angst und Zukunftspessimismus provozieren. Er wirft der Öffentlichkeit vor, sich in einer "medial geprägten Scheinrealität" allzu bereitwillig durch Untergangs-Szenarien irreführen zu lassen.

Urheber der Angst
   Als Urheber identifiziert er ein "apokalyptisches Spießertum, das in unserem öffentlichen Diskurs an vielen Schaltstellen die Macht übernommen hat". Dessen Alarmismus funktioniere wie ein "Verschiebebahnhof der Ängste" und er mache unser "Denken und Fühlen dümmer, eindimensionaler und primitiver." Dabei werde die Welt aller Hysterie und Jammerei zum Trotz nicht schlechter, versucht Horx anhand diverser Beispiele nachzuweisen. Der Mensch als Fremdkörper in der Natur sei ebenso ein Märchen wie das der demographischen Überalterung. Stattdessen plädiert er für einen Optimismus, der nicht naiv daher kommt, sondern auf aktive Zukunftsgestaltung setzt und den individuellen Handlungsspielraum jedes Einzelnen voll ausschöpft.

Service
Matthias Horx: "Anleitung zum Zukunftsoptimismus. Warum die Welt nicht schlechter wird. Ein Pamphlet gegen Untergangs-Ideologen, Panik-Publizisten, Apokalypse-Spießer und andere Angst-Gewinner."
Campus Verlag, Frankfurt/New York.
310 Seiten
25,60 Euro
ISBN 978-3-5933-8251-7

(apa/red)