Zugsunglück in Ägypten: Dutzende Tote bei einem Auffahrunfall zweier Bahngarnituren

Beide Züge wurden auf das gleiche Gleis geleitet Mehr als 160 Menschen bei Auffahrunfall verletzt

Zugsunglück in Ägypten: Dutzende Tote bei einem Auffahrunfall zweier Bahngarnituren

Bei dem schwersten Zugunglück in Ägypten seit Jahren sind Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Zur genauen Zahl der Opfer herrschte auch Stunden nach der Katastrophe noch Unklarheit: Während in Sicherheitskreisen von 80 Toten die Rede war, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Mena von 51 Todesopfern. Mehr als 160 Menschen wurden durch den Zusammenprall zweier Pendlerzüge in Kaljub rund 20 Kilometer nördlich von Kairo verletzt.

Es gab keine offiziellen Äußerungen zur Ursache des Unglücks. Augenzeugen zufolge raste ein Zug von hinten in eine andere Bahn. Mena berichtete, ein Zugfahrer habe am frühen Morgen offenkundig ein Signal übersehen.

Am Ort des Geschehens arbeiteten Rettungskräfte zum Teil mit Planierraupen, um sich zu den Opfern in den mit Blut verschmierten Waggons vorzukämpfen. Ein Zug entgleiste bei dem Unfall und wurde in vier Teile zerrissen. Die Waggons wiesen zum Teil Brandspuren auf. Sie waren ineinander gequetscht wie ein Akkordeon.

Überall lagen Kleidungsstücke der Passagiere herum. Augenzeugen berichteten, der Motor eines Zugs sei in Flammen aufgegangen. "Als der erste Zug stoppte, haben wir von hinten den anderen Zug mit quietschenden Bremsen anrauschen kommen sehen", sagte ein Augenzeuge. "Wir schrien 'Fahrer, Fahrer, da kommt ein Zug', daraufhin fuhr er etwas vor, aber dann knallte es."

Rund 1.000 Passagiere und besorgte Angehörige standen am Unglücksort und warteten auf Neuigkeiten. Hunderte Sicherheitskräfte hielten die Menschenmenge mit gezogener Waffe zurück. Über Lautsprecher wurden die Menschen aufgefordert, Blut zu spenden. Daraufhin bildeten sich Schlangen, um dem nachzukommen.

Das Zugunglück war das schwerste in Ägypten seit 2002. Damals starben 360 Menschen, als in einem voll gepackten Zug Feuer ausbrach. Die Katastrophe war die schlimmste in der 150-jährigen Eisenbahngeschichte des Landes. Sie führte zum Rücktritt des Bahn-Chefs und des Verkehrsministers. (apa)