Zuerst stark dezimiert, dann auch noch halbiert: Chronologie der FPÖ seit Wahl 2002

Nach vernichtender Wahl kommt BZÖ-Abspaltung

Die wichtigsten Ereignisse, die FPÖ betreffend, während der letzten vier Jahre:

2002

* 24.11.: Die FPÖ fährt bei der Nationalratswahl mit 16,9 Prozentpunkten das größte in der Zweiten Republik verzeichnete Minus ein. Nach fast 27 Prozent im Jahr 1999 kommen die Freiheitlichen nach
zwei Regierungsjahren nur mehr auf 10,0 Prozent.

* 25.11.: Der geschäftsführende Parteichef Herbert Haupt und Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider bieten ihren Rücktritt an. Beide Angebote werden von der Partei abgelehnt. Es folgt eine Ausschlussorgie prominenter Funktionäre.

* 8.12.: Haupt wird mit 87,8 Prozent zum Parteiobmann gewählt.

2003

* 20.2.: ÖVP und FPÖ einigen sich auf weitere vier Jahre Schwarz-Blau. Gegenstimmen gegen das Regierungsprogramm kommen unter anderem von den Kärntner Freiheitlichen.

* 30.3.: Die FPÖ erleidet bei der NÖ Landtagswahl erneut ein Debakel. Sie kommt mit einem Minus von fast zwölf Prozentpunkten nur noch auf 4,5 Prozent.

* 28.9.: Auch bei den Landtagswahlen in Tirol und Oberösterreich setzt es für die FPÖ herbe Niederlagen. In OÖ verliert die FPÖ den dritten Rang. Sie muss mit 8,8 Prozent ein Minus von zehn Punkten einstecken. Acht Prozent in Tirol bedeuten ein Minus von 11,6 Prozentpunkten.

* 20.10.: Infrastrukturminister Hubert Gorbach wird neuer Vizekanzler. Er löst damit Haupt ab, der vorerst Sozialminister bleibt.

2004

* 6.3.: Heinz-Christian Strache wird mit 84,6 Prozent zum neuen Parteiobmann der Wiener FPÖ gewählt.

* 7.3.: Während es bei der Landtagswahl in Salzburg mit 8,7 Prozent eine neue Schlappe (- 10,8 Prozentpunkte) setzt, verteidigt Haider in Kärnten Platz eins mit 42,4 Prozent.

* 13.3.: Die Kärntner FPÖ und SPÖ besiegeln bei einem Glas Chianti ihre neu geschlossene Koalition.

* 13.6.: Das nächste Wahldebakel lässt nicht lange auf sich warten. Bei der EU-Wahl schafft die FPÖ nur 6,3 Prozent.

* 15.6.: Sozialstaatssekretärin Ursula Haubner löst Haupt als Bundesparteiobfrau ab.

* 18.6.: Justizminister Dieter Böhmdorfer tritt zurück. Gerüchte über Ablöse Haupts.

* 25.6.: Haubner präsentiert neues Regierungsteam. Karin Gastinger - damals noch Miklautsch - wird neue Justizministerin, Eduard Mainoni neuer Staatssekretär im Infrastrukturministerium, Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck muss gehen.

* 3.7.: Haubner wird mit 79 Prozent zur Obfrau gewählt. Strache und der oberösterreichische Landeschef, Günther Steinkellner, werden ihr als Stellvertreter zur Seite gestellt.

* 19.9.: Die Vorarlberg-Wahl bringt die nächste Niederlage. Die FPÖ bekommt nur 13 Prozent, das ist ein Minus von 14,4 Prozentpunkten.

2005

* 24.1.: Haubner folgt Haupt als Sozialministerin.

* 8.3.: Haubner verkündet "FPÖ neu", Haider spricht von Neugründung der Partei. Der rechte Parteiflügel - vertreten durch Volksanwalt Ewald Stadler, EU-Abg. Andreas Mölzer, Seniorenring-Obmann Karl Wimleitner und RFJ-Obmann Johann Gudenus - verlässt den Parteivorstand und Strache legte seine Funktion als Vize nieder.

* 9.3.: Die am Vortag angekündigte Neugründung der Partei wird abgesagt. Klubobmann Herbert Scheibner soll stattdessen ein neues Schwerpunktprogramm erarbeiten.

* 4.4.: Haider, Haupt, Gorbach und Scheibner verkünden die Gründung des BZÖ, der rechte Parteiflügel "behält" die FPÖ.

* 5.4.: Strache gibt Kandidatur als FPÖ-Obmann bekannt.

* 7.4.: Der interimistische FPÖ-Obmann Hilmar Kabas schließt Haider aus der FPÖ aus.

* 23.4.: Strache wird mit 90,1 Prozent zum Parteichef gewählt.

* 27.3.: Vorarlberger Freiheitliche beschließen Eigenständigkeit, kehren aber später unter Auflagen zur Mutterpartei zurück.

* 2.10.: Die FPÖ gewinnt bei der Landtagswahl in der Steiermark mit 4,6 Prozent das Duell gegen Orange (1,7 Prozent), muss aber massive Verluste hinnehmen (- 7,8 Prozentpunkte).

* 9.10.: Bei der Wahl im Burgenland werden die Freiheitlichen praktisch halbiert und erreichen 5,7 Prozent. Das BZÖ tritt gar nicht an.

* 23.10.: Die Wien-Wahl ist trotz des Verlustes von fünf Prozentpunkten ein voller Erfolg. Strache bremst mit 14,8 Prozent erstmals die Talfahrt der FPÖ ein. Das BZÖ bleibt mit 1,15 Prozent sogar hinter der KPÖ.

2006

* 9.3.: Die Abgeordneten Helene Partik-Pable, Max Hofmann und Detlev Neudeck treten aus der FPÖ aus mit der Begründung, unter Druck gesetzt worden zu sein, für die Förderung der FPÖ-Akademie zu unterschreiben.

* 13.3.: Das blaue Anti-EU-Volksbegehren bringt mit rund 260.000 Unterschriften ein passables Ergebnis.

* 23.3.: Die Regierung streicht der FP-Akademie die komplette Förderung von 1,44 Mio. Euro.

* 29.3.: ÖVP-BZÖ kürzen der FPÖ weitere Fördergelder von rund 100.000 Euro.

* 24.7.: Der ehemalige Nationalratsabgeordnete Reinhart Gaugg gewinnt in erster Instanz den Prozess gegen seine ehemalige Partei. Das Gericht spricht ihm 352.500 Euro zu.

* 21.8.: Die Regierung gibt den bisherigen FPÖ-Sitz in der Bundeswahlbehörde dem BZÖ.

* 30.8.: Überraschende Entscheidung der Bundeswahlbehörde im Stimmzettel-Streit mit dem BZÖ: Die FPÖ bekommt den dritten Platz.

* 31.8. Das BZÖ darf in allen Bundesländern als "Die Freiheitlichen - Liste Westenthaler- BZÖ" antreten.

(apa)