Süssigkeiten von

Vorsicht, Zucker kann
Ihre Gesundheit gefährden

So oder so ähnlich könnten Warnhinweise lauten, wie sie britische Ärzte nun fordern

Zucker in Lebensmittel © Bild: Istockphoto.com/piotr_malczyk

Britische Ärzte und Zahnärzte fordern jetzt Warnhinweise auf Süßigkeitenpackungen, ähnlich jenen auf Zigarettenschachteln. Das soll vor allem Kinder vor übermäßiger Zuckerzufuhr schützen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt nicht mehr als sechs bis zwölf Teelöffel Zucker pro Tag für Erwachsene, für Kinder die Hälfte. Doch immer mehr Menschen überschreiten diese Dosis um ein Vielfaches.

Zu viel Zucker kann nicht nur dick, sondern auch krank machen: Einige Studien sehen einen Zusammenhang zwischen Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und übermäßigem Zuckerkonsum, andere Studien wiederum nicht. Die diesbezügliche Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) schließt einen Konnex zwar nicht vollständig aus, weist aber auf unterschiedliche Studienergebnisse hin und sieht daher den "Zusammenhang zwischen der absoluten Zufuhrmenge von Kohlenhydraten und dem Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 als unzureichend" an. Aktuelle Studien besagen laut Gesundheitsministerium, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes oder Übergewicht von einer Kohlenhydratreduzierung profitieren würden.

In Großbritannien sind laut Ärzten ein Drittel der Kinder zwischen 2 und 15 Jahren übergewichtig oder fettleibig. Seit 2015 mussten rund 34.000 Kindern im Alter von 9 Jahren und jünger kaputte Zähne entfernt werden.

Warnhinweise und Kennzeichnungen

In Großbritannien plädieren Ärzte angesichts des anhaltenden Gesundheitsrisikos nun für Warnhinweise auf Süßigkeitenpackungen, wie die britische Zeitung "The Sun" berichtet. Darauf könnte stehen: "Zucker kann zu Fettleibigkeit und Zahnfüllungen führen". Die Fotos sollen ähnlich abschreckend sein, wie die Warnhinweise auf Zigarettenschachteln. Aufnahmen von verfaulten Zähnen oder übergewichtigen Kindern könnten beispielsweise die Verpackungen zieren. Die Mediziner würden sich davon erhoffen, dass die Zahl der fettleibigen Kinder zurückgeht und die Zahnhygiene wieder ernster genommen wird.

Derzeit können Konsumenten den Zuckergehalt an der Nährwertinformation auf der Verpackung ablesen. Sie ist laut EU-Verbraucherinformationsverordnung seit 13. Dezember 2016 verpflichtend. Die Angaben in Tabellenform müssen pro 100 Gramm oder Milliliter erfolgen.

Aber würden Warnhinweise wirklich mehr bewirken? Zumindest die britischen Ärzte bauen darauf und Verbraucherschutzorganisationen fordern vehement eine noch übersichtlichere Kennzeichnung. Die NGO "Foodwatch" setzt sich bereits seit Jahren für eine Ampel-Lebensmittelkennzeichnung in Bezug auf Zucker-, Fett- und Salzgehalt ein: rot für einen hohen Gehalt, gelb für einen mittleren Gehalt und grün für einen niedrigen Gehalt. In Deutschland wurde eine Einführung dieses Modells auf politischer Ebene 2008 abgelehnt.

Die Lebensmittelindustrie hat stattdessen seit einigen Jahren eine freiwillige Nährwert-Übersicht eingeführt, die sogenannte "Guideline Daily Amount" (GDA) oder Richtlinie für den täglichen Bedarf. Sie orientiert sich meist am Kalorienbedarf eines Erwachsenen, der bei circa 2.000 kcal liegt. Allerdings ist die GDA-Kennzeichnung umstritten. Experten kritisieren, dass sich der Referenzwert auf eine Portion bezieht, deren Größe die Hersteller selbst bestimmen könne. Je kleiner die Portion, desto kleiner wird auch die Prozentangabe und damit der Anteil an der empfohlenen Verzehrsmenge pro Tag, wie "Foodwatch" kritisiert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat unter anderem angemerkt, dass die Berechnung der Energiezufuhr nicht repräsentativ ist, da der Grundumsatz je nachdem, ob es sich zum Beispiel um ein Kind, eine ältere Frau oder einen Bauarbeiter handelt, variiert.

Lebensmittelkennzeichnung
© News.at Nährwerttabelle eines Joghurts, inklusive freiwillige Referenzmenge (links unten)

Wie viel Zucker ist gesund?

"Die Vermarktung von Lebensmitteln mit übermäßigem Energie-, Fett-, Zucker- oder Salzgehalt hat nachweislich schädliche Auswirkungen auf Kinder, denn sie fördert die Entwicklung ungesunder Präferenzen und Gewohnheiten in Bezug auf Ernährung und leistet der Adipositas im Kindesalter Vorschub und trägt damit zur späteren Entstehung ernährungsbedingter nichtübertragbarer Krankheiten bei", teilte die WHO 2015 in einer Aussendung mit. In diesem Jahr ist auch die Richtlinie der Gesundheitsorganisation für die Aufnahme an freiem Zucker erschienen. Freier Zucker meint dabei nicht den natürlich in Obst oder Milch vorkommenden Zucker, sondern den von Verbrauchern oder Produzenten zugesetzten Zucker - also den Löffel Zucker im Kaffee oder den Zuckeranteil in verarbeiteten Lebensmitteln wie Fertiggerichten oder Limonaden. Die WHO-Richtlinie empfiehlt eine maximale Zuckerzufuhr von 50 Gramm pro Tag (rund 12 Teelöffel) für einen durchschnittlichen Erwachsenen. Kinder sollten ungefähr um die Hälfte weniger zu sich nehmen.

In Österreich liegt der Zuckerverbrauch pro Kopf und Tag laut Statistik Austria (2016) aber weit höher als der von der WHO empfohlene, nämlich bei 94 Gramm. Das entspricht in etwa 25 Stück Würfelzucker. In Österreich sind laut OECD 14,7 Prozent der Gesamtbevölkerung stark übergewichtig, auch Jugendliche sind zunehmend von Übergewicht und Fettleibigkeit betroffen.

Aber warum können wir nicht die Finger von dem süßen Stoff lassen? Zucker macht glücklich. Nimmt ein Mensch Zucker auf, wird eine große Menge des "Glückshormons" Dopamin freigesetzt. Die Laune steigt. Laut Wissenschaftern ist der Mechanismus ähnlich wie bei den Drogen Kokain und Heroin, manche warnen daher sogar davor, dass Zucker süchtig mache.

Im Video: Diese 4 Anzeichen deuten darauf hin, dass Sie zu viel Zucker essen

Viele Namen, eine Bedeutung

Knifflig wird es, wenn zwar Zucker drinnen steckt, der Begriff aber ein anderer ist. Denn Zucker ist nicht gleich Zucker und hat viele Namen wie Glucose (Dextrose oder Traubenzucker, ein Einfachzucker), Fructose (Fruchtzucker), Saccharose (Haushaltszucker, ein Zweifachzucker aus Glucose und Fructose) und Maltose (Malzzucker, ein Zweifachzucker). Wer sich nicht sicher ist, wie viel Zucker in einem Produkt vorhanden ist, kann den Anteil aus der verpflichtenden Nährwerttabelle auf der Verpackung ablesen.

So viel Zucker steckt drinnen

Und wo versteckt sich Zucker? Mittlerweile weiß der Konsument, dass Lebensmittel wie Softdrinks, Schokolade oder andere Süßigkeiten viel Zucker enthalten können, aber es gibt auch Produkte, in denen man einen derart hohen Zuckeranteil vielleicht nicht vermuten würde. Hier ein kleiner Auszug an zuckerhaltigen Lebensmitteln*:

Bonbons: 100 g enthalten durchschnittlich 97 g Zucker. Das sind 24 Stück Würfelzucker

Gummibärchen: 100 g enthalten durchschnittlich 76 g Zucker. Das sind 19 Stück Würfelzucker

Nuss-Nougat-Creme und Marmelade: 100 g enthalten jeweils durchschnittlich 55–60 g Zucker. Das sind rund 14 Stück Würfelzucker

Fruchtjoghurt: 200 g enthalten rund 25-30 g Zucker. Das sind rund 7 Stück Würfelzucker

Obst-Smoothie: 250 ml enthalten rund 30 g Zucker. Das sind rund 7 Stück Würfelzucker

Apfelsaft: 200 ml enthalten rund 22 g Zucker. Das sind rund 5 Stück Würfelzucker

Cola: 200 ml enthalten rund 22 g Zucker. Das sind rund 5 Stück Würfelzucker

Ketchup: 100 g enthalten rund 18 g Zucker. Das sind rund 4 Stück Würfelzucker

Brot: 500 g enthalten rund 13 g Zucker. Das sind rund3 Stück Würfelzucker

Mineralwasser "mit Geschmack": 200 ml enthalten rund 8 g Zucker. Das sind rund 2 Stück Würfelzucker

Frischkäse: 100 g enthalten rund 4 g Zucker. Das ist in etwa 1 Stück Würfelzucker

Tiefkühlpizza: 100 g enthalten rund 4 g Zucker. Das ist in etwa 1 Stück Würfelzucker

*Quelle: Bundesministerium für Gesundheit und Frauen und Herstellerangaben