Zoff um Elite-Uni geht weiter: Schüssel sieht Gugging nur 20 Minuten von Wien entfernt

Kanzler verteidigt Standort der geplanten Elite-Uni "Top-Kapazunder" an Bord des Projekts

Zoff um Elite-Uni geht weiter: Schüssel sieht Gugging nur 20 Minuten von Wien entfernt

Von wegen Randlage: Gugging, Standort der geplanten Elite-Uni, ist laut Bundeskanzler Wolfgang Schüssel nur 20 Minuten von Wiens Zentrum entfernt. Eine mutige Theorie, geben doch selbst Routenplaner, die bekannt für kleine Zeit-Schummeleien sind, die Fahrtdauer mit weit mehr als einer halben Stunde an.

Schüssel hat Recherchen angestellt, um die Kritik an der vermeintlichen Randlage der geplanten Elite-Uni im niederösterreichischen Maria Gugging bei Klosterneuburg zu entkräften. Das künftige Institute of Science and Technology (ISTA) sei 20 Minuten vom Ballhausplatz in der Wiener Innenstadt entfernt - "getestet“, so Schüssel.

Unklar blieb, auf welches Verkehrsmittel sich der Kanzler bei seinem Test bezog. Der Internet-Routenplaner "http://www.viamichelin.com" gibt die Entfernung zwischen dem Ballhausplatz (Amtssitz des Bundeskanzlers) und Maria Gugging mit 19 Kilometer und die Fahrtzeit in einem Auto mit 37 Minuten an. Dabei handle es sich um die schnellste Route.

Optimistische Einschätzung
Erfahrungsgemäß sind die Angaben von Internet-Routenplanern nicht nur außerhalb der Stoßzeiten und unter Berücksichtigung der gesetzlichen Geschwindigkeitsbeschränkungen als optimistisch einzuschätzen. Um die 19 Kilometer lange Strecke (sieben Kilometer davon allein im Wiener Stadtgebiet!) in 20 Minuten zurückzulegen, muss man mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 57 Kilometern die Stunde unterwegs sein.

Schüssel verteidigt Entscheidung
Bei einer Aussprache mit den Abgeordneten über die künftige EU-Wirtschaftspolitik verteidigte Schüssel die Entscheidung für die Elite-Uni. Er verwies auf das auf EU-Ebene geplante "European Institute of Technology" (ETI), das bestehende Elite-Universitäten im Forschungsbereich vernetzen und mit zwei bis 2,5 Mrd. Euro dotiert werden soll. "Mit dem IST liegen wir optimal, weil wir einen österreichischen Ansprechpartner haben, der voll hinein gehen kann", erklärte der Kanzler die Eile bei der Standort-Entscheidung.

"Top-Kapazunder" an Bord
Es sei zudem ein "Hit", dass es für den Aufbau der Uni "gelungen ist, Top-Kapazunder an Bord zu bringen", sagte er unter Verweis auf den Präsidenten des Weizmann-Instituts (Israel), der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) Zürich und der deutschen Max Planck-Gesellschaft, Haim Harari, Olaf Kübler und Hubert Markl.

Grüne: "Auf Biegen und Brechen"
Die Grüne Abgeordnete Michaela Sburny konnte der Argumentation des Kanzlers nicht viel abgewinnen. Obwohl vom ETI "erst ein Konzept vorliegt", müsse jetzt "innerhalb von kürzester Zeit auf Biegen und Brechen" ein österreichisches Institut entstehen, "das wunderbar dazu passt", sagte sie ironisch.

(apa/red)