Zlatko Junuzovic vor einem Wechsel ins Ausland? "Habe keinen Stress wegzugehen"

Frischgebackener 'Fußballer des Jahres' im Interview Über seine Entwicklung, die Austria und seine Zukunft

Zlatko Junuzovic vor einem Wechsel ins Ausland? "Habe keinen Stress wegzugehen" © Bild: GEPA

Zlatko Junuzovic, Österreichs Fußballer des Jahres 2010, über seinen Wahlsieg, seine Zukunft mit Austria Wien, die Perspektiven des ÖFB-Teams, aber auch über seinen Vertrag mit dem Vizemeister und Integration.

Frage: Die zehn Bundeliga-Trainer haben Sie als ersten Austrianer seit dem Slowaken Vladimir Janocko zu Österreichs "Fußballer des Jahres" gewählt. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?
Junuzovic: "Das ist natürlich eine ganz große Ehre, so einen Titel bekommt man nicht alle Tage. Ich bin sehr stolz darauf. Es hat mich ein wenig überrascht. Es ist auch ein Ansporn. Ich hoffe, dass ich mich weiterhin weiterentwickeln kann. Es ist mein großes Ziel, meine Leistungen zu bestätigen und besser zu werden."

Frage: Sie haben sich nicht nur sportlich enorm entwickelt, sondern Sie sind auch zu einem Führungsspieler in den Austria-Reihen geworden. Wie sehen Sie Ihre Zukunft?
Junuzovic: "Meine Karriere ist bisher positiv verlaufen. Es ist nicht alles übermäßig schnell gegangen, sondern Schritt für Schritt, wie ich es immer geplant habe. In gewissen Bereichen muss ich mich verbessern, ist noch Entwicklungsbedarf da, wie etwa im Torschießen. Mit fünf Treffern ist das momentan von mir schon eine der besseren Saisonen. Mit dieser Mannschaft kann es nur weiter bergauf gehen."

Frage: Daheim mit nur drei Siegen Siebenter, aber auswärts mit lediglich einer Niederlage Erster. Wieso hat die Austria im Herbst in der Liga zwei Gesichter gezeigt?
Junuzovic: "Es ist schwer zu erklären. Ich glaube, dass wir auswärts nicht so den Druck wie zu Hause spüren. Daheim müssen wir unbedingt gewinnen, verlangt jeder von uns drei Punkte. Wir benötigen die Heimstärke, damit wir auch ganz vorne dabei sind, das wissen wir. Ich hoffe, dass wir das wieder ein bisschen umdrehen, aber auswärts gleichstark bleiben."

Frage: Was trauen Sie der viertplatzierten Austria, die 2011 ihren 100. Geburtstag feiert, in dieser Saison am Ende zu?
Junuzovic: "Zum Jubiläum wünscht sich jeder den Titel. Wir sind im Cup auch gut dabei und in der Liga wie andere sieben Mannschaften auch nach wie vor im Rennen. Es ist noch alles drinnen. Wenn wir ein Frühjahr haben wie heuer, dann können wir es auch schaffen."

Frage: Wohin geht es mit dem Nationalteam in der EM-Qualifikation als derzeitiger Tabellenzweiter mit sieben Punkten aus den ersten drei Spielen?
Junuzovic: "Die EM-Qualifikation ist auf alle Fälle möglich, warum nicht - ganz tiefstapeln brauchen wir uns nicht. Wie wir in Belgien auftraten und gespielt haben, ist einiges möglich, und warum sollten wir daheim gegen Belgien und in der Türkei nicht bestehen? Ich sehe alles positiv, wie sich das in der Nationalmannschaft entwickelt hat. Wir spielen einen guten Fußball, das muss beibehalten werden, dann wird es noch besser ausschauen!"

Frage: Als Sie im Sommer 2009 von Austria Kärnten nach Wien gekommen sind, soll auch Rapid an Ihnen Interesse gehabt haben. Warum haben Sie sich für Violett entschieden?
Junuzovic: "Das Rapid-Interesse war schon zu meiner GAK-Zeit, da habe ich mich für Kärnten entschieden. Ich bin damals zu Walter Schachner gegangen, weil ich gewusst habe, dass ich dort spielen werde. Nach meiner Kärnten-Ära war Rapid zu langsam, die Austria war gleich mein Ansprechpartner, hat sich um mich sehr bemüht. Bei der Austria habe ich ein sehr gutes Gefühl gehabt, das hat mich bis jetzt nicht getäuscht. Von dem her war es die richtige Entscheidung zur Austria zu wechseln."

Frage: Man hat zuletzt immer wieder gehört und gelesen, dass Hannover 96 ein Auge auf Sie geworfen hätte. Ihr Vertrag läuft noch bis Sommer 2012, wann kommt für Sie ein Transfer ins Ausland infrage?
Junuzovic: "Ja, es sind Beobachtungen im Gange. Ich weiß, dass es auch ein konkretes Interesse gibt, aber es ist noch nichts Schriftliches vorhanden. Es gibt nicht nur Hannover, sondern auch andere Vereine. Wie gesagt, es sind Beobachtungen und nichts Konkretes. Aber im Sommer wird man sich zusammensetzen, wenn es so weitergehen sollte, wird man mit dem Verein alles klären. Dann wird man sehen, wie die Zukunft ausschaut."

Frage: Welchen Sommer, den kommenden oder 2012?
Junuzovic: "Je nach dem, nächstes Jahr wird es sicher Gespräche geben. Ich habe noch eineinhalb Jahre Vertrag. Unter Druck setze ich mich nicht, ich fühle mich hier wohl. Wir haben eine Super-Truppe, die Fans stehen hinter uns, und von dem her ist der Verein sehr gut für mich. Ich habe keinen Stress wegzugehen."

Frage: Sie sind als Bub mit Ihren Eltern vor dem Bürgerkrieg im früheren Jugoslawien 1992 in den Kärntner Ort Kühnsdorf geflohen und ein gutes Beispiel für funktionierende Integration. Welchen wichtigen Rat würden Sie Einwanderern geben?
Junuzovic: "Wenn man ein ruhiges Leben in Harmonie verbringen will, dann soll man sich voll integrieren und die Sprache können. Man soll sich mit dem Land auseinandersetzen, wo man ist. Man sollte nicht die Kultur ändern, wo man hinkommt. Das Wichtigste ist, sich in einer ganz freundlichen Art und Weise respektvoll zu anderen Menschen zu verhalten. Dann hat man ein gutes Leben und kommt auch mit anderen gut aus."

(apa/red)