Zittern vor dem Fluch des Viertelfinales:
Spanien fürchtet Italien & schwarze Serie

Erst ein Sieg gegen "Squadra Azzurra" bei Turnieren Erinnerungen an bitteres WM-Ausscheiden im Jahr '94

Zittern vor dem Fluch des Viertelfinales:
Spanien fürchtet Italien & schwarze Serie © Bild: news.at

Trotz tadellosen Leistungen in der Vorrunde schlottern den Spaniern vor ihrem heutigen Einstieg in die K.o-Phase der EURO 2008 gegen Weltmeister Italien (20.45 Uhr/LIVE auf news.at) in Wien die Knie. Da ist einmal der Fluch des "Viertelfinales", der Spanien seit der EM 1984 verfolgt. Damals verloren sie das Endspiel gegen Gastgeber Frankreich in Paris mit 0:2, seither war spätestens vor dem Halbfinale Endstation. Und dann bekommt es "La Roja" ausgerechnet mit Italien zu tun. In einem offiziellen Bewerbspiel hat Spanien nur einmal gegen die "Azzurri" gewonnen: Vor 88 Jahren, bei Olympia 1920 in Antwerpen (2:0).

Allerdings hatte man bei fußballerischen Großereignissen auch nicht sehr oft miteinander zu tun. Bei Olympia trafen die beiden 1928 in Amsterdam einander aber sogar zweimal. Zuerst wurde remisiert (1:1), dann machte Italien nicht viel Federlesens (7:1). Bei der WM 1934 im faschistischen Italien von Diktator Benito Mussolini wurde auch doppelt gespielt. Zuerst am 31. Mai in Florenz (1:1) und dann gleich am Tag danach an selber Stelle. Diesmal behielten die Gastgeber mit 1:0 die Oberhand.

Denkwürdiges WM-Viertelfinale 1994
Dann folgten 60 Jahre der Ruhe, bis das Duell bei der WM 1994 in den USA wieder auflebte. Mit einem Kracher freilich. Spanien verlor das Viertelfinale in der 88. Minute, als Roberto Baggio zum 2:1-Endstand traf. Die Iberer tobten aber insbesondere über den ungarischen Schiedsrichter Sandor Puhl, der in der Nachspielzeit einen Ellbogencheck von Mauro Tassotti an Luis Enrique im Strafraum nicht sah.

Spaniens Sturmspitze erlitt dabei einen dreifachen Nasenbeinbruch. Das Bild, das Enrique zeigt, wie er mit blutverschmiertem Gesicht das Spielfeld verlässt, hat sich in das kollektive Gedächtnis Fußball-Spaniens eingebrannt. Zu Sicherheit wurde es aber vor dem Viertelfinal-Duell gemeinsam mit den TV-Szenen von damals wieder aus den Archiven hervorgezaubert.

In Erinnerung ist auch noch die Verzweiflung von Julio Salinas, der in der 82. Minute den Matchball für Spanien ausließ, weil er an Italiens Keeper Gianluca Pagliuca scheiterte. "Diese Szene wird mich noch in 50 Jahren beschäftigen", seufzte der weinende Barca-Stürmer nach Spiel. 14 Jahre davon hat er mittlerweile schon hinter sich.

Insgesamt ausgeglichene Bilanz
Insgesamt 27 Mal trafen die beiden Nationalteams aufeinander. Die Bilanz ist beinahe ausgeglichen, wobei die Italiener die Nasen um einen Sieg vorne haben. Spanien gewann acht Spiele und verlor neun. Zehnmal wurde remisiert. Das bisher letzte Aufeinandertreffen entschied Ende März dieses Jahres Spanien in Elche in aller Freundschaft mit 1:0 für sich.

Das Tor erzielte damals der bisher dreifache EURO-2008-Torschütze David Villa (77.). Vielleicht ein gutes Zeichen für die Blau-Gelb-Roten, deren Chef Luis Aragones von Statistiken aus der Vergangenheit nichts hält. Selbst wenn sie gerade ein Vierteljahr alt sind: "Dieser Sieg bringt mir jetzt überhaupt nichts mehr."

Optimismus auf beiden Seiten
"Wir fürchten weder Italien noch irgendeinen italienischen Spieler", gab sich Fernando Torres am mutig. Respekt ist aber vorhanden: "Italien ist nicht umsonst vierfacher Weltmeister, das kommt nicht von ungefähr. Einmal kann man vielleicht aus Zufall gewinnen, aber nicht so oft. Aus diesem Grund sind sie auch die Favoriten. In der Gruppenphase waren sie zwar nicht brillant, aber das heißt nichts."

"Ich hatte nie Zweifel an dieser Mannschaft. Wir können jeden Gegner schlagen", erklärte auf der italienischen Seite Teamchef Roberto Donadoni, für den allerdings auch ein eventuelles Aus gegen Spanien das Ende seiner Teamchef-Ära bedeuten dürfte. Doch davon gehen die Azzurri natürlich nicht aus.

"Alles-oder-Nichts-Match"
"Der Einzug ins Viertelfinale war hoffentlich erst der Startschuss für uns", meinte der 33-jährige Routinier Alessandro Del Piero. Der 2:0-Sieg gegen den Erzrivalen Frankreich und der damit verbundene Aufstieg in die K.o.-Runde hat Italien wieder zum Leben erweckt. "Dieser Sieg lässt uns daran glauben, dass wir bis zum Schluss im Turnier bleiben können", so Del Piero, der aber Spanien zu den Topfavoriten auf den Titel zählt und von einem "Alles-oder-Nichts-Match" sprach.

Mögliche Aufstellungen Spanien - Italien
(Wiener Happel-Stadion, 20.45 Uhr/live auf news.at, Schiedsrichter Herbert Fandel/GER):

Spanien: 1 Casillas - 15 Ramos, 4 Marchena, 5 Puyol, 11 Capdevila - 19 Senna - 12 Cazorla, 8 Xavi, 21 Silva - 7 Villa, 9 Torres

Ersatz: 23 Reina, 13 Palop - 2 Albiol, 3 Navarro, 18 Arbeloa, 10 Fabregas, 6 Iniesta, 14 Xabi Alonso, 20 Juanito, 22 De La Red, 17 Güiza, 16 Garcia

Italien: 1 Buffon - 19 Zambrotta, 2 Panucci, 4 Chiellini, 3 Grosso - 16 Camoranesi, 10 De Rossi, 20 Perrotta, 13 Ambrosini - 18 Cassano, 9 Toni

Ersatz: 14 Amelia, 17 De Sanctis - 22 Aquilani, 11 Di Natale, 5 Gamberini, 23 Materazzi, 7 Del Piero, 12 Boriello, 15 Quagliarella

Es fehlen: 21 Pirlo, 8 Gattuso (beide gesperrt), 6 Barzagli (Riss des Innenmeniskus im linken Knie)

(apa/red)

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