Zinsen im Euro-Raum weiter im Steigflug: EZB erhöht Leitzins erwartungsgemäß

Nach deutlichen Signalen der Euro-Währungshüter Weitere Erhöhung des Leitzinses noch heuer erwartet

Im Kampf gegen die steigende Inflation hat die Europäische Zentralbank (EZB) bereits zum dritten Mal innerhalb eines halben Jahres den Leitzins erhöht. Die Währungshüter hoben den Satz, zu dem sich die Banken in der Eurozone Geld von der EZB leihen, am Donnerstag in Madrid um einen Viertelpunkt auf 2,75 Prozent an.

Zahlreiche Politiker und Ökonomen hatten die Notenbank vor einem solchen Schritt gewarnt. Höhere Zinsen gelten als Konjunkturbremse, weil sie Investitionen für Firmen verteuern. Für Verbraucher werden Kredite in der Regel teurer. Für Spareinlagen gibt es dafür mehr Rendite - wenn auch meist mit Verzögerung.

Mit 0,25 Punkten fällt die Zinserhöhung wie im vergangenen Dezember und im März erneut moderat aus. Einige Analysten hatten mit einer aggressiveren Erhöhung um 0,5 Punkte gerechnet, um die durch die Ölpreise ausgelösten allgemeinen Preissteigerungen abzubremsen, zumal der wirtschaftliche Aufschwung sich langsam zu stabilisieren scheint. Die Ölpreise hatten die Inflationsrate in der Eurozone im Mai auf 2,5 Prozent getrieben. Das liegt deutlich höher als die von der EZB angestrebte Marke von knapp unter zwei Prozent.

Die Mehrheit im Rat der Zentralbank und EZB-Präsident Jean-Claude Trichet scheuten jedoch vor einem größeren Schritt zurück. Sie trieb offenbar die Sorge, den wackeligen wirtschaftlichen Aufschwung wieder abzuwürgen. So sei die Anhebung um 0,5 Prozentpunkte bei dem auswärtigen Treffen der Notenbanker in Madrid zwar diskutiert worden, sagte Trichet. "Die überwältigende Mehrheit hielt aber eine Erhöhung von 25 Basispunkten für angemessen." Der Bankenverband lobte den maßvollen Schritt: "Mit dem Zinsschritt hat die EZB deutlich gemacht, dass sie ihren Stabilitätsauftrag ernst nimmt", erklärte Verbandschef Manfred Weber in Berlin.

Gegen eine deutlichere Anhebung sprach auch die Aufwertung des Euro, die ohnehin die Konjunktur bremst. Für den Exportweltmeister Deutschland bringt der starke Euro im Vergleich zum Dollar deutliche Nachteile, denn er verteuert deutsche Produkte im außereuropäischen Ausland. Aber auch in Frankreich und Italien wird die Aufwertung des Euro als Bedrohung für die Exportwirtschaft empfunden.

Die Bank of England behielt ihren Leitzins am Donnerstag zum zehnten Mal in Folge bei 4,5 Prozent und zeigte sich damit gewohnt zurückhaltend. In den USA hatten Befürchtungen über erneute Zinsanhebungen die Aktienmärkte noch weiter einbrechen lassen. (APA/red)