Fakten von

Zika-Virus: Warum Gefahr
für Mitteleuropa gering ist

Deutsche Virologen schätzen Risiko der Infektion als sehr gering ein

Zika-Virus © Bild: REUTERS/Alvin Baez

Das Zika-Virus grassiert gerade in Süd- und Mittelamerika - und auch in Europa macht man sich über das Virus Gedanken. Eine Gefahr für Mitteleuropa sehen die Experten allerdings kaum. Die renommierte deutsche Gesellschaft für Virologie (GfV) geht von einem minimalen Risiko für Mitteleuropa aus. "In Deutschland besteht keine Gefahr einer Infektion mit Zika-Virus. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine infizierte Mücke importiert wird, die das Virus auf eine Schwangere überträgt, ist als vernachlässigbar einzustufen", schrieb die Fachgesellschaft am Donnerstag. Auch österreichische Experten geben Entwarnung.

THEMEN:

Eine Etablierung der Zika-Virus-Infektionen in Österreich hat vor Tagen bereits der Wiener Tropenmedizin-Experte Herwig Kollartisch ausgeschlossen. Es ist in Österreich einfach zu kalt für die Ausbreitung dieser Gelsenart. Kollaritsch verglich die aktuelle Diskussion mit dem "Umfallen eines Reissacks" in China.

Ansiedelung der Überträger extrem unwahrscheinlich

Die deutschen Virologen sehen das ähnlich: Eine dauerhafte Ansiedelung und Ausbreitung der Stechmücken Aedes aegypti und Aedes albopictus (Asiatische Tigermücke) als Überträger sei "bei den klimatischen Bedingungen in Deutschland und Mitteleuropa extrem unwahrscheinlich." Allerdings, in Mittelmeerländern mit stärkerer Verbreitung von Aedes albopictus wären im Sommer nach Einschleppung des Virus durch akut infizierte Reisende Übertragungen von Virusinfektionen und gegebenenfalls auch kleine Ausbrüche denkbar, hieß es vonseiten der Experten.

Safer Sex als Vorsichtsmaßnahme

Da auch eine sexuelle Übertragung des Zika-Virus über die Samenflüssigkeit von akut infizierten Männern anhand der derzeitigen Studienlage nicht ausgeschlossen werden kann, rät die Regensburger Virologin Susanne Modrow vorsorglich zum Safer Sex: "Reiserückkehrer aus Endemiegebieten, bei denen eine akute Zika-Virusinfektion nicht ausgeschlossen werden kann, können sicherheitshalber für einen Zeitraum von drei bis vier Wochen Kondome verwenden - egal ob beim Partner eine Schwangerschaft vorliegt oder nicht."

Meistens keine Symptome

Studien dazu, wie lange das Virus im Blut und im Sperma verweilen kann, lägen jedoch bisher nicht vor. Im Allgemeinen verlaufen Infektionen mit dem Zika-Virus mild und zu 70 bis 80 Prozent symptomlos. Bei den übrigen Betroffenen treten drei bis zwölf Tage nach dem Mückenstich Fieber, Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen, eine Bindehautentzündung, Schwächegefühl oder auch ein juckender Hautausschlag auf.

Die Diagnose der frischen Infektion gelingt durch Nachweis der viralen RNA im Blut. "Nach unserem jetzigen Kenntnisstand ist dieser zuverlässige Nachweis allerdings nur in den ersten Erkrankungstagen regelmäßig möglich, etwas länger offenbar im Urin", stellte Thomas Mertens, Präsident der Gesellschaft für Virologie vom Universitätsklinikum Ulm fest.

Aktionsplan für Zentralamerika

Die zentralamerikanischen Staaten haben sich indes auf einen Aktionsplan geeinigt. Sie wollen vor allem Schwangere besser vor Zika-Virus-Infektionen schützen. Darauf einigten sich die Minister der Staaten bei Beratungen in Guatemala-Stadt bzw. in Telefonkonferenzen. Eine der vordringlichsten Maßnahmen sei das Ausräuchern der Brutstätten von Moskitos, die das Virus übertragen können. Das wäre an sich schon wichtig, weil die Stechmücken auch das gefährliche Gelb- und das Dengue-Fieber übertragen.

Erstmals schwangere Frau in Europa infiziert

Erstmals ist bei einer schwangeren Frau in Europa das Zika-Virus festgestellt worden, das bei ungeborenen Kindern gefährliche Fehlbildungen verursachen kann. Die Zika-Infektion wurde bei einer Frau in Katalonien diagnostiziert, wie das spanische Gesundheitsministerium am Donnerstag mitteilte. Die Frau war zuvor in Kolumbien auf Reisen gewesen.

Das spanische Gesundheitsministerium sprach von insgesamt sieben "importierten" Zika-Fällen. Die schwangere Frau werde medizinisch betreut, nachdem sie Krankheitssymptome gezeigt habe. Sie befinde sich im zweiten Drittel der Schwangerschaft, ihr Fall sei "nicht schwerwiegend", hieß es ohne nähere Erläuterungen.

Spanien hat aufgrund der kolonialen Vergangenheit enge Beziehungen zu zahlreichen Ländern Südamerikas. Wegen der Zika-Epidemie rief die Weltgesundheitsorganisation am 1. Februar einen "weltweiten Gesundheitsnotstand" aus. Betroffen sind bisher vor allem Länder Südamerikas, insbesondere Brasilien.

In Europa wurden bereits einige dutzend Zika-Fälle erfasst, vor dem Fall in Spanien jedoch noch nicht bei Schwangeren. Das spanische Gesundheitsministerium unterstrich, durch die vorhandenen Fälle bestehe nicht das Risiko einer Weiterverbreitung in Spanien.

Kommentare