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Acht Fragen zum Zika-Virus

Warum es für Schwangere so gefährlich ist und wie es Europa gefährdet

Baby mit Mikrozephalie © Bild: Mario Tama/Getty Images

Ein bisher relativ unbekannter Krankheitserreger sorgt derzeit in Südamerika für Angst und Schrecken: das Zika-Virus. Besonders gefährdet sind schwangere Frauen, denn der Erreger steht im Verdacht, für Kopffehlbildungen von ungeborenen Babys in großer Zahl verantwortlich zu sein. Die Situation ist so ernst, dass Brasilien jetzt mehr als 200.000 Soldaten in den Kampf gegen das Virus schicken will. Wir beantworten angesichts dieser Epidemie die wichtigsten Fragen zum Zika-Virus.

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Was ist das Zika-Virus und wie wird es übertragen?

Das Zika-Virus gehört zu den Flaviviren, das heißt, es braucht einen Überträger, um sich zu verbreiten. Im Fall des Zika-Virus ist das die Moskitoart Aedes aegypti (Gelbfiebermücke), die auch Dengue und das namensgebende Gelbfieber überträgt.

Erstmals wurde der Erreger 1947 in Uganda in Rhesusaffen identifiziert, 1952 wurden in Uganda und Tansania die ersten Infektionsfälle an Menschen nachgewiesen. Neben Afrika ist der Erreger in beiden Amerikas, Asien und dem Pazifikraum verbreitet.

Über weitere Übertragungswege ist wenig bekannt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zieht in Erwägung, dass das Virus auch direkt von Mensch zu Mensch gelangen kann. So gibt es Hinweise, dass der Erreger über Blut und Sperma übertragbar ist, der Nachweis dafür fehlt aber.

Woher kommt der aktuelle Ausbruch?

Für die intensive Verbreitung des Zika-Virus während der letzten Monate wird die intensive Reisetätigkeit aufgrund der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien verantwortlich gemacht. So sind in der Region laut der US-Gesundheitsbehörde CDC mittlerweile 20 Länder von dem Ausbruch betroffen, zudem Samoa und Kap Verde. Da die Gelbfiebermücke in allen Ländern Amerikas außer Kanada und Chile zu finden ist, rechnet die WHO mit einer raschen weiteren Ausbreitung.

Verbreitung des Zika-Virus
© APA/Martin Hirsch

Da die Menschen dem Virus zuvor nicht ausgesetzt waren, haben sie dem Virus zudem keine Antikörper entgegenzusetzen.

Wie verläuft die Krankheit und wer ist gefährdet?

Die Symptome einer Zika-Infektion sind kurze Fieberschübe, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Hautausschlag. Für „gesunde, immunkompetente Menschen“ verläuft eine Infektion dementsprechend auch unkompliziert, sagt Tropenmediziner Herwig Kollaritsch von der Universität Wien. In 60 bis 80 Prozent der Fälle bekommt der Infizierte die Krankheit gar nicht mit, in den übrigen Fällen können die Symptome auch für die einer normalen Grippe gehalten werden.

Zika-Virus unter dem Mikroskop
© REUTERS/CDC/Cynthia Goldsmith Das Zika-Virus unter dem Mikroskop

Für Schwangere ist das Zika-Virus jedoch hoch gefährlich. Vor allem im Fall einer Infektion im ersten Drittel der Schwangerschaft wird mit möglichen Schädelfehlbildungen, einer sogenannten Mikrozephalie, des Ungeborenen in Verbindung gebracht. Je nachdem wann und wie heftig die Infektion zuschlägt, kann es zu schweren Behinderungen bzw. zum Tod des Kindes kommen, erklärt Kollaritsch. Frauen in Süd- und Lateinamerika wird darum bereits davon abgeraten, im nächsten Jahr schwanger zu werden. Bereits schwangere Frauen sollten keinesfalls in Gebiete reisen, in denen das Zika-Virus vorkommt. Bisher wurden in Brasilien bereits knapp 4.000 Fälle der ansonsten äußerst seltenen Mikrozephalie festgestellt. Der Schwerpunkt der Ausbreitung liegt im Norden des Landes.

Wie kann man sich schützen?

Es gibt bisher keinen Impfstoff gegen Zika, daher sind intensiver Mückenschutz durch lange Kleidung, Moskitonetze an Fenstern und Türen sowie Moskitoschutzmittel die einzigen Mittel gegen eine Infektion.

Welche Behandlung gibt es?

Grundsätzlich dieselbe wie für die Grippe. Die WHO empfiehlt viel zu trinken, sich auszuruhen und gegebenenfalls das Fieber mit Medikamenten zu kontrollieren.

Wie will Brasilien die Überträger-Mücke bekämpfen?

An einem Aktionstag am 13. Februar sollen bis 220.000 Soldaten in den betroffenen Gebieten von Haus zu Haus gehen und bei der Bekämpfung der Moskitos helfen, wie Gesundheitsminister Marcelo Castro ankündigte. Als weitere Maßnahme sollen 400.000 schwangere Frauen aus ärmeren Schichten, die Sozialleistungen im Rahmen des Programms "Bolsa Familia" bekommen, Moskitoschutzmittel erhalten. Insgesamt 550 Tonnen an Anti-Moskitomitteln und Pestiziden will die Regierung im Kampf gegen Zika einsetzen.

Wie gefährdet sind die Olympischen Spiele?

Nicht sehr. Einerseits ist die Region um Rio de Janeiro bisher nicht betroffen, andererseits finden die Spiele zwischen 5. und 21. August im brasilianischen Winter statt, in dem die Moskitozahlen deutlich sinken. Dennoch hat die Regierung an 56.000 Hotels, Bars und Restaurants im ganzen Land einen Maßnahmenkatalog zum Mückenschutz verschickt, zudem werden in Rio während der Spiele die Vorsorge- und Diagnosemaßnahmen verstärkt. Die finanziellen Ausgaben würden im laufenden Jahr um 580 Millionen auf 1,87 Milliarden Real (422 Mio. Euro) erhöht, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Moskitobekämpfung in Rio
© Reuters/Pilar Olivares Städtische Mückenbekämpfer in Rio

Einen Monat vor der Eröffnungszeremonie werden Experten zudem alle Wettkampfstätten inspizieren und Brutstätten der Stechmücken ausmerzen.

Ist auch Europa gefährdet?

Theoretisch ist auch eine Ausbreitung in Europa denkbar, denn auch die im Mittelmeerraum vorkommende Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) ist ein potentieller Überträger des Zika-Virus. Voraussetzung dafür wäre, dass sich jemand in Südamerika mit dem Virus infiziert und nach seiner Rückkehr nach Europa von einer Tigermücke gestochen wird.

Noch ist es in unseren Breitengraden für die Stechmücken zu kalt, doch wenn es wieder wärmer wird, sind Zika-Fälle in Europa und auch in Österreich durchaus denkbar, erklärt Tropenmediziner Kollaritsch.

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