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Zika-Virus: Erster durch
Sex übertragener Fall

Gesundheitsbehörde in Texas: Virus wurde durch Geschlechtsverkehr übertragen

Zika-Virus © Bild: imago/Agencia EFE

Die Gesundheitsbehörden stehen beim Kampf gegen das Zika-Virus vor neuen Herausforderungen. In den USA wurde erstmals eine durch ungeschützten Sex erfolgte Zika-Infektion gemeldet. Der Patient (oder die Patientin) habe sich beim Sex mit einem Menschen infiziert, der aus einem vom Virus stark betroffenen Land zurückgekehrt war, meldete die Gesundheitsbehörde in Dallas (Texas) am Dienstag.

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"Jetzt wissen wir, dass das Zika-Virus durch Sex übertragen werden kann", sagte Zachary Thompson, Direktor der texanischen Gesundheitsbehörde. Das Land oder das Geschlecht der Betroffenen nannte Thompson nicht.

Österreichische Experten äußerten sich zu den Meldungen aus den USA ausgesprochen zurückhaltend. "Eine sexuelle Übertragung ist denkbar. Epidemiologisch spielt sie beim Zika-Virus aber keine Rolle. Sonst müsste man ja viel mehr Fälle über diesen Übertragungsweg sehen", betonte der Wiener Reise- und Tropenmediziner Herwig Kollaritsch. Bisher sei ein solcher Fall belegt, ein zweiter Verdachtsfall "vage".

WHO besorgt wegen Übertragung durch Sex

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist beunruhigt, dass das Zika-Virus auch beim Sex übertragen werden kann. "Der aus den USA berichtete Fall ist Anlass zur Sorge und wir können die Besorgtheit eines jeden verstehen", erklärte WHO-Sprecher Gregory Härtl am Mittwoch in Genf. Allerdings gehe man weiter davon aus, dass "beinahe 100 Prozent aller Ansteckungen durch Stechmücken erfolgen".

Die WHO arbeite intensiv daran, Forschungsprojekte zu organisieren, die klären sollen, auf welchen anderen Wegen und unter welchen sonstigen Umständen Zika übertragen werden könnte. Das Wichtigste sei es aber weiterhin, zu verhindern, dass Menschen Zika-übertragenden Mücken ausgesetzt sind.

Brasilien: Zahl der Schädelfehlbildungen steigt

In Brasilien stieg unterdessen die Zahl der bestätigten Schädelfehlbildungen bei Babys. Es ist das bisher am stärksten betroffene Land. Wie das Gesundheitsministerium am Dienstagabend mitteilte, stieg die Zahl von 270 auf 404 - in 17 Fällen konnte nachgewiesen werden, dass sich schwangere Frauen zuvor mit dem Zika-Virus infiziert hatten. Zuvor waren es sechs Fälle. Zudem werden derzeit noch 3.670 Fälle mit einem Verdacht auf Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie) untersucht.

Das von Stechmücken übertragene Virus steht im Verdacht, durch eine Infektion von Schwangeren bei Neugeborenen zu den Schädelfehlbildungen zu verursachen. Experten gingen zuvor bereits davon aus, dass Zika auch durch ungeschützten Sex übertragen werden kann. Am Montag hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Bisher ist das Virus innerhalb weniger Monate in 26 Ländern Lateinamerikas aufgetaucht.

Das Zika-Virus wird vor allem von der Mückenart Aedes aegypti übertragen. Mikrozephalie kann aber auch andere Ursachen haben, zum Beispiel Röteln während der Schwangerschaft.

Gesundheitsnotstand wegen Virus

Sechs Monate vor den Olympischen Spielen in Brasilien sorgt der Gesundheitsnotstand wegen des Zika-Virus für große Verunsicherung. Gastgeber Brasilien empfahl Schwangeren, die Spiele im August zu meiden. Für Athleten und andere Besucher bestehe aber keine Gefahr, sagte der Stabschef des Präsidialamtes, Jaques Wagner, vor Journalisten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) riet Frauen mit Blick auf die Olympischen Spiele zur Vorsicht. "Nutzen Sie die Empfängnisverhütung, wenn Sie zu den Spielen reisen", sagte WHO-Experte Anthony Costello.

Zuverlässige Tests fehlen

Die WHO betonte erneut, dass die Gefährlichkeit des Erregers nicht mit dem oft tödlichen Ebola-Virus vergleichbar sei. Die Einstufung als internationaler Gesundheitsnotfall soll dem Kampf gegen das Zika-Virus laut WHO einen neuen Schub verleihen. Eines der Hauptprobleme sei das Fehlen eines zuverlässigen Tests, sagte ein WHO-Sprecher. "Wir wissen nicht, wann ein Mensch infiziert ist."

Nun kommt es der WHO zufolge darauf an, bei den mehreren Tausend Verdachtsfällen von möglichen Schädelfehlbindungen in Brasilien genau festzustellen, ob es sich tatsächlich um Mikrozephalie handelt. Das könne Monate dauern. Die Diagnose des Zika-Erregers sei schwierig, sagte WHO-Mikrozepahlie-Experte Costello.

Europa soll sich gegen Verbreitung wappnen

Das WHO-Europa-Regionalbüro forderte indes die europäischen Staaten auf, sich vor dem Virus zu wappnen. "Jeder europäische Staat, wo Aedes-Moskitos vorkommen, könnte ein Risiko für die Verbreitung der Zika-Virus-Erkrankung aufweisen. Einige infizierte Reisende sind nach Europa gekommen. Aber es gab keine weitere Verbreitung.

Die Stechmücken sind noch inaktiv. Mit dem Frühjahr und dem Sommer dürfte die Verbreitungsgefahr steigen", hieß es in einer Aussendung des WHO-Europa-Regionalbüros. In Österreich kommen diese Stechmücken nicht vor, weil das Klima zu kalt ist. Trotzdem sollte in den potenziell betroffenen Ländern die Kontrolle der Moskito-Populationen intensiviert werden. Schwangere sollten dort besonders vorsichtig sein. Für die Kontrollmaßnahmen sei auch die Etablierung der notwendigen Labormethoden zur diagnostischen Abklärung von Verdachtsfällen notwendig.

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