Zidanes Abschied geht in die Verlängerung: Vieira & Henry lassen ihn noch nicht gehen

Gesperrter Kapitän sah 2:0 vs. Togo via TV in Kabine Perfekt: Zidane feierte Freitag seinen 34. Geburtstag

Die "Equipe Tricolore" hat ihrem gesperrten Kapitän Zinedine Zidane zu seinem 34. Geburtstag mit dem 2:0 über Togo und dem damit verbundenen Achtelfinaleinzug ein würdiges Geschenk gemacht. Die Abschiedsvorstellung des ehemaligen Weltfußballers, Welt- und Europameisters, der nach der WM seine Fußballschuhe an den Nagel hängt, geht damit doch in die nächste Runde. Im Achtelfinal-Schlager der Franzosen am Dienstag (21:00 LIVE auf networld) in Hannover gegen Spanien wird "Zizou" mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder dabei sein.

Der öffentlichkeitsscheue Ausnahmespieler verfolgte den ersten WM-Endrunden-Sieg seines Teams seit dem 3:0 im Finale 1998 gegen Brasilien (zwei Kopfballtore von Zidane) nicht am Spielfeldrand oder auf der Tribüne, sondern bejubelte die Tore seiner Freunde Patrick Vieira (55.) und Thierry Henry (61.) gemeinsam mit dem ebenfalls gesperrten Eric Abidal in der Umkleidekabine.

Unmittelbar vor Anpfiff war Zidane dennoch in seine gewohnte Teamleader-Rolle geschlüpft. "Er hat in der Kabine mit uns gesprochen, so wie immer. Das hat uns enorm motiviert", berichtete Vieira, der an seinem 30. Geburtstag nach der Vorlage zum 2:0 auch die Auszeichnung "FIFA-Man of the Match" erhielt. Auch dem französischen Verbandspräsidenten Jean-Pierre Escalettes fiel nicht nur wegen des Erreichens der Runde der letzten 16 ein Stein vom Herzen: "Ich freue mich für die Mannschaft und Zidane. Es hätte sehr weh getan, wenn das Spiel gegen Südkorea mit der Gelben Karte und dem bizarren Ende (Auswechslung in der Nachspielzeit/Anmerkung) sein letztes gewesen wäre."

Sowohl "Zizou" als auch Vieira müssen ihre Geburtstagsparty nun verschieben. "Darum werden wir uns am 9. Juli nach dem Finale in Berlin kümmern", lehnte sich Abidal weit aus dem Fenster. Vorerst gilt die volle Konzentration der Truppe von Teamchef Raymond Domenech dem Duell mit den Spaniern, die Zidane aus seinen Jahren im Real-Madrid-Trikot gut kennt. "Spanien ist eines der besten Teams der Welt", gab Domenech zu Protokoll und fügte hinzu: "Wir können nach dem Weiterkommen zwar zufrieden sein, aber das ist noch lange nicht genug."

Der in Frankreich alles andere als unumstrittene Coach blockte alle Fragen zu seinen Personalentscheidungen in der Gruppenphase mit dem Standardsatz ab: "Ich habe 22 Spieler, die alle perfekt vorbereitet und immer bereit sein müssen." Einen Unterschied zwischen der Leistung seiner Mannschaft in der ersten und zweiten Hälfte sah Domenech nicht: "Wir haben vor der Pause auch viele Chancen gehabt, nur leider nicht getroffen. Zur Halbzeit habe ich den Spielern gesagt, dass sie Ruhe bewahren sollen, auch noch in der 90. Minute ein Tor erzielen können."

Das Fehlen von Zidane wollte der französische Teamchef ebenso wenig kommentieren wie eine Garantie für dessen Einsatz gegen Spanien. Dass der scheidende Mittelfeldstar im Achtelfinale nur auf der Bank sitzt, kann sich aber nicht nur in Frankreich niemand vorstellen.

Im ersten WM-Sieg seit acht Jahren sah Domenech keine Trendwende, sondern meinte nur: "Daran habe ich gar nicht gedacht. Ich lebe nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart. Und die heißt Spanien." Ungehalten reagierte er dann auf die Frage, ob Vieira seinen Job gerettet habe. "Ich habe es satt, diese Fragen zu beantworten. Wir haben in jedem Spiel großen Druck, das ist so bei einer WM."

Sein Gegenüber Otto Pfister zog nach dem Ausscheiden des WM-Debütanten Togo - Ex-Admiraner Eric Akoto saß bei seinem Team-Abschied gegen Frankreich übrigens wie gegen Südkorea und die Schweiz nur auf der Bank - eine erste Bilanz: "Wir haben das Maximum herausgeholt, daher bin ich nicht extrem enttäuscht. Obwohl ich davon überzeugt bin, dass Togo mit einer besseren Vorbereitung und einem professionellen Management mehr erreichen kann." Der Deutsche spielte damit auf den Prämien-Streit an, der die Afrikaner vor und während der Gruppenphase mehr als alles andere beschäftigt und Pfister sogar vorübergehend zum Rücktritt bewogen hatte.

Den Franzosen streute Pfister Rosen: "Spieler wie Trezeguet, Henry oder Vieira haben die Fähigkeit, ein Spiel zu entscheiden. Die Qualität hat den Ausschlag gegeben. Ich gratuliere, wir haben gegen einen sehr starken und motivierten Gegner verloren" Er widersprach Domenech in der Beurteilung der beiden Spielhälften: "Frankreich war nach der Pause wie verwandelt." Der Deutsche traut dem ehemaligen Welt- und Europameister noch einiges zu: "Die Franzosen sind mit den Brasilianern zu vergleichen, sie werden mit jeder Partie besser."
(apa/red)