ZiB-Moderator hatte in "Brandrede" Kritik geübt: Lindner erteilt Wolf heftigen Rüffel

Wolfs "Verhalten als unangemessen zurückzuweisen" Journalisten fordern Sicherung der Unabhängigkeit

ZiB-Moderator hatte in "Brandrede" Kritik geübt: Lindner erteilt Wolf heftigen Rüffel

Für Turbulenzen auf dem Küniglberg sorgt eine Aufsehen erregende Rede von "Zeit im Bild 2"-Moderator Armin Wolf. Wolf kritisierte anlässlich der Robert Hochner-Preisverleihung die interne Struktur des ORF sowie politische Einflussnahme von außen. Von ORF-Generaldirektorin Monika Lindner setzte es deshalb einen Rüffel für die "Brandrede" Wolfs. Von Seiten der ORF-Journalisten gab es hingegen Solidaritätsadressen und heftige Kritik an der Führungsspitze des öffentlich-rechtlichen Senders.

Zu wenig inhaltlicher und redaktioneller Pluralismus, zu "viel Macht in der Hand einer Person", "hemmungslose Einflussnahme politischer Parteien auf den ORF" sowie ein Appell an ORF-Stiftungsräte, sich durch die Politik nicht unter Druck setzen zu lassen - das waren die wesentlichen Eckpunkte der Kritik des ORF-Anchorman, die in der Hofburg mit Standing Ovations bedacht und von Medien als "Hilferuf aus dem ORF" gewertet wurde. ORF-Generaldirektorin Lindner, Wolf sowie Vertreter des ORF-Redakteursrates lieferten sich darauf hin am Donnerstag ein verbales Duell, das man sonst eher aus den politischen Diskussionssendungen des ORF-Fernsehens kennt.

"Die Vorwürfe von Redakteur Armin Wolf gegen Journalistinnen und Journalisten und das Management des ORF betreffend Parteieneinfluss und mangelnde Unabhängigkeit sind entschieden zurückzuweisen, weil sie Teil der politischen Interessenlandschaft sind, in die der ORF gestellt ist", erklärte Lindner, die sich im Sommer der Wiederwahl stellen wird und dabei mit Unterstützung der ÖVP-nahen Stiftungsräte rechnen kann. "Wenn ein Mitarbeiter glaubt, er müsse durch öffentliche Brandreden seinem Namen Ehre machen, so ist dieses Verhalten als unangemessen zurückzuweisen." Lindner warf Wolf "mangelnde Solidarität" und "öffentliche Selbstinszenierung" vor.

Wolf selbst zeigte für die Rüge seiner Chefin Unverständnis. "Ich bedaure sehr, dass die Generaldirektorin des ORF meine gestrigen Worte als 'mangelnde Solidarität' mit dem Unternehmen wahrnimmt. Ich habe meine Rede im Gegenteil eben aus Solidarität mit dem Unternehmen gehalten." Als ORF-Redakteur gegen politische Einflussnahme auf das Unternehmen - aus jeder Richtung - zu protestieren, sollte "eigentlich im Sinne der Unternehmensführung sein", meinte der Anchorman weiter. "Ich bedaure, dass die Generaldirektorin meine Worte 'unangemessen' findet. Aber eine fast unüberschaubare Anzahl an positiven Reaktionen von Kolleginnen und Kollegen aus vielen verschiedenen Abteilungen des ORF seit gestern Abend bestärkt mich zumindest darin, eine Sorge formuliert zu haben, die sehr, sehr viele Journalistinnen und Journalisten im ORF teilen."

Eine Solidaritätsadresse kam denn auch vom ORF-Redakteursrat. "Die Medienresonanz von Wolfs Hochner-Preis-Rede und die daraufhin in geradezu unglaublicher Breite geäußerte Zustimmung ist für die ORF-Journalisten Anlass zur Hoffnung, dass das zum Anstoß einer umfassenden öffentlichen Diskussion über die Notwendigkeit der Sicherung und des Ausbaus der Unabhängigkeit und damit der Glaubwürdigkeit des ORF wird." Der ORF sei zweifellos demokratiepolitisch, kulturell und für die nationale Identität zu wichtig, um seine Aufgaben weiterhin unter untauglichen gesetzlichen Rahmenbedingungen erfüllen zu müssen - "Rahmenbedingungen, die nicht zuletzt parteipolitische Einflussnahmeversuche geradezu herausfordern."

Unverhohlene Kritik übten die ORF-Journalisten an der Führungsspitze des Unternehmens. "Zu nicht unwesentlichen Behinderungen journalistischer Arbeit im ORF gehört auch der Eindruck, den öffentliche Verhaltensweisen führender Repräsentanten des Unternehmens erwecken. Etwa, wenn bei der Verleihung der wichtigsten österreichischen Journalistenpreise zwar die Crème de la Crème der Medienzunft dieses Landes versammelt war, aber die ORF-Spitze weitgehend durch Abwesenheit glänzte. Unter den Abwesenden auch etliche, die zwei Tage davor bei einer Parteiveranstaltung eifrig applaudierten." Die ORF-Journalisten spielten damit offenbar auf ORF-Generaldirektorin Lindner an, die zu Beginn der Woche eine ÖVP-Parteiveranstaltung besuchte und bei Bundeskanzler Wolfgang Schüssels Rede zur Lage der Nation hinter Schüssel in der zweiten Reihe saß.

Reaktionen gab es auch aus der Politik. Der Grüne Bundessprecher Alexander van der Bellen hob Wolfs "Mut und Zivilcourage" hervor. Die ORF-Führung stehe vor einer "Nagelprobe", so van der Bellen. BZÖ-Mediensprecher Uwe Scheuch bot sich quasi als Mediator an und appellierte an die ORF-Kontrahenten, die "mediale Schlammschlacht" zu beenden. Die FPÖ fühlte sich durch die Wolf-Kritik bestätigt, Generalsekretär Herbert Kickl sprach von einem "Machtmonopol der ÖVP" im ORF.

Kurt Bergmann, Leiter des VP-Freundeskreises unter den ORF-Stiftungsräten, ortete eine "sehr pointierte Meinung zur Lage des ORF". Über die inhaltlichen Details wolle er mit Wolf gerne persönlich bei einem Kaffee reden. Spirituelle Anleihen nahm der unabhängige ORF-Stiftungsrat und Caritas-Präsident Franz Küberl. Er empfahl die Hochner-Preis-Rede von Wolf als "Meditationstext" für die Medienkommissionen der politischen Parteien.

(apa/red)