Zeit für eine Entschuldigung, Frau Innenminister...

Atha Athanasiadis, NEWS-Chefredakteur BKA-Fauxpas? Schreiben Sie uns ihre Meinung!

Zeit für eine Entschuldigung, Frau Innenminister... © Bild: news.at/NEWS/Herrgott

Natascha Kampusch. Der BKA-Chef und sein unnötiges Gequassel über Kinderporno-Ermittlungen im Fall Natascha.

Deutschlands größte Tageszeitung war ganz aufgeregt: "Im Entführungsfall Natascha Kampusch (20) wird jetzt in Richtung Kinderpornografie ermittelt. Das sagte der neue Leiter des österreichischen Bundeskriminalamts (BK), Franz Lang (50), in der ORF-Sendung ZiB 2." So schlagzeilte die "BILD" vergangene Woche, und viele andere Medien weltweit schrieben ähnlich nach.

Mal ehrlich: Was haben Sie – werte Leser – sich dabei gedacht, als Sie dieses Interview sahen? Richtig. Die Assoziationskette ist nicht so kompliziert: "Kampusch – Kinderporno – Sexspiele – auch das noch." Während das Land also so dachte, setzte BKA-Lang nach: "Es gibt Hinweise, dass Kampuschs Entführer Wolfgang Priklopil Kontakt und Freundschaften zu Menschen hatte, die sich im Kinderporno-Bereich aufhalten. Gegen konkrete Personen wird jetzt ermittelt. Es gibt aber noch keinen Beweis, dass diese Personen Kontakt zu Kampusch gehabt hatten."

Pardauz. Also alles gar nicht wahr. Sondern alles nur ein Fall von "IchkennedenSchwagereinesFreundesdessenMuttergesagthat" . Keine Beweise. Nix. Was hat also Franz Lang geritten, mit dieser Meldung so unsensibel an die Öffentlichkeit zu gehen?

Warum überhaupt? Warum wurde dieser ganze gemutmaßte Dreck in die "ZiB 2" gezerrt? Warum muss Natascha Kampusch damit konfrontiert werden? Warum missbraucht man das Mädchen schon wieder? Was, glauben Sie, Herr Lang, denken sich jetzt die Menschen, wenn sie Kampusch auf der Straße sehen? Neben all den Dingen, die man sich sowieso so denkt, wenn man Kampusch sieht. Jetzt steht auch noch "Kinderporno" groß auf Nataschas Stirn. Ich hatte immer ein sehr distanziert-emotionales Verhältnis zu Natascha Kampusch. Seit vergangener Woche hat sie mein ganzes und tiefes Mitgefühl.

Vielleicht entschuldigt sich ja die Frau Innenminister. Wäre angebracht. Danke.