Zehntausende bei Protest in Georgien gegen "Agenten-Gesetz"

von Zehntausende bei Protest in Georgien gegen "Agenten-Gesetz" © Bild: APA/APA/AFP/GIORGI ARJEVANIDZE

Zahlreiche Demonstranten versammelten sich vor dem Parlament in Tiflis

In Georgien sind erneut zehntausende Menschen auf die Straße gegangen, um gegen ein jüngst verabschiedetes Gesetz zu "ausländischer Einflussnahme" zu protestieren. Rund 30.000 Menschen versammelten sich am Mittwoch alleine vor dem Parlament in der Hauptstadt Tiflis, wie ein AFP-Journalist berichtete. Auch in den Städten Kutaisi und Zalendschicha im Westen des Landes wurde demonstriert.

An den Protesten in Tiflis nahmen auch die Außenminister Estlands, Islands und Litauens teil, die sich auf Besuch in Georgien befanden. Die Chefdiplomaten wandten sich an die Demonstrierenden. Der litauische Außenminister Gabrielius Landsbergis sagte der AFP, seine Kollegen und er seien bei dem Protest, um "den Wunsch des georgischen Volks zu unterstützen, Teil von EU und NATO zu sein". Auf der Demonstration wurden die georgische Nationalhymne und die europäische Hymne "Ode an die Freude" gespielt.

"Wir weichen nicht zurück, bis dieses russische Gesetz gestrichen wird", sagte die 19-jährige Studentin Anuka Liparteljani der AFP. "Und dann, im Herbst, werfen wir diese pro-russische Regierung raus", fügte sie mit Verweis auf die Parlamentswahlen im Oktober hinzu.

Am Dienstag hatte das Parlament in Tiflis das umstrittene Gesetz verabschiedet. Demnach müssen sich Organisationen und Medien, die zu mindestens 20 Prozent aus dem Ausland finanziert werden, in der ehemaligen Sowjetrepublik künftig als Organe registrieren lassen, welche die "Interessen ausländischer Mächte verfolgen". Kritiker sehen darin Parallelen zum Gesetz gegen "ausländische Agenten" in Russland, das es den dortigen Behörden ermöglicht, massiv gegen kritische Medien und Organisationen vorzugehen. Seit Wochen kommt es wegen des Gesetzes in Georgien zu Massenprotesten.

Die Verabschiedung des Gesetzes hatte international Kritik hervorgerufen. Die EU, die UNO und die NATO riefen die Regierung in Tiflis zum Kurswechsel auf.

Georgien ist seit Dezember offiziell EU-Beitrittskandidat. Mit dem neuen Gesetz ist eine europäische Zukunft für das Kaukasusland aber kaum vorstellbar.