Zehn Jahre nach NATO-Angriff auf Serbien:
Krieg kostete tausende Menschenleben

Bombardements weltweit im Kreuzfeuer der Kritik Rund 800.000 Kosovo-Albaner aus Heimat vertrieben

Zehn Jahre nach NATO-Angriff auf Serbien:
Krieg kostete tausende Menschenleben © Bild: APA/EPA/Vasin

Vor zehn Jahren startete die NATO die umstrittenen Luftangriffe gegen Militärziele in der damaligen Bundesrepublik Jugoslawien (Serbien und Montenegro). Die Bombardements folgten auf eine Reihe vergeblicher internationaler Bemühungen zur Lösung der Kosovo-Krise. Die Luftschläge läuteten schließlich den Anfang vom Ende für das Regime von Slobodan Milosevic in Belgrad ein - auch wenn bis zu seinem endgültigen Sturz im Oktober 2000 noch eineinhalb Jahre vergehen sollten.

Nachdem am 23. März 1999 die Friedensverhandlungen zwischen der Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) und Belgrad gescheitert waren, erteilte der damalige NATO-Generalsekretär Javier Solana ohne UNO-Mandat den Befehl zum Beginn der Luftangriffe. Sie sollten 79 Tage dauern.

Der eigentliche Auslöser für das Einschreiten der NATO geschah bereits am 15. Jänner jenes Jahres im kosovarischen Dorf Recak (Racak), wo die serbische Polizei einen Tag lang gegen UCK-Leuten kämpfte. Am Tag darauf entdeckten OSZE-Beobachter dort rund 40 Leichen ermordeter Kosovo-Albaner. Eine Gruppe internationaler Gerichtsmediziner, die das Massaker untersuchte, kam zum Schluss: Bei den Opfern handelte es sich um Zivilisten, die aus nächster Nähe erschossen wurden. Belgrad bestritt dies vehement: Es seien UCK-Kämpfer gewesen.

NATO-Angiffe im Kreuzfeuer der Kritik
Die Bobardements lösten weltweit heftige Kritik aus. Ein zweites Massaker von Srebrenica sollte verhindert werden, argumentierten die Befürworter der Angriffe. Das Bündnis wollte mit Luftschlägen gegen "militärische Ziele" weitere "schwere und systematische" Verletzungen der Menschenrechte unterbinden und eine humanitäre Katastrophe im Kosovo verhindern, hieß es in einer Fernsehansprache des damaligen deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder am 24. März 1999.

Tausende Zivilisten gestorben
Bei den NATO-Luftangriffen kamen nach Angaben serbischer Behörden bis zu 2.000 Zivilisten und rund 1.000 Soldaten ums Leben. Während der Luftangriffe intensivierte Belgrad zunächst die Vertreibungen der albanischen Zivilisten. So wurden in den letzten März-Tagen 1999 im Kosovo lange Menschenkolonnen in Richtung Mazedonien und Albanien in Bewegung gesetzt.

800.000 Kosovo-Albaner vertrieben
Rund 800.000 Kosovo-Albaner dürften binnen weniger Wochen aus ihren Heimen vertrieben worden sein. Zehn Jahre nach dem Krieg gelten rund 1.500 weiter als vermisst. Während der Auseinandersetzungen zwischen der Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) und dem serbischen Militär während der NATO-Operationen wurden dort zwischen 8.000 und 10.000 Albaner getötet, 3.500 gelten als vermisst. 946 Albaner konnten lebend in serbischen Gefängnissen gefunden und befreit werden.

Milosevic-Regime 2000 gestürzt
Das Milosevic-Regime wurde im Jahr 2000 durch einen Volksaufstand gestürzt. Demokratische Parteien kamen an die Schalthebel der Macht. Sie lieferten Milosevic an das UNO-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag aus, wo er 2006 an einem Herzinfarkt starb, bevor sein Prozess beendet werden konnte. Montenegro verließ im gleichen Jahr den 2003 aus Rest-Jugoslawien hervorgegangenen Staatenbund mit Serbien und wurde selbstständig. Der Kosovo, seit 1999 von der UNO (UNMIK) verwaltet, erklärte im Februar 2008 seine Unabhängigkeit. 56 Länder haben ihn bis dato anerkannt. Darunter sind die USA und fast alle EU-Länder.
(apa/red)