10 Fakten zur IS

News.at beantwortet die wichtigsten Fragen zur gefürchteten Terrorgruppe

Seit Wochen hält die dschihadistische Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) durch ihren Vormarsch im Irak die Welt in Atem. Besonders schockierend ist dabei die brutale Vorgehensweise der Gotteskrieger. Anfang August trieben sie 100.000 Angehörige der religiösen Minderheit der Yeziden auf einen Berg, um sie dort verdursten zu lassen, von wo sie erst nach US-Luftschlägen befreit werden konnten. Und vergangene Woche sorgten sie mit der per Video veröffentlichten Enthauptung des vor zwei Jahren in Syrien entführten US–Journalisten James Foley für Entsetzen. Doch wer sind die Kämpfer der IS? Was wollen sie und wieso kann sie offenbar niemand aufhalten? News.at beantwortet die zehn wichtigsten Fragen zur aktuell gefürchtetsten Terrorgruppe der Welt.

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Gotteskrieger - 10 Fakten zur IS

1. Was will IS?

Das Ziel des Islamischen Staats steckt bereits im Namen der Gruppe. Die Organisation strebt ein Islamisches Kalifat auf dem Gebiet des Irak und der Levante, sprich den Staatsgebieten von Syrien, dem Libanon, Jordanien, Israel und Palästina, an.

In einem Kalifat befinden sich weltliche und geistliche (also religiöse) Führung in einer Hand, nämlich der des Kalifen. In allen von IS kontrollierten Gebieten gilt die Scharia, die islamische Rechtslehre, in ihrer extremistischsten Form. Dieben werden die Hände abgehackt, „Ungläubige“ werden hingerichtet. Wobei in den Augen der sunnitischen IS sogar Muslime ungläubig sind, die einer anderen Strömung der Religion angehören.

2. Woher kommt IS?

Gegründet wurde die Organisation 2004 im Irak als Reaktion auf die damalige US-Besetzung. 2010 wechselte IS über die Grenze nach Syrien, wo sie sich dem Bürgerkrieg gegen Baschar al-Assad anschloss, parallel jedoch auch gegen andere Rebellen gewaltsam vorging.

Im vergangenen Juni fiel IS überfallsartig wieder im Irak ein, wo die Gruppe innerhalb kürzester Zeit beträchtliche Gebiete im Norden des Landes unter ihre Kontrolle brachte und bis kurz vor Bagdad vorstieß.

3. Gehört IS zur Al-Kaida?

Zu Beginn schwor IS der Al-Kaida Treue, überwarf sich aber mit der Zeit mit dem Terror-Netzwerk, da sie sogar deren Führung zu radikal war. Die Daily Mail zitierte vor zwei Wochen ein Dossier, das im Unterschlupf Osama bin-Ladens gefunden wurde. Darin empfahl der getötete Al-Kaida-Chef, jeglichen Kontakt zu IS abzubrechen, da deren skrupellose Missachtung zivilen Lebens der Reputation der Al-Kaida schaden könnte.

Mittlerweile kämpfen die beiden Gruppen nach Ansicht von Experten um die Vormachtstellung unter den Dschihadisten, wobei es erste Anzeichen dafür gibt, dass sich die wichtigen Al-Kaida-Ableger im Maghreb und auf der arabischen Halbinsel auf die Seite der IS schlagen könnten. In Syrien gab es Gefechte zwischen IS-Kämpfern und jenen des syrischen Al-Kaida-Ablegers, der Al-Nusra-Front.

4. Wer führt IS?

Über IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi ist kaum etwas bekannt. Geboren wurde er 1971 im irakischen Samarra und angeblich hat er Islamwissenschaften in Bagdad studiert. Seit 2010 ist er Anführer von IS und bleibt dabei nicht nur im Hintergrund: Den Sturm auf Mossul soll er persönlich befehligt und angeführt haben.

IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi.
© APA/EPA/Furqan Media IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi.

Insgesamt kämpft al-Baghdadi schon seit über zehn Jahren in islamistischen Gruppen. 2004 saß er sogar elf Monate in US-Haft, wurde jedoch wieder entlassen, weil er nicht als Bedrohung eingestuft wurde. Eine folgenschwere Fehleinschätzung, wie sich heute zeigt. Mittlerweile haben die USA ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar auf den Top-Terroristen ausgesetzt.

5. Welches Gebiet kontrolliert IS?

Die Terrorgruppe kontrolliert den Norden und Osten Syriens sowie den Nordwesten des Irak. Die syrisch-irakischen Grenzanlagen wurden gemäß des Ziels des Kalifats auf einer Länge von mehreren Hundert Kilometern demontiert. Ihre „Hauptstadt“ ist Raqqa in Syrien, erst am Wochenende nahm IS den strategisch wichtigen Militärflughafen al-Tabka, die letzte Bastion der Assad-Truppen in der Region, ein. Im Irak ist Mossul, die zweitgrößte Stadt des Landes, die wichtigste Stadt unter IS-Kontrolle, wiederholt versuchen die Islamisten auch, in Richtung Bagdad vorzustoßen. Am Montag tobten heftige Kämpfe um die größte irakische Ölraffinerie in Baidschi, 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt.

Einflussbereich der IS.
© APA/Martin Hirsch

6. Über wie viele Kämpfer verfügt IS?

Die Schätzungen der Anzahl der IS-Kämpfer variieren zwischen mehreren Tausend und mehreren Zehntausend, genaue Zahlen gibt es nicht. Tausende Dschihadisten stießen dabei aus dem Ausland zu IS, darunter auch immer mehr Europäer. Erst vergangene Woche berichtete etwa „Newsweek“, dass die Anzahl der für IS kämpfenden muslimischen Briten mehr als doppelt so hoch liegen soll wie die der Muslime in den britischen Streitkräften. Mindestens 1.500 junge Briten sollen in den vergangenen drei Jahren nach Syrien und in den Irak gereist sein, um sich der Terrorgruppe anzuschließen. Auch der Mörder des US-Journalisten James Foley wurde als Brite identifiziert.

7. Kämpfen Österreicher auf Seiten von IS?

Ja, auch aus Österreich sind Dschihadisten in Richtung Syrien aufgebrochen. Aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) Anfang Juli geht hervor, dass bislang sechs österreichische Staatsbürger in Syrien getötet wurden, acht weitere beteiligen sich „auf Seiten terroristischer Gruppierungen“ noch an Kämpfen.

Wie der „Standard“ Ende Juli berichtete, sind insgesamt etwa 100 Personen aus Österreich in den Krieg nach Syrien gezogen, von denen 40 bereits wieder zurückgekehrt sind. Weitere 20 sollen bereits ums Leben gekommen sein. Der Großteil der von Österreich aus in den Dschihad Gezogenen ist also nicht im Besitz der Staatsbürgerschaft, die Hälfte von ihnen hat laut Informationen des Innenministeriums tschetschenischen Hintergrund. So wie auch die neun in Österreich lebenden Flüchtlinge, die vergangene Woche auf dem Weg nach Syrien an der Staatsgrenze festgenommen wurden.

Ein 19-Jähriger Wiener mit tunesischen Wurzeln kämpft dem „Standard“ zufolge definitiv auf Seiten des Islamischen Staats, er hat entsprechende Videos veröffentlicht. Das Innenministerium will nun das Gesetz verschärfen, um österreichischen Dschihadisten die Staatsbürgerschaft entziehen zu können.

8. Wieso ist IS so erfolgreich?

Die größte Macht der IS ist ihre Grausamkeit. Ihr Ruf eilt den Dschihadisten voraus, so konnten sie Mossul – eine Stadt so groß wie Wien – mit nur 800 Kämpfern einnehmen. Die Soldaten der irakischen Armee flohen einfach in Panik, sobald die ersten IS-Geschosse um sie herum einschlugen. Dabei setzen die Radikalislamisten auf eine wohlüberlegte Medien-Strategie. Fotos und Videos von Massenhinrichtungen, Kreuzigungen und Enthauptungen werden gezielt veröffentlicht, um Angst und Schrecken zu verbreiten.

Außerdem verfügt IS über modernste Waffen und Ausrüstung, darunter Panzer und Raketensysteme. Vieles davon musste sie nur in Betrieb nehmen, nachdem die – von den USA ausgerüstete – irakische Armee geflohen war. Dadurch konnten die IS-Kämpfer "erhebliche Mengen jener Ausrüstung erbeuten, die sie am dringendsten brauchten", sagte der Rüstungsexperte Anthony Cordesman vom Center for Strategic and International Studies in Washington zur APA.

9. Wie finanziert sich IS?

IS gilt als reichste Terrorgruppe der Welt. Aber woher kommt das Geld? Zu Beginn soll die Organisation vorwiegend aus Golfstaaten finanziert worden sein. Beweise gibt es dafür keine, Experten zweifeln jedoch nicht am Geldsegen von der arabischen Halbinsel. "Die wichtigste Quelle der Finanzierung war bisher die Unterstützung aus den Golfstaaten, allen voran Saudi-Arabien, aber auch Katar, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate", sagte etwa Günter Meyer, Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt an der Universität Mainz, Ende Juni zur „Deutschen Welle“.

Mittlerweile sind die Dschihadisten freilich nicht mehr auf Spenden angewiesen. Einerseits verkaufen sie Erdöl aus von ihnen kontrollierten Feldern im Osten Syriens auf dem Schwarzmarkt, aber auch Erpressung und der Verkauf geraubter Kunstschätze zählen zu den Einnahmequellen.

Mit der Eroberung Mossuls fiel IS darüber hinaus ein Schatz im wahrsten Sinn des Wortes in die Hände: In der Zentralbank der Stadt erbeuteten die Terroristen 429 Millionen Dollar, also etwa 325 Millionen Euro.

10. Welche Folgen hat das alles für uns?

Der IS-Vormarsch destabilisiert eine ohnehin bereits stark zerrissene Region, die seit Jahrzehnten die Weltpolitik dominiert. Das führt auch zu bisher ungeahnten Allianzen, so sollen die USA und der Iran im Kampf gegen die Terrorgruppe zusammenarbeiten.

Eine konkrete Bedrohung, vor allem für westeuropäische Länder und damit auch Österreich, geht darüber hinaus von radikalen Islamisten aus, die aus Syrien zurückkehren. So steht etwa ein französischer, ehemaliger IS-Kämpfer unter Verdacht, die Morde im Jüdischen Museum von Brüssel Ende Mai verübt zu haben.

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Kommentare

Beim IS handelt es sich nicht um einen ordentlichen Staat und man sollte ihn deswegen auch nicht so bezeichnen. Das verführt unbedarfte Jugendliche zur Meinung, sie würden für einen normalen Staat kämpfen. In Wirklichkeit ist der IS eine elende Verbrecherbande, der nichts heilig ist und die sich anmaßt im Sinne eines Religionsgründers oder gar Allahs zu handeln. Sie sind eine Schande!!

10 Fakten zur IS,-Es ist schon Sau langweilig, schreibst schon ein halbes Jahr lang, jeden Tag.

Würde der Westen hinter Assad stehen, wäre das Problem IS längst gelöst. Aber nein, da werden Gschichterl ohne Beweise erzählt, dass der ja so ein arger Tyrann ist usw. Außerdem hören die Saudis das gar nicht gern. Und die muss man sich warm halten, meint ihr nicht?

Ich auch nicht.

Man müsste diese gottverlassenen (nicht Gotteskrieger) Verbrecher-und Mörderbanden zuerst mit Tieffliegern täglich verfolgen und ihnen mit Brand-und Splitterbomben den Garaus machen.

@Forest w.: Ja diese Länder haben gute Leute. Aber diese trotz ihrer Tapferkeit für einen Bodenkrieg zu motivieren dürfte schwierig sein. Wissen sie doch, dass ihnen der Kopf abgeschnitten wird, wenn sie in Gefangenschaft geraten. Und die Gefangenname lässt sich trotz verwegensten Kampfgeistes nie ganz verhindern.

Das sind keine Gottes-, sondern Teufelskrieger!! Diese Verbrecher-und Mörderbanden müssen ausgerottet werden, um noch größeren Schaden zu verhindern!!!

Forest w.

Die IS wäre in ca.4Wochen kalt gestellt wenn mal die EU was machen würde!! Denn Frankreich und Deutschland Italien England und und und die haben gute Leute im HEER und die sollten sie mal nutzen!

Hier geht es doch nicht um Religion oder Glauben!
Wer das glaubt ist sehr blauäugig.
Es geht um Machtansprüche, Geld, Oil und Einfluss.
Die Religion gibt den Mantel in dem jeder Gräueltaten begehen kann, wie schon so oft. Wenn die Geldgeber dafür bestraft würden für das unsägliche Leid, dass sie anrichten wäre gleich schluss

jeder der sich nen gott als hilfestellung für sein "verschissenes" leben sucht ist einfach nur ne armselige kreatur der seine fehler zu rechtfertigen versucht indem er sie auf eine gottheit schiebt!

Geht runter und baut eine Kirche - da werdet ihr selbst ans Kreuz genagelt - bei uns bekommen diese Kreaturen noch eine staatliche Förderung für die Moschee. Aber wählt weiter rot und grün!

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