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Zealandia: So sah es auf
dem achten Kontinent aus

Die Landmasse lag höher als gedacht, und bot damit Wege für Pflanzen und Tiere

Forschung - Zealandia: So sah es auf
dem achten Kontinent aus © Bild: Getty Images

Der von Forschern ausgerufene "achte Kontinent" im Südpazifik, Zealandia, befindet sich heute zu 94 Prozent unter Wasser. Doch wie die Ergebnisse einer neuen Expedition und Bohrungen am Meeresboden zeigen, lag die Landmasse einst höher als bisher gedacht – und bot Tieren und Pflanzen so eine Landverbindung.

Wie viele Kontinente gibt es? Diese Frage zu beantworten, fällt gerade einem Geologen weniger einfach als gedacht. Zur Unterscheidung von den bloßen Mikrokontinenten kommt es auf Dinge wie die Dicke der kontinentalen Kruste und die Eigenheit der Geologie an. Bereits traditionelle Modelle variieren von vier bis sieben Kontinenten, wobei letzteres dem heutigen wissenschaftlichen Mainstream entspricht. Doch einige, vor allem neuseeländische, Forscher treten seit Jahren für die volle Anerkennung eines achten Kontinents ein: Zealandia. Die im Südwestpazifik gelegene, 4,9 Millionen Quadratkilometer große Landmasse umfasst Neuseeland, Inselgruppen wie Neukaledonien – und sehr viel Wasser. 94 Prozent liegen heute unter dem Meeresspiegel.

© GNS Society Zealandia zwischen den anderen Kontinenten

Erst im Februar präsentierte eine Gruppe von Geologen in einem vielbeachteten Paper neue Argumente für die Anerkennung Zealandias. Seither gab es deutlich mehr Aufmerksamkeit für den neuen Kontinent, auch außerhalb der Fachwelt. Nun zeigen die Ergebnisse einer neuen, zwei Monate langen Expedition, dass die Landmasse einst höher lag als bisher angenommen. An sechs verschiedenen Stellen in Zealandia wurde mehr als 860 Meter unter den Meeresgrund gebohrt. Dabei wurden Sporen und Pollen von Landpflanzen ebenso entdeckt wie die Überreste von Organismen, die sonst nur in seichten Gewässern leben. Geographie und Klima des Kontinents waren in der Vergangenheit also völlig anders. Vor 80 Millionen Jahren könnten noch Unmengen von Tieren und Pflanzen auf ihm gesiedelt haben.

Wie schafften es Pflanzen und Tiere auf entfernte Inseln?

Damals soll sich Zealandia vom Superkontinent Gondwana, zu dem auch das heutige Australien und die Antarktis gehörten, getrennt haben. Mit den neuen Erkenntnissen lassen sich auch bisher ungeklärte Fragen beantworten, etwa wie sich bestimmte Lebewesen auf verschiedenen Inseln des Südpazifik verbreiteten. Jetzt weiß man: Es gab mit Zealandia noch zu viel späteren Zeiten als bisher angenommen eine Landbrücke. Erst vor 23 Millionen Jahren war der Kontinent im heutigen Ausmaß geflutet. Die neuen Forschungsergebnisse untermauern nach Ansicht der Forscher auch die Kategorisierung der Masse als Kontinent. Der Großteil der Kruste sei zwar dünner als die üblichen 40 Kilometer der meisten Kontinente, aber an allen Stellen dicker als die sieben Kilometer dicken ozeanischen Krusten. Die Sedimentschichten, die nun genauer analysiert werden, könnten auch Neues über die Klimageschichte und damit den Klimawandel verraten.