Zaster und Moneten: Im Transfersommer
2009 wurde geklotzt, nicht gekleckert!

Real Madrid und Manchester City im Kaufrausch<br>Italiens Vereine und Englands Top 4 zurückhaltend KLICKEN: Die größten Deals am Transfermarkt!

Bescheidenheit und Zurückhaltung sind Florentino Perez fremd. Seitdem der spanische Baulöwe Präsident von Real Madrid ist, ist bei den "Königlichen" kein Stein auf dem anderen geblieben. Die exzessive Shopping-Tour des "Weißen Balletts" erinnert nicht nur an den Kaufrausch fashionsüchtiger WAGs ("wifes and girlfriends" - Bezeichnung des englischen Boulevards für Spieler-Frauen und -Freundinnen), sondern steht auch stellvertretend für einen Sommer, in dem sich die Vereine bei Transfergeschäften austobten.

Zaster und Moneten: Im Transfersommer
2009 wurde geklotzt, nicht gekleckert!

Selten zuvor wurden so hohe Ablösesummen bezahlt wie in dieser Transferperiode. Allen voran von Real Madrid. Um sein Projekt der "Galaktischen 2.0" zu verwirklichen, holte Perez Stars wie Cristiano Ronaldo (für die neue Weltrekordsumme von 94 Millionen Euro), Kaka (65 Mio. Euro) oder Benzema (35 Mio. Euro) ins Santiago Bernabeu, mit dem Ziel, den Nobelklub wieder als globale Nummer eins zu positionieren. Dafür waren dem Bauunternehmer nicht nur Aufmerksamkeit und Schlagzeilen sicher, sondern auch jede Menge Kritik. Schließlich musste Real Kredit aufnehmen, um die Mega-Transfers stemmen zu können. Wenn die Rechnung aufgeht, sollen die Ausgaben durch Werbeeinnahmen, Trikotverkäufe und TV-Verträge rückgeführt werden.

Da die Marketingmaschinerie einige Zeit braucht, um Profit abzuwerfen, mussten kurzfristig anderwärtige Geldquellen erschlossen werden. Also wurden unlieb und nutzlos gewordene Spieler abgestoßen. Gut 90 Millionen Euro spülten die Verkäufe von Sneijder, Robben und Co. so in die Vereinskassen. Dabei ging Real nicht gerade zimperlich ans Werk. Wesley Sneijder zum Beispiel wurde mehr oder weniger aus der Mannschaft gemobbt. Als sich der Niederländer weigerte, den Klub freiwillig zu verlassen, räumte man seinen Spind und nahm ihm die Rückennummer weg. Sneijder packte seine sieben Sachen dann doch und unterschrieb bei Inter Mailand.

Spektakuläres Tauschgeschäft
Erzrivale Barcelona hielt sich im Vergleich mit Real zwar zurück, sorgte aber ebenfalls für einen Transferhammer. Die Verpflichtung von Zlatan Ibrahimovic war die teuerste der Vereinsgeschichte. Der schwedische Stürmer-Star war Teil eines spektakulären Tauschgeschäfts zwischen Inter und Barca. Für den Angreifer überweisen die Katalanen dem italienischen Klub 50 Millionen Euro Ablöse und gaben dafür ihren auf 35 Millionen Euro geschätzten Torjäger Eto'o ab.

Eto'o ist der spektakulärste Neuzugang der Serie A. Die Liga des Weltmeisters trug in diesem Sommer eher den Sparstrumpf als die Spendierhose. Die Zeiten exorbitanter Ausgaben sind Vergangenheit im ehemaligen Schlaraffenland des Fußballs. Italiens Klubs sparen im Wettrüsten mit der Konkurrenz. Das Gesundschrumpfen kam in gewisser Weise zwei Österreichern zu gute. Bei der Suche nach billigeren Alternativen stießen Inter Mailand und SSC Napoli auf Marko Arnautovic und Erwin Hoffer, wobei Arnautovic mit einer Ablösesumme von neun Millionen Euro zum teuersten österreichischen Kicker aller Zeiten aufstieg.

Während sich Manchester United, FC Liverpool, Arsenal und Chelsea in England auf dem Transfermarkt ruhig verhielten, klotzte Manchester City dank sprudelnder Scheich-Millionen so richtig. Fast 120 Millionen Euro gab City für neue Spieler wie Carlos Tevez (kam vom Stadtrivalen ManU) oder Emmanuel Adebayor (Arsenal) aus. Damit steht City im krassen Gegensatz zu United, dass nach dem Verkauf von Ronaldo nach Madrid mit einem Überschuss von rund 66 Millionen Euro bilanzieren kann. Die einzigen namhaften Neuzugänge des Titelverteidigers sind Michael Owen (ablösefrei) und Luis Valencia (kam für 18,9 Mio. Euro/Wigan). In beinahe letzter Sekunde schlug Aufsteiger Wolverhampton Wanderers bei einem österreichischen Stürmer zu: Der Rapidler Stefan Maierhofer wechselte um kolportierte 2 Mio. Euro in die West Midlands.

Kaufrausch in Deutschland
Trotz der Weltwirtschaftskrise ist auch die deutsche Bundesliga, angeführt von Bayern München, einem ungekannten Kaufrausch verfallen. Die 18 Klubs gaben über 212 Millionen Euro für neue Spieler aus. Damit übertraf die höchste deutsche Spielklasse mit ihren Investitionen nach dem Höchstwert von 2007 (194,38) erstmals die Schallmauer von 200 Millionen Euro.

Spitzenreiter sind wieder einmal die Bayern. Mit dem 24 Millionen teuren Überraschungscoup um Arjen Robben schraubte der Rekordmeister seine Ausgaben auf 74,7 Millionen Euro in die Höhe - und gab damit mehr aus als 2007, als unter anderem Luca Toni und Franck Ribery an die Isar gekommen waren. 30 Millionen ließen sich die Bayern allein die Dienste von Stuttgart-Stürmer Mario Gomez kosten. Aus österreichischer Sicht sorgte der Wechsel von Andreas Ivanschitz von Panathinaikos Athen zu Mainz 05 für das meiste Aufsehen. (red)