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Zahnarzt: 19 Antworten auf
die wichtigsten Fragen

Gesundheit - Zahnarzt: 19 Antworten auf
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Zähne sind in unserer Gesellschaft ein vieldiskutiertes und oft umstrittenes Thema, um das sich viele Mythen ranken. Suchen Sie den richtigen Zahnarzt? Sind Sie sich wegen einer Behandlung unsicher? Oder haben Sie sogar Angst vor dem Zahnarzt? Muss nicht sein. Wir haben den Wiener Zahnarzt DDr. Jaroslav Belsky zu den wichtigsten Fragen konsultiert und Antworten für Sie parat.

ZAHNGESUNDHEIT

1. Gibt es "gute" und "schlechte" Zähne?

Nein, diese Unterteilung gibt es nicht. Man schiebt die Verantwortung gerne von sich weg mit Begründungen wie "Ich habe halt schlechte Zähne", das ist allerdings ein Irrglaube. Es lässt sich belegen, dass Menschen Zähne nach einem bestimmten Muster verlieren. Dieses Muster hat Ursachen, unter anderem, dass der hintere bzw. seitliche Zahnbereich nicht so gut geputzt wird oder dass man sich vom Frischegefühl der Zahnpasta täuschen lässt.

Passend dazu: Länger schöne und gesunde Zähne

Es gibt schon Unterschiede in der Ernährung und auch der Bewegung: Macht man beispielsweise viel Sport, ist das gut für die Zähne, der Speichel kann besser remineralisieren, das wirkt sich positiv auf die Zähne aus. Aber die Zahnsubstanz an sich ist bei jedem Menschen gleich.

2. Haben Erkrankungen des Zahnapparates Auswirkungen auf den Körper?

Nein. Viele Dinge werden zwar diskutiert, wie z.B. die Parodontitis und der Herzinfarkt, wirklich Evidenz basierte gute Studien sind aber nicht vorhanden. In der Praxis sieht man auch keine Korrelation zwischen dem Zahnstatus und z.B. dem Blutbild. So gibt es Menschen, die ein komplett zerstörtes Gebiss, aber normale Blutwerte haben, auf der anderen Seite findet man Menschen, die erhöhte Entzündungszeichen im Blut aufweisen, bei gutem Mundstatus und fehlenden anderen Entzündungen.

Es gibt schlichtweg keine Korrelation zwischen Zahnstatus und Lebenserwartung, da wird viel seitens der Medizin konstruiert. Man verliert seine Zähne schneller, mehr aber auch nicht. Was man aber heraus gefunden hat, dass unser Bewusstsein uns krank machen kann. Wenn ich lang genug an ein Problem glaube - ständig daran denke, dann kann es zu einem Problem, also einer richtiger Krankheit werden. Unsere Gesellschaft schätzt Jugend und Schönheit sehr hoch ein, ein zerstörtes Gebiss kann so zu einem Leidensdruck führen und das wiederum kann sich in einer Erkrankung manifestieren.

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3. Wie wichtig sind schöne und gesunde Zähne für den gesamtklinischen Zustand des Patienten?

Die Wichtigkeit schöner und gesunder Zähne ist im Prinzip rein gesellschaftlicher Natur. Je nachdem, in welchem Lebensraum man aufwächst, ist die Bedeutung schöner und gesunder Zähne eine andere. Theoretisch kann der Mensch auch gut ohne Zähne leben. Aber wir haben uns eben ein System geschaffen, wo es von Bedeutung und erstrebenswert ist, möglichst schöne und perfekte Zähne zu haben.

4. Welche Zahnerkrankungen treten am häufigsten auf und wie lassen sie sich am leichtesten selbst verhindern?

Am häufigsten tritt Karies auf, die lässt sich am besten durch eine korrekte Putztechnik verhindern. Um zu überprüfen, ob man richtig putzt, sollte man einen Plaque-Test durchführen und schauen, wo man Putz-Defizite hat. Am Anfang kann man den Test täglich machen und sukzessive damit nachlassen, bis man sozusagen "sattelfest" beim Putzen ist.

Parodontitis, entzündlicher Rückgang des Zahnfleisches, tritt ebenfalls durch Plaque auf. Bösartige Tumore kommen im Gegensatz dazu schon wesentlich seltener vor. Hier kann man durch Rauchstopp und/oder bewusste Ernährung selbstverständlich bewusste Präventionsmaßnahmen einleiten.

BEIM ZAHNARZT

5. Angst vor dem Zahnarzt: Was sollte man als Betroffener tun? Wie geht man am besten vor?

Zahnarztangst ist häufig ein Hilfeschrei nach Aufmerksamkeit. Klar haben viele Menschen negative Erfahrungen gemacht, vor allem in der Kindheit, eines ist an dieser Stelle aber festzuhalten: Jede Art der Behandlung beim Zahnarzt ist heutzutage schmerzfrei möglich. In erster Linie ist Angst vor dem Zahnarzt also Kopfsache. Natürlich ist ein Zahnarztbesuch kein Urlaub in der Karibik, aber Schmerzen muss heute niemand mehr erleiden.

Der Patient ist dem Arzt nicht ausgeliefert, Angst lähmt nur und man reagiert wie ferngesteuert. Miteinander reden löst Ängste, wenn man sich auf Augenhöhe trifft. So hilft es, wenn man sich etwa vor der eigentlichen Behandlungen eine Geste ausmacht, wo die Behandlung, sollte sie zu unangenehm werden, abgebrochen wird, damit der Arzt beispielsweise mehr Lokalanästhetikum nachinjiziert. So besteht kein Raum für Schmerz und somit auch nicht für Angst. Wie findet man aber den passenden Arzt? Am besten 2-3 Zahnärzte besuchen, sich schriftliche Therapiepläne holen und dort, wo man sich dann am wohlsten fühlt, loslegen und die Zahnsanierung beginnen.

6. Worauf sollte man generell bei der Wahl eines Zahnarztes achten?

Recht simpel lässt sich das von selbst beantworten, wenn man sich Gedanken macht, wie man sich den perfekten Zahnarztbesuch vorstellt. Wichtig ist es jedenfalls bei einem Erstgespräch über seinen Status aufgeklärt und über die weitere Vorgehensweise beraten zu werden und anschließend einen Therapieplan mit Kostenvoranschlag schriftlich nach Hause geschickt zu bekommen. Damit kann man alles konzentriert und in Ruhe überprüfen und gegebenenfalls auch mehrere Pläne miteinander vergleichen.

7. Was ist von (billigeren) Zahnarztbehandlungen im Ausland zu halten?

In jedem Land gibt es die volle Bandbreite von hervorragenden bis hin zu schlechten Zahnärzten, egal ob das in Österreich, Tschechien, Ungarn oder Thailand ist. Man sollte sich aber schon Gedanken über die Motive von Ärzten machen, die ihre Ordinationen bewusst an einer Landesgrenze platzieren und eigens Fahrtendienste anbieten. Das sind möglicherweise eher nicht die guten.

Einen guten Zahnarzt in einem fremden Land zu finden, ist mangels Sprachbeherrschung aber nicht einfach, weil es ja in der Regel im eigenen Land schon schwierig genug ist. Viele Länder können natürlich im Gegensatz zu Österreich noch mit den Lohnnebenkosten punkten, die Materialien kosten überall ähnlich viel. Gegen eine Behandlung im Ausland ist aber grundsätzlich nichts auszusetzen, wenn man in der Lage ist einen guten Zahnarzt zu finden.

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8. Preispolitik beim Zahnarzt: Warum gibt es keine einheitlichen Preise?

Vieles ist dem Patienten nicht ersichtlich, die Mundhygiene ist ein gutes Beispiel dafür: Der Patient bemerkt in erster Linie nur den Zeitaufwand, mehr nicht. Dass dabei aber die Instrumente unterschiedlich aufgearbeitet werden müssen, dass Instrumente einem Hygieneprotokoll unterliegen, dass Einwegartikel verwendet werden, dass behandelnde Zahnarzt-Assistentinnen regelmäßig zu Schulungen geschickt werden, das kann der Patient nicht sehen. All das erklärt auch Kostenunterschiede. Natürlich ist gleichzeitig nicht auszuschließen, dass trotzdem ein Geschäft damit gemacht wird, wenn all diese Kostenfaktoren nicht berücksichtigt werden sollten.

Ein wesentlicher Grund sind also unterschiedliche und teilweise aufwendige Kostenstellen, wie der Zahnarzt eine Behandlung anbietet. Was die Preise verursacht, das sind neben überschaubaren Materialkosten vor allem die Lohnnebenkosten, die Einhaltung der Sterilitätskriterien und die Instandhaltung und Wartung der Ordination. Ein anderer Punkt ist manchmal auch Geschäftemacherei, der sich mittel- bis langfristig nur durch Aufklärung und Transparenz beseitigen lässt, die Patienten einfordern müssen.

9. Gibt es so etwas wie Alternativmedizin in der Zahnheilkunde? Was ist davon zu halten?

Ja, es gibt diesen Hype auch in der Zahnmedizin, den Bio-Zahnarzt. Die Medizin hat als Grundaspekt die Gesundheit des Menschen und das sollte am effizientesten und einfachsten umgesetzt werden. Die Medizin bleibt Medizin, und alle anderen Wortkreationen oder Hülsen, die in diesem Zusammenhang dazukreiert werden, bleiben vorrangig Verkaufs- oder Marketingstrategie.

10. Stichwort Krone: Worauf sollte man als Patient bei der Behandlung achten?

Das wichtigste ist zunächst banal: Der Zahnarzt muss mit einer Lupenbrille arbeiten. Als Patient sollte man sich auch keine Ängste hinsichtlich Materialfrage einreden lassen, weil alle Materialien in Ordinationen ISO-zertifiziert sind. Es gibt außerdem keine Studie, die belegt, dass eine metallkeramische Krone länger oder kürzer hält als eine reinkeramische Krone.

Eine jede Zahnkrone kann heutzutage Jahrzehnte lang halten, wenn sie richtig ausgeführt ist. Eine konkrete Beschliffform und die Kürze der Behandlung sind dafür ausschlaggebend. Bei extrem langer Behandlungsdauer wäre die Gefahr beispielsweise recht hoch, dass der Zahnnerv Schaden nimmt. Beim Beschleifen muss ordentlich gekühlt werden, damit auch nicht zu viel Hitze erzeugt wird.

11. Sind Amalgam-Füllungen schädlich? Was ist die Alternative dazu?

Nein, Amalgam-Füllungen sind absolut nicht schädlich. Dazu kann man sich zunächst einmal in der Berufgruppenerhebung (der Statistik Austria) davon überzeugen, dass die Krankheitshäufigkeit oder Sterblichkeitsrate bei Zahnärzten nicht höher ist als bei anderen Gruppen, was der Fall sein könnte, wenn Amalgam so ein Teufelszeug wäre.

Bei Kunststoffen im Gegensatz dazu sieht man aber, dass die Zähne darunter absterben und dass die Füllungen nicht so lange halten, aber sie sind eben trügerisch schön und weiß. Die Politik hat sich jetzt dem Druck der Bevölkerung gebeugt und Amalgame verboten, obwohl es in der wissenschaftlichen Community eigentlich als wesentlich bessere Füllung betrachtet wird.

Die ideale Füllung von allen bleibt somit letztlich die aus Keramik, die aber gleichzeitig auch die teuerste ist. Gold-Inlays sind bei erfahrenen Dentisten mit diesem Material auch eine Option. Generell sollte man darauf schauen, womit der Zahnarzt viel arbeitet, dann wird eine entsprechende Füllung auch gut verlaufen. Hat man wenig oder kein Geld für den Zahnarzt, ist Amalgam immer noch die beste Lösung für Füllungen.

12. Was ist der häufigste Fehler, den Patienten beim Zahnarzt machen?

Es ist vor allem unterwürfiges Verhalten, also wenn Patienten zum Beispiel beginnen sich zu rechtfertigen. Am besten ist es stattdessen sich zu überlegen, was man will und was man sich von seinen Zähnen in Zukunft erwartet. Man muss kein schlechtes Gewissen oder schlechtes Gefühl haben, weil es sowieso nichts an der Situation ändert. Der Patient sollte den Zahnarzt vielmehr als Dienstleister wahrnehmen und ihm in der Kommunikation auf Augenhöhe begegnen.

13. Was sind momentan die aktuellen Trends in der Zahnmedizin?

Der stärkste Trend ist momentan auch in der Zahnmedizin die Digitalisierung. Computer übernehmen beispielsweise die Arbeit des Fräsens, es geht immer mehr in die Richtung ästhetisch sehr aufwendiger Verfahren. In den Keramikrohling sind schon Farben eingearbeitet und die Fräse arbeitet anhand einer speziellen Codierung den Zahnersatz mit den ganzen Farbschattierungen aus einem fertigen Block heraus.

Grundsätzlich ist auch zu betonen, dass der Trend immer mehr zum festsitzenden Zahnersatz geht. Prothesen, Teilprothesen und Brücken weichen Implantaten, Veneers und Kronen.

ZAHNPFLEGE und ZAHNKOSMETIK

14. Handzahnbürste oder elektrische Zahnbürste?

Never change a winning system! Wenn man lange und erfolgreich mit der Handzahnbürste geputzt hat, ohne neue Füllungen zu bekommen, dann kann man auch weiterhin manuell Zähne putzen.

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Wer vom Naturell her etwas fauler ist, der wird mit der elektrischen Zahnbürste tendenziell besser bedient sein, weil diese von Haus aus gründlicher arbeitet. Grundsätzlich kann man aber mit allen Bürstenarten kariesfrei bleiben.

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15. Rotierende Zahnbürste oder Schallzahnbürste?

Schallzahnbürsten* bieten ein noch besseres Frischegefühl als normale elektrische Zahnbürsten. Wie bei der vorangegangenen Frage gilt aber auch hier: Beide Methoden ermöglichen kariesfreies Zähneputzen, was Sinn und Zweck der Ausübung ist.

16. Zahnseide, Munddusche und Co.: Was sollte man neben der Zahnbürste am besten noch verwenden?

Jeder muss für sich entscheiden, was ihm gut tut. Aber die Zahnbürste schafft es einfach nicht, die Plaque zwischen den Zähnen und leicht unter dem Zahnfleisch zu entfernen. Da kommt die Munddusche sehr gut hin, aber auch nur dann, wenn der Belag nicht gut organisiert ist, dann muss man mit der Zahnseide nacharbeiten. Grundsätzlich wäre die Kombination aus Zahnbürste und Munddusche* jedenfalls ideal und ausreichend, wenn sie täglich angewendet wird.

17. Welche Zahnpasta sollte man am besten verwenden?

Das ist an sich völlig egal, wichtig ist nur, dass man keine Zahnpasta mit Schleifpartikeln verwendet, das führt zu stärkerer Abrasion, also dem Abrieb des Zahnschmelzes.

18. Wie oft sollte man zur zahnärztlichen Mundhygiene gehen?

Das hängt ganz vom Lebensstil des Betroffenen ab, das sollte man selbst merken. Eigenverantwortung ist der Schlüssel zum Erfolg: Wer seine Zähne super pflegt und weder raucht noch trinkt, bei dem reicht es, alle zwei Jahre zur Mundhygiene zu gehen. Am anderen Ende der Skala hingegen kann es notwendig sein, alle drei Monate zur Mundhygiene zu kommen.

19. Stichwort Bleaching: Welche Methode ist zu empfehlen?

Im Endeffekt geht es beim Bleaching um Wasserstoff, der organische aus anorganischen Verbindungen, also aus den Zähnen, rauslösen kann. In weiterer Folge wurde Licht- oder Laserbleaching entwickelt, bei dem die Emissionen den Wasserstoff aktivieren sollten. Wasserstoff muss aber nicht aktiviert werden, und das Licht kann den Zahn dermaßen stark austrocknen, dass Zahnnervschäden entstehen können.

Ein besseres und bewährtes Bleaching heutzutage ist das Bleaching in der Ordination, wo man hochkonzentrierten Wasserstoff anwendet, nachdem man das Zahnfleisch entsprechend geschützt hat. Man lässt den Wasserstoff einwirken und spült ihn dann ab. Ergänzend kann man für zuhause ein (deutlich niedriger konzentriertes) Homebleaching-Gel mitbekommen, damit der Effekt länger anhält.

© Denta Beaute/Jaroslav Belsky

Falls Sie noch weitere Fragen haben sollten, gerne an: Jaroslav Belsky, Denta Beauté Zahnmedizin, office@denta-beaute.at

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