Zahlreiche Termine: Ex-BAWAG-Boss
Helmut Elsner "fit" für kommende Aufgaben

U-Häftling steht vor mehreren Einvernahmen

Zweieinhalb Stunden hat der erste öffentliche Auftritt von Helmut Elsner nach seiner Festnahme in Südfrankreich im vergangenen Herbst und seiner Überstellung nach Wien am 13. Februar gedauert. Die Befragung des ehemaligen BAWAG-Generaldirektors vor dem Banken-Ausschuss im Parlament wurde wegen einer psychovegetativen Erschöpfung des 72-Jährigen vorzeitig abgebrochen. Als Indiz, dass Elsner den unmittelbar auf ihn zukommenden Einvernahmen nicht gewachsen sein könnte, sei dies aber nicht zu interpretieren, versicherte Harald Schopper, der Leiter der Krankenabteilung in der Justizanstalt Josefstadt.

Schon in der kommenden Woche hat der U-Häftling Elsner einen Termin bei der für die BAWAG-Affäre zuständigen U-Richterin Gerda Krausam. Dabei wird es um jene 600.000 Euro gehen, die er dem ehemaligen Konsum-Generaldirektor Hermann Gerharter "geschenkt" haben soll.

Gerharter hatte im Jahr 2002 bei seiner Hausbank um ein Darlehen zur Finanzierung offener Gerichtsgebühren angesucht, worauf ihn Elsner in sein Büro bestellt und ihm das benötigte Geld in bar überreicht haben soll. Den Kredit soll der Ex-BAWAG-Chef anschließend als uneinbringlich ausgebucht haben, was ihm die Staatsanwaltschaft nun als Untreue auslegt.

Elsners derzeitiger "Hausarzt" zeigte sich am Mittwoch gegenüber der APA überzeugt, dass Elsner die Befragung durch die U-Richterin zugemutet werden kann. "Es gibt aus heutiger Sicht keine medizinischen Gründe, die dagegen sprechen", betonte Schopper. Wie im Grauen Haus zu erfahren war, soll die Befragung im so genannten Halbgesperre - einem Trakt zwischen Gerichtsgebäude und Gefangenenhaus - stattfinden, was keine permanente Anwesenheit eines Arztes erforderlich machen würde, da im Notfall von der Justizwache binnen kürzester Zeit Hilfe aus der in unmittelbarer Nähe gelegenen anstaltseigenen Krankenabteilung angefordert werden kann.

Ebenfalls in der kommenden Woche - nämlich am Mittwoch - wird Elsner wieder dem Banken-Untersuchungsausschuss vorgeführt. "Sollte nichts Unvorhergesehenes passieren, kann die dortige Befragung sicher abgeschlossen werden", vermutet Schopper. Aus heutiger Sicht schloss er grundsätzlich die Notwendigkeit weiterer medizinischer Behandlungen aus: Elsner habe sich von seiner Bypass-Operation gut erholt, die Folgeerscheinungen - eine Fistel an der Vene und die Ansammlung von Flüssigkeit in der Lunge - habe man am vergangenen Wochenende im AKH "saniert", sagte Schopper.

Möglicherweise noch im Juni könnte Elsner auch als Zeuge in einem am Wiener Zivillandesgericht anhängigen Verfahren auftreten: Die BAWAG will mit einer gegen Elsners Ehefrau gerichteten Unterlassungsklage die Herausgabe der luxuriösen Penthouse-Wohnung erreichen, die aus Sicht der Bank unter nicht rechtmäßigen Bedingungen an Ruth Elsner verkauft wurde, weshalb die BAWAG von einer Nichtigkeit ausgeht.

Bis zum Start des BAWAG-Prozesses am 16. Juli wird Elsner auf jeden Fall noch öfter mit der U-Richterin zu tun bekommen: Seine Rolle in der Causa Horngacher muss genau beleuchtet werden. Der inzwischen wegen Missbrauch der Amtsgewalt und Geschenkannahme durch Beamte angeklagte frühere Wiener Landespolizeikommandant Roland Horngacher soll über Umwege - nämlich den Kassier des "Vereins der Freunde der Wiener Polizei" - von Elsner jahrelang Reisegutscheine erhalten und eingelöst haben.

Laut Staatsanwaltschaft flossen diese Gaben, nachdem Elsner bzw. die BAWAG von Horngacher profitiert hatten: Dieser soll im Dezember 2001 als damaliger Leiter der Wiener Wirtschaftspolizei eine "Unbedenklichkeitsbestätigung" besorgt haben, mit der Elsner die Einwände des BAWAG-Aufsichtsrats gegen die 680 Mio. Dollar (534 Mio. Euro) schwere Übernahme der bulgarischen Mobiltel zu zerstreuen versuchte, die er gemeinsam mit seinem langjährigen Geschäftspartner und privaten Freund Martin Schlaff geplant hatte.

Im BAWAG-Prozess selbst wird Elsner dem Vorwurf begegnen müssen, über 1,4 Milliarden Euro an Bankvermögen unter Ausschaltung aller Kontrollen bei riskanten Börsengeschäften "versenkt" zu haben, indem er es dem Spekulanten Wolfgang Flöttl überließ. In der Anklageschrift wird der Ex-BAWAG-Chef in Bezug darauf mit einem "Glücksspieler am Roulettetisch" verglichen. Indem Elsner und der BAWAG-Aufsichtsratspräsident Günter Weninger - die Anklage tituliert die beiden als "Duett der Macht" - die Verluste jahrelang verschleierten, sollen sie nach Ansicht der Anklagebehörde die Bank an den Rand des Ruins geführt haben.

Dessen ungeachtet kassierte Elsner Ende 2000 zu Lasten der Bank noch 581.000 Euro Bilanzgeld und eine Pensionsabfindung in Höhe von 6,8 Millionen Euro, was in der Anklageschrift folgendermaßen kommentiert wird: "Eine derartige Unverfrorenheit, wie sie Elsner an den Tag legte, ist auch bei versierten Wirtschaftstätern nicht oft zu beobachten."

(apa/red)