Zahlenreihen gegen alte Wahlversprechen:
Das letzte TV-Duell Molterer gegen Faymann

news.at über die Debatte der Kanzler-Kandidaten Die großen Probleme der Rechtschreibung

Zahlenreihen gegen alte Wahlversprechen:
Das letzte TV-Duell Molterer gegen Faymann © Bild: ORF

Was passiert, wenn der Buchhalter mit dem Marketingleiter gemeinsam in den Ring steigt? Dann werden undurchschaubare Zahlenreihen gegen uneinlösbare Visionen geschossen. Eine Konstellation, die einer interessanten Debatte mehr entgegen steht, als dass sie dies fördern könnte. Als wirklicher Höhepunkt entpuppten sich die orthografischen Schwierigkeiten des Buchhalters. Wilhelm Molterer fühlt sich im Reich der Rede wohl nicht so wohl, wie im Reich der Arithmetik.

Was die Zuseher wohl am meisten an der Debatte interessierte: wie kann es nach dem Wahlsonntag weiter gehen? Trotz aller Gegensätzlichkeiten wurden geschickte Signale gesetzt: Die Große Koalition ist gescheitert, aber das sei kein Problem der Koalition, sondern bloß des Koalitionspartners. So unterstrich Faymann seine Vorliebe für diese Koalitionsvariante. Ein Signal sowohl an die Wählerschaft als auch an den Kontrahenten. Die Phase des unkontrollierten Liebeswerben im Wahlkampf geht ihrem Ende zu. Beim TV-Duell bleibt am Ende Ernüchterung. Andere Optionen als Rot-Schwarz sind realistischer Weise nicht in Sicht.

Der Buchhalter verschoss seine vorbereiteten Sager schon frühzeitig. Damit blieb ihm nur mehr der Rückzug in sein eigentliches Metier: Zahlen, Zahlen, Zahlen. Nach Kreisky-Rucksack und Faymann-Packerl musste er die Meinungsführerschaft seinem Widerpart überlassen. Eine unglückliche Strategie, die dem SPÖ-Chef mehr Raum bot, als eigentlich notwendig gewesen wäre.

Am Ende des Abends zeigte sich nur der ÖVP-Generalsekretär Missethon begeistert von seinem Chef. Der Gesamteindruck blieb durchwachsen. Faymann hingegen gefiel sich einmal mehr in der Rolle des pragmatischen Visionärs. Kleinliche Lösungsvorschläge werden als politische Weitsichtigkeit präsentiert. Eine Strategie, deren größte Schwäche die Makulatur gebrochener Wahlversprechen ist. Dieses Damoklesschwert schwebt über der SPÖ und droht nach der Wahl herunter zu schnellen.

Dies war das letzte große Duell vor der Wahl am Sonntag. Es entpuppte für die meisten Zuseher wohl nicht als Wahlhilfe. Viele müssen nun ihre Partei wählen, obwohl sie in den Duellen möglicherweise eines besseren belehrt wurden.
(Sebastian Baryli)