Zahlen per Handy oder Fingerabdruck:
Neue Trends fordern die Banken heraus

London: Berührungsloses Zahlen ist bereits möglich Der "Wettbewerb ums Konto" ist längst entbrannt

Zahlen per Handy oder Fingerabdruck:
Neue Trends fordern die Banken heraus © Bild: APA/DPA/Wittek

In Zukunft wird sich das Zahlungsverhalten der Menschen ändern. Die technischen Möglichkeiten erlauben bereits das Zahlen mit dem Handy, per Fingerdruck oder ohne Berühren im "Vorbeigehen". In Zukunft wird es Angebote geben, die auf die persönlichen Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten sind, so eine Studie der Beratungsfirma A.T. Kearney, die in Wien präsentiert wurde.

Die Anbieter müssten "immer zuerst an den Kundennutzen denken, nicht an die Technologie", erklärte Torsten Eistert von A.T. Kearney. In London beispielsweise habe die englische Bank Barclays die Lebensgewohnheiten der Menschen untersucht und eine dazu passende Bankkarte entwickelt. Sie erlaubt es, geringe Beträge berührungslos zu zahlen und ist zugleich eine Karte für den öffentlichen Nahverkehr. Man führt dabei seine Karte an einem Adapter entlang, bis es piepst und die Zahlung abgeschlossen ist. Diese Geräte befinden sich beispielsweise bei Getränke- und Zeitungskiosken oder bei Terminals der städtischen Verkehrsbetriebe. Der Kartenanbieter card complete verhandelt derzeit über die Einführung dieser Technologie ab 2011 in Österreich.

Ratenzahlung mit Bankkarte
Andere Produktlösungen sind Bankkarten, bei denen der Kaufpreis - beispielsweise von einem Kühlschrank - in Raten vom Konto abgebucht wird. Sie ähnelt einem Kredit in Kartenform, da zusätzlich zu der Kaufsumme auch Zinsen anfallen. Manche Länder setzen Plastikgeld auch im Kampf gegen Schwarzarbeit ein: Wer in Tschechien Handwerker oder in Italien den Taxler mit Bankkarte entlohnt, zahlt dafür weniger Mehrwertsteuer.

"Wettbewerb ums Konto"
Diese neuen Entwicklungen sind für die klassischen Finanzdienstleister, die Banken, Chance und Risiko zugleich. Einerseits könne man innovative Produkte auf den Markt bringen, die profitabler sind als das bestehende Ertragsmodell, so die Beratungsfirma. Andererseits komme der "Wettbewerb ums Konto" aus allen Richtungen, so Daniela Chikova von A.T. Kearney. Telekom- und Internetunternehmen wie die Online-Zahlungsdienstleister PayPal und money bookers stünden schon in den Startlöchern. Für die Zukunft gebe es zum Beispiel die Möglichkeit, sich seinen Lohn auf Konten dieser Unternehmen überweisen zu lassen. "Die Banken drohen die Beziehung zum Kunden zu verlieren", schlussfolgerte Eistert.

Im Durchschnitt tätigen die österreichischen Haushalte laut Studie von A.T. Kearney tausend Zahlungsvorgänge pro Jahr. 80 Prozent davon erfolgen in bar, zehn Prozent per Lastschrift und Überweisung und zehn Prozent per Bankomat- und Kreditkarte. Jede zweite Zahlung beträgt weniger als zehn Euro. Die Österreicher zahlen ein bis zwei Mal pro Woche mit Bankomatkarte, ein bis zwei Mal pro Monat mit Kreditkarte.

(apa/red)