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Zahl der minderjährigen Flüchtlinge in Italien versechsfachte sich

Starker Anstieg seit 2011

Die Zahl der minderjährigen Flüchtlinge, die ohne Begleitung in Italien eintreffen, nimmt stark zu. Zwischen 2011 und 2016 erreichten 62.672 unbegleitete Minderjährige Italien, wie aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Organisation "Save the Children" hervorgeht.

25.846 Minderjährige kamen 2016 nach Italien, das sind sechs Mal mehr als 2011. Jeder sechste Migrant, der 2016 in Italien landete, war minderjährig. Zwischen 2011 und 2016 verdreifachte sich die Zahl der Flüchtlingskinder unter 14 Jahren in Italien. Die Zahl der Mädchen vervierfachte sich sogar, geht aus dem Bericht hervor.

81 Prozent der Minderjährigen, die in italienischen Flüchtlingslagern versorgt werden, gehören der Altersgruppe zwischen 16 und 18 Jahren an. Die Zahl der Kinder in der Altersgruppe bis 14 Jahren steigerte sich von 698 im Jahr 2012 auf 2.050 2016, ergab die Studie. Der Trend hält auch in diesem Jahr an. 8.300 unbegleitete Minderjährige trafen in Italien seit Anfang 2017 ein.

Die wachsende Zahl unbegleiteter Minderjähriger unter den in Italien ankommenden Flüchtlingen macht den italienischen Behörden zunehmend Sorgen. Im vergangenen Jahr verschwanden laut dem italienischen Innenministerium insgesamt 27.005 minderjährige Migranten, die ohne Begleitung von Erwachsenen in Italien eingetroffen waren, spurlos. Dies entspricht einem Plus von 44 Prozent gegenüber dem Jahr 2015, als 18.360 minderjährige Flüchtlinge verschwanden.

Die meisten minderjährigen Migranten sind in eigenen Flüchtlingseinrichtungen für Jugendliche untergebracht, wo sie bis zu ihrer Identifizierung eineinhalb Jahre verbringen müssen und Asylrecht erhalten. Andere tauchen einfach unter.

Die Betreuung von unbegleiteten Kindern wurde in Italien in den vergangenen Jahren verbessert. So wird für minderjährige Flüchtlinge eine Person eingesetzt, die sich um die Fürsorge und um die Zusammenführung mit Familienangehörigen kümmert. Das italienische Parlament hat Ende März zudem ein Gesetz zum Schutz unbegleiteter Migrantenkinder verabschiedet, die ohne Eltern in Italien eintreffen. Das Gesetz gewährt Migrantenkindern dieselben Rechte wie europäischen Minderjährigen. Sie dürfen daher nicht abgeschoben werden. Italienischen Gemeinden, die unbegleitete Flüchtlingskinder aufnehmen, wird besondere finanzielle Unterstützung garantiert. Dazu wird ein Netz von Heimen für Flüchtlingskinder aufgebaut.

Österreich hat in Italien zwei Anträge für die Aufnahme von insgesamt 30 unbegleiteten Minderjährigen, Familien und anderen schutzbedürftigen Personen im Rahmen des EU-Umverteilungsprogramms gestellt. Das Innenministerium in Wien hat Italien seine Bereitschaft signalisiert, insgesamt 50 Personen aufzunehmen. Dies soll in zwei Tranchen von 15 Personen und einer weiteren von 20 Flüchtlingen erfolgen.

Österreich prüft derzeit die ersten elf Personen, die von Italien als Übernahme-Kandidaten im Rahmen des Relocation-Programms genannt wurden. Dabei geht es um "Personen im Familienverband und unbegleitete Minderjährige".

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