Zahl der Beihilfebezieher verdoppelt: Mehr
als 100.000 brauchen in Wien Sozialhilfe

Weniger Vollbezieher, aber mehr mit geringem Lohn Alleinerziehende sind besonders armutsgefährdet

Zahl der Beihilfebezieher verdoppelt: Mehr
als 100.000 brauchen in Wien Sozialhilfe © Bild: APA/DPA

In der Bundeshauptstadt Wien hat sich die Zahl der Bezieher von Sozialhilfe-Leistungen seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt. Waren damals noch 42.754 Personen betroffen, haben im Jahr 2009 bereits 100.031 Menschen Unterstützungen in Anspruch genommen. Das geht aus dem ersten Wiener Sozialbericht hervor, der von Wiens Sozialstadträtin Sonja Wehsely präsentiert wurde.

Einer der Gründe für den Anstieg: Die Zunahme der prekären Beschäftigungsverhältnisse. Das zeigt sich laut dem Bericht auch an der Struktur der Sozialhilfebezieher in Wien, die sich deutlich verändert hat. Der Anteil der Personen mit einem Einkommen, das nur aus Sozialhilfe besteht, ist gesunken - von 20 auf 13 Prozent im Jahr 2008. Die klassischen "Vollbezieher" werden somit immer weniger.

Hingegen ist der Anteil der sogenannten Richtsatzergänzungsbezieher, also der Personen, deren Einkommen nicht ausreicht und die auf Zuzahlungen angewiesen sind, von 50 auf 67 Prozent gestiegen. Dazu zählen unter anderem Menschen, die Arbeitslosengeld bzw. Notstandshilfe oder auch Kindergeld beziehen. Aber auch die "Working Poor" sind häufig in dieser Kategorie zu finden.

Es sind dies etwa jene, die mit Jobs im Niedrigstlohnbereich oder mit Teilzeitarbeit ihr Auskommen fristen müssen. Diese Gruppe wird eher mehr: Denn laut Sozialbericht gibt es kaum mehr "einfache" Arbeitsplätze für Personen mit geringen Qualifikationen. Sie werden stattdessen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse gedrängt. Tatsächlich verfügen zwei Drittel der volljährigen Beihilfenbezieher nur über einen Pflichtschulabschluss.

Dazu kommt, dass das Leben in Wien teuer ist: Der Sozialbericht weist darauf hin, dass in der Bundeshauptstadt die Realeinkommen im Vergleich zum Rest des Landes sinken. Dies deutet "primär auf ein höheres Preisniveau hin", heißt es. Besonders armutsgefährdet sind allein erziehende Personen und Mehrkindfamilien.

(apa/red)