Wut und Trauer über Tod von Wo Weihan:
Chinas Behörden führten Familie in die Irre

Hinrichtuung wurde in aller Heimlichkeit vollzogen Diplomatische Krise zwischen Wien und Peking

Wut und Trauer über Tod von Wo Weihan:
Chinas Behörden führten Familie in die Irre © Bild: APA/EPA/Jason Wong

Die Familie des in der Volksrepublik China hingerichteten Geschäftsmanns Wo Weihan ist von den staatlichen Behörden bisher nicht über den Tod des 60-Jährigen offiziell in Kenntnis gesetzt worden. "Ich finde keine Worte für das, was ich empfinde. Natürlich ist es Wut!", sagte Wos Tochter, die mit einem US-Amerikaner verheiratete österreichische Staatsbürgerin Ran Chen, in Peking. Die Familie habe sich an die Botschaften der USA und Österreichs mit dem Ersuchen um Hilfe gewandt. Sie erhebt Anspruch auf die Herausgabe des Leichnams und will in Erfahrung bringen, ob Wo eine letztwillige Verfügung hinterlassen hat.

Die österreichische Bundesregierung und die EU haben den chinesischen Behörden vorgeworfen, sie vorsätzlich hinters Licht geführt zu haben. Die US-Regierung geht davon aus, dass das später widerrufene "Geständnis" Wos über den Verkauf von "Staatsgeheimnissen" an den taiwanesischen Geheimdienst durch Foltermethoden erzwungen worden war. Weder ihr Vater noch die Familie hätten von der unmittelbar bevorstehenden Exekution gewusst, erklärten Wos Töchter in Peking. "Wir sind in die Irre geleitet worden. Uns wurde das fundamentale Recht auf Information verwehrt." Die Fehlinformationen, mit denen das Pekinger Außenministerium Österreich und die französische EU-Ratspräsidentschaft getäuscht habe, seien "hinterhältig und schändlich".

Heimliche Hinrichtung
Nach Angaben der Töchter war ihnen bei einem Treffen mit ihrem Vater in der Haftanstalt, dem ersten seit seiner Festnahme vor vier Jahren, eine weitere Begegnung in Aussicht gestellt worden. Doch wurde Wo Weihan durch Erschießen hingerichtet. "Die Hinrichtung erfolgte heimlich, während wir noch hofften", sagte Ran Chen.

Wos Hinrichtung ungeachtet zahlreicher Gnadenappelle aus Österreich und der Europäischen Union hat eine schwere diplomatische Krise im Verhältnis zwischen Wien und Peking verursacht. Im Auftrag von Außenministerin Ursula Plassnik ist der Geschäftsträger der chinesischen Botschaft, Wang Shunqing, ins Außenministerium zitiert worden. Staatssekretär Hans Winkler bezeichnete dabei die Vorgangsweise der chinesischen Justiz als "schweren Vertrauensbruch, der durch nichts zu rechtfertigen ist", und nannte das Verhalten der Behörden gegenüber der Familie des Hingerichteten "unmenschlich". "China hat durch diese unmenschliche Handlung sein Ansehen in Österreich schwer beschädigt", hob der Staatssekretär hervor. Pekings Haltung müsse aus der Sicht der gesamten EU geradezu als "vorsätzlicher Affront" angesehen werden, erklärte Außenministerin Plassnik am Freitag. Bundespräsident Heinz Fischer und Nationalratspräsidentin Barbara Prammer hatten sich ebenso wie die EU-Kommission und der EU-Ratsvorsitz bei der chinesischen Staatsführung mit großem Nachdruck für Wos Begnadigung eingesetzt.

Das chinesische Außenministerium hat die ausländischen Proteste brüsk zurückgewiesen. Das Verfahren sei "gerecht" gewesen, sagte Außenamtssprecher Qin Gang. "China wird nach dem Gesetz regiert", vor dem alle Bürger gleich seien. Es könne keine Ausnahme für Wo geben, nur weil er ausländische Verwandte habe.
(apa/red)