Weltreise von

Wunderschöne Babys

Der Krieg, die Lügen und die Moral

Christoph Lehermayr © Bild: News/Ian Ehm

Die "beautiful babies" gaben den Ausschlag. Trump konnte die Bilder der toten Kinder nach einem Giftgasangriff nicht ertragen. Seine Tochter Ivanka noch weniger. Also musste Daddy handeln und Syrien rasch einmal bombardieren lassen.

Die Weltpolitik ist auf diesem Level angelangt. Um nicht falsch verstanden zu werden: Menschlichkeit, Herz und Hirn wären schon der geeignete Kompass für das außenpolitische Handeln einer Supermacht. Gesellt sich auch noch eine Strategie dazu, würden sich dabei vielleicht auch Erfolge einstellen. So aber tappen die Amerikaner im Dunkeln. Vor nicht einmal einer Woche schien Syriens Machthaber Assad für die Trump-Administration kein größerer Störfaktor mehr zu sein. Nun aber, nach sechs ratlosen Jahren Krieg, muss er weg, tönt es aus dem Weißen Haus.

Dabei geht es nicht um Assad. Es geht um das Danach. Genauso wie es nicht um Saddam Hussein, um Muammar al-Gaddafi und all die anderen Diktatoren ging, die Amerika in der Vergangenheit glaubte, stürzen zu müssen. Das Danach der jeweiligen Länder erzählt eine Geschichte des unglaublichen Versagens, der Selbstüberschätzung und der blanken Unkenntnis, welche die gesamte Region in ein mannigfaltiges Desaster stürzte, das in keinem Vergleich zum Zustand vor der Entmachtung dieser Despoten steht. Beispiel Irak: Der auf Lügen beruhende Krieg kostete nicht nur 1.000 Milliarden Dollar. Er ließ ein Land zerfallen, die Terrormiliz IS entstehen und Hunderttausende Menschen nach dem offiziellen Ende der Kampfhandlungen sterben - darunter natürlich auch Kinder.

Nur kümmert das heute in den USA kaum einen. Man berauschte sich am Krieg, an der militärischen Überlegenheit, an der Allmacht der letzten Supermacht und glaubte sich auf der Seite des Guten. Wenngleich Moral auch in Amerika nur wahlweise Einsatz findet. Dort nämlich, wo es den geostrategischen Interessen Washingtons dienlich ist. Wenn aber etwa der US-Verbündete Saudi-Arabien seit zwei Jahren völkerrechtswidrig das Nachbarland Jemen bombardiert, findet das weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Siebzehn Millionen Menschen drohen dort laut der Hilfsorganisation Care aktuell zu verhungern, mehr als zwei Millionen Kinder sind akut unterernährt. Die UNO warnt vor der größten humanitären Katastrophe seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

Und damit zurück zu Syrien. Ich weiß nicht, wie es mit dem Land nach Assad weitergehen soll. Ebenso wenig, was zu tun ist, damit dort nicht künftig Islamisten herrschen, Christen und Andersgläubige verfolgt werden, der Terror ein noch größeres Territorium erhält und Abertausende von "beautiful babies" keine Zukunft haben. All dieses Unwissen verbindet mich mit ihm, Donald J. Trump.