Wunder nach Zugunglück in Belgien: Lokführer überlebt Crash schwer verletzt

Warnstreiks: Eisenbahner legen ihre Arbeit nieder 18 Menschen bei Katastrophe ums Leben gekommen

Wunder nach Zugunglück in Belgien: Lokführer überlebt Crash schwer verletzt © Bild: Reuters/Pirlet

Es grenzt beinahe an ein Wunder: Ein Lokführer hat den schweren Frontalzusammenstoß der beiden Züge in Belgien schwer verletzt überlebt. Er solle, sobald es sein Zustand erlaube, von der Polizei vernommen werden, sagte Bahnsprecher Jochen Goovaerts. Unterdessen haben Lokführer in mehreren belgischen Städten ihre Arbeit niedergelegt. Wegen der Warnstreiks fielen im viele Züge im Süden Belgiens (Region Wallonie) aus, berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Die Beschäftigten wollten gegen die ihrer Meinung nach schlechten Arbeitsbedingungen bei der Staatsbahn SNCB protestieren, die den Unfall mitverursacht hätten. Bei dem Unglück nahe Brüssel kamen 18 Menschen ums Leben.

Die Gewerkschaften kritisierten den Personalmangel bei der Bahn, wodurch viele Lokführer und das Sicherheitspersonal überlastet und übermüdet seien. Die Bahngewerkschaften CGSP und SLFP erklärten, die Arbeitsniederlegungen seien nicht gewerkschaftlich organisiert, sie unterstützten aber die Aktionen. Die Beschäftigten blockierten die Bahndepots in den Städten Braine-le-Comte, Mons, Lüttich, Ath, Saint-Ghislain, La Louviere, Charleroi, Namur, Ottignies, Tournai und Löwen.

18 Menschen kamen ums Leben
Nach ersten Erkenntnissen hatte der Zugführer einer Regionalbahn ein Haltesignal übersehen und war mit einer anderen Bahn zusammengeprallt. Bei dem Unglück wurden mindestens 18 Menschen getötet. Zudem wurden nach Angaben des Staatsanwalts 80 Fahrgäste verletzt, davon 20 schwer. Die Zahl der Toten könne noch steigen. Einige Familien hätten Angehörige als vermisst gemeldet und zwei Schwerverletzte befanden sich nach wie vor in Lebensgefahr.

Die Ermittler suchen derzeit nach der genauen Unglücksursache für den Zusammenprall. An Ort und Stelle sicherten Fahnder Spuren an den entgleisten Waggons. "Genaues werden wir erst in einigen Tagen wissen", sagte ein Sprecher der Brüsseler Staatsanwaltschaft. Für die Spurensuche und die Bergungsarbeiten bleibt die Strecke noch mindestens zwei Tage lang gesperrt.

Schwerstes Zugunglück in Belgien seit 1974
Der Unfall ist das schwerste Zugunglück in Belgien seit 1974. Vor Ort bot sich ein Bild der Verwüstung. Bei dem Unfall waren die Züge bei einem Gleiswechsel auf dasselbe Gleis zugerollt und seitlich gegeneinandergeprallt. Die Wucht des Aufpralls schob die beiden ersten Waggons im 45-Grad-Winkel nach oben. Darunter verkeilte sich ein weiterer Waggon, mehrere Wagen sprangen aus den Schienen.

Vermutlich spielte das schlechte Wetter mit dichtem Schneefall eine Rolle. Der Fahrplan geriet durcheinander. Obwohl die Strecke mit modernster Technik ausgestattet war, konnte dies den Unfall nicht verhindern. Auf den Gleisen gab es ein Sicherheitssystem, das Züge automatisch bremst, wenn sie ein Haltesignal missachten. Jedoch war nur einer der beiden Züge damit ausgestattet, wie die Bahngesellschaft SNCB mitteilte.

(apa/red)