Wrabetz hat seine Suche begonnen: ORF-Direktorenposten offiziell ausgeschrieben

Bewerbungsfrist läuft bis zum 19. September Kritik: Hälfte der Kandidaten BZÖ-kompatibel?

Die Suche nach den Direktoren des neu gewählten ORF-Chefs Alexander Wrabetz hat nun offiziell begonnen. Die Ausschreibung für das neue Führungsteam, das gemeinsam mit dem designierten ORF-Generaldirektor ab 1. Jänner 2007 die Geschicke im ORF lenken soll, wurde am Dienstag im Amtsblatt der "Wiener Zeitung" abgedruckt. Vakant sind demnach sechs Direktorenposten für Fachbereiche und neun Landesdirektorenposten, mit einer Funktionsperiode bis 31.12.2011. Die Bewerbungen müssen bis 19. September bei Alexander Wrabetz eingelangt sein. Gewählt wird bereits zwei Tage später - am 21. September.

Mit seinen sechs Direktoren übernimmt der künftige ORF-General Wrabetz die Einteilung seiner Vorgängerin Monika Lindner und schöpft damit ebenfalls die gesetzliche Höchstgrenze aus. Im Gesetz sind vier bis sechs Direktoren vorgesehen.

Gesucht werden - natürlich geschlechtsneutral: Ein Informationsdirektor für Fernsehen, der für die Bereiche Information, Bildung und Zeitgeschehen sowie Sport zuständig ist. Gemeinsam mit der "zweiten Fernsehdirektion" ist er außerdem "hinsichtlich der für das Fernsehen insgesamt eingerichteten Dienststellen" verantwortlich. Weiters gesucht: Ein Programmdirektor für Fernsehen (zuständig für Kultur, Religion, Kinder, Jugend und Familie, Unterhaltung, Film und Serien sowie gemeinsame Zuständigkeit mit der zweiten Fernsehdirektion hinsichtlich der für das Fernsehen insgesamt eingerichteten Dienststellen) und ein Hörfunkdirektor (Programmangelegenheiten der Hörfunkprogramme ausgenommen die bundeslandweiten Programme - mit letzterem sind die Regionalsender gemeint).

Ein Nachfolger ist auch für Wrabetz früheren Job als Kaufmännischer Direktor gesucht (Finanzwirtschaft, direktionsübergreifende Belange der Produktionswirtschaft, Programmein- und -verkauf, Beschaffung und Verwaltung, infrastrukturelles Facility-Management, Tochterfirmen und Beteiligungen sowie zentrales Controlling), ein Technischer Direktor (Anlagentechnik, Infrastrukturtechnik sowie die Produktionsbetriebe für die Hörfunkdirektion und die Fernsehdirektionen) und schließlich ein Direktor für Online und neue Medien (Online-Dienste, Teletext und Business Development im Bereich neue elektronische Medien). Darüber hinaus können sich Landesdirektoren für die neun Bundesländer bewerben.

Wrabetz selbst hatte seine Wunschkandidaten für die vakanten Spitzenjobs im Laufe seines Hearings im Vorfeld seiner Wahl genannt: Als Programmdirektor gab er seinen Mitbewerber Wolfgang Lorenz an, Informationsdirektor soll ORF-Sportchef Elmar Oberhauser werden, der Kärntner Programmchef Willy Haslitzer ist als Hörfunkdirektor vorgesehen. Als Technischer Direktor ist Peter Moosmann, als Onlinedirektor ORF-Marketingchef Thomas Prantner vorgesehen. Für den Posten des Kaufmännischen Direktors will Wrabetz eine Frau aus dem Banken-, Industrie- oder Medien-Bereich gewinnen.

Unter Stiftungsräten wird davon ausgegangen, dass es bis 21. September noch Änderungen am kolportierten Team geben könnte. Kritik gibt es etwa an Willy Haslitzer. Dieser hatte mit offenherzigen Äußerungen für Aufsehen gesorgt, wonach er die Hoffnung auf den Posten des Hörfunkdirektors dem Kärnter Landeshauptmann Jörg Haider und BZÖ-Stiftungsrat Gert Seeber verdanke. Diese hätten bei Wrabetz die "Postillions d'Amour gespielt". Auch der Umstand, dass gleich die Hälfte der vorgesehenen Direktoren (Oberhauser, Haslitzer, Prantner) als BZÖ-kompatibel gilt, sorgt bei manchen Stiftungsräten für Irritationen. Der Technische Direktor Peter Moosmann, der auf dem Posten auf Anregung der SPÖ-nahen Betriebsrats-Stiftungsräte landen soll, stößt indes bei Teilen der technischen ORF-Belegschaft auf Widerstand, wie zu hören ist.

BZÖ-Chef Peter Westenthaler meinte zuletzt, dass ihn etwaige Änderungen an der Aufstellung "überhaupt nicht" provozieren würden. "Das Team muss sich der Generaldirektor selbst aussuchen. Ich bewerte dieses Team nicht." Wrabetz selbst betonte dieser Tage, dass die Direktoren-Kandidaten "schwer parteipolitisch zu etikettieren" seien. Auf die Frage, ober er ausschließen könne, dass sich am Führungsteam bis zur Wahl am 21. September etwas ändert, meinte Wrabetz aber: "Nichts ist in Stein gemeißelt."

(apa/red)