Wollte angeblich Förderanteile verkaufen: Ecuador annulliert Vertrag mit US-Ölfirma

Nach Bolivien geht auch Andenstaat gegen Multis vor Löwenanteil der Öl-Erträge an ausländische Firmen

Nach Bolivien geht nun auch Ecuador gegen ausländische Ölförderfirmen vor: Das südamerikanische Land annullierte den Vertrag mit der größten ausländischen Ölförderfirma Occidental Petroleum (OXY) aus den USA und ordnete die Beschlagnahmung der Förderanlagen des Unternehmens an. Hintergrund ist der Vorwurf, die kalifornische Firma habe ohne Zustimmung der Regierung in Quito Förderanteile verkaufen wollen. Bolivien hatte kürzlich die Verstaatlichung der Öl- und Gasindustrie des Landes bekannt gegeben.

Die Entscheidung der Regierung Ecuadors bedeutet, dass die US-Firma sofort alle vertraglich vereinbarten Ölfelder sowie Anlagen und sonstige Ausrüstung zurückgeben muss. Die Ölförderung Oxys wird vorerst von der staatlichen ecuadorianischen Gesellschaft Petroecuador übernommen, wie Ölminister Ivan Rodriguez bekannt gab.

US-Firma wollte an kanadische Firma verkaufen
Streitpunkt ist, dass die US-Firma einen großen Teil ihrer Ölförderung in Ecuador an die kanadische Gesellschaft Encana verkaufen wollte, die ihrerseits mehrheitlich einem chinesischen Unternehmen gehört. Oxy hatte die Behörden in Quito aber nicht über das Geschäft informiert. Die kalifornische Firma fördert seit den 90er Jahren täglich rund 100.000 Barrel Öl im ecuadorianischen Amazonasbecken, das ist rund ein Fünftel der gesamten Produktion Ecuadors. Oxy kann gegen die Enteignung Berufung einlegen. Die Firma wollte sich auf Anfrage vorerst nicht äußern.

Mit dem Schritt reagiert die ecuadorianische Regierung auf Proteste der eingeborenen Bevölkerung in den erdölreichen Amazonsregionen Sucumbíos und Orellana. Die Bewohner fordern eine gerechtere Verteilung der Einkünfte aus dem lukrativen Ölgeschäft. Derzeit fließt der Löwenanteil aus der Erdölförderung an ausländische Unternehmen in den USA, Europa und China sowie in den Schuldendienst. Die staatliche Petroecuador fördert nur knapp 40 Prozent der heimischen Ölvorräte. Da das rohstoffreiche Land nur wenige Produktionsanlagen besitzt, muss es zudem Kraftstoffe zu den hohen Weltmarktpreisen importieren.

Waffenstillstand ausgerufen
Im vergangenen Sommer hatten Bewohner der Amazonasregionen die für das Land lebenswichtige Ölindustrie mit Straßenblockaden und der Besetzung von rund 200 Förderanlagen lahm gelegt. Nach dem Einsatz der Armee wurde eine Art Waffenstillstand vereinbart und die Förderung langsam wieder aufgenommen.

Der bolivianische Präsident Evo Morales hatte Anfang Mai mit der Ankündigung international Aufsehen erregt, die Öl- und Gasindustrie zu verstaatlichen. Betroffen sind insgesamt 26 internationale Konzerne. Sie sollen aber Investitionen inklusive Gewinn zurückzuerhalten, wie Morales vor dem Europaparlament in Straßburg versicherte.
(APA/red)