Selbstmordattentat von

Wolgograd-Terroristin hatte möglicherweise Moskau als Ziel

Attentäterin erhielt Sprengstoff für Bus-Bombe von Ehemann

Anschlag auf Bus in Wolgograd © Bild: imago stock&people

Nach dem Terroranschlag auf einen Bus in der russischen Großstadt Wolgograd steht fest: Die Attentäterin von Wolgograd hat den Sprengstoff laut einem Zeitungsbericht von ihrem Ehemann erhalten.

Der 22-jährige Dmitri Skolow hat den Sprengstoffgürtel, mit dem die 30-jährige Najda Assialowa am Montag in einem Bus sechs Menschen mit in den Tod riss, persönlich seiner Frau übergeben, berichtete die Zeitung "Komsomolskaja Prawda" am Dienstag unter Berufung auf den Geheimdienst.

Fast 30 Verletzte würden nach dem Selbstmordattentat mit insgesamt sieben Toten noch in Krankenhäusern in Wolgograd behandelt, hieß es. Die Vertretung der Europäischen Union in Moskau verurteilte den Anschlag. Rettungskräfte haben heute vier Verletzte zur Behandlung nach Moskau geflogen. Das Flugzeug vom Typ Iljuschin Il-76 landete in der russischen Hauptstadt, wie das Zivilschutzministerium mitteilte.

In der früher als Stalingrad bekannten Stadt hatte sich am Montag eine 30 Jahre alte Islamistin aus dem russischen Konfliktgebiet Nordkaukasus in einem Bus in die Luft gesprengt. Etwa 40 Menschen reisten in dem Fahrzeug. Der gezündete Sprengsatz habe eine Wucht von etwa einem halben Kilogramm TNT gehabt, sagte der Sprecher der obersten russischen Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin.

Anschlag auf Bus in Wolgograd
© 2013 AFP

Sprengstoff mit Metallstücken gespickt

Die Explosion sei verheerend gewesen, weil der Sprengstoff mit Metallstücken gespickt gewesen war, sagte Markin. Die Fahnder vermuten, dass Islamisten der Frau den Sprengsatz übergeben hatten. Nach den Hintermännern werde gesucht.

Moskau als tatsächliches Ziel?

Nach Darstellung von Markin kam die Attentäterin mit einem Reisebus aus der dagestanischen Hauptstadt Machatshkala. Die Fahrkarte soll sie bis Moskau gelöst haben. Medien spekulierten, dass die Terroristin möglicherweise in der Hauptstadt ein Blutbad anrichten wollte. Warum sie in Wolgograd ihre Reise unterbrach und in einem Linienbus den Sprengsatz zündete, war zunächst unklar.

Das Innenministerium rief die Bevölkerung zu erhöhter Wachsamkeit auf. In Wolgograd galt eine dreitägige offizielle Trauer. Die russische Regierung sicherte den Überlebenden und Hinterbliebenen finanzielle Hilfe zu. Mehrere Verletzte hatten bei der Detonation Gliedmaßen verloren.

Anschlag auf Bus in Wolgograd
© imago stock&people

Die Selbstmordattentäterin stammte nach offiziellen Angaben selbst aus der islamisch geprägten Teilrepublik Dagestan. Radikale Kräfte kämpfen dort um die Errichtung eines von Moskau unabhängigen Kaukasusemirats.

Machwerk von Doku Umarow?

Der Terroristenführer Doku Umarow aus dem früheren russischen Kriegsgebiet Tschetschenien hatte mehrfach damit gedroht, den Terror auch wieder ins Kernland zu tragen. Im Juli hatte er in einer Videobotschaft dazu aufgerufen, alles dafür zu tun, um die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 zu verhindern.

Die Sicherheitsvorkehrungen in dem Schwarzmeerkurort gelten bereits jetzt als extrem. Das Innenministerium hatte betont, dass Athleten und Gästen keine Gefahr drohe.

Parlamentsabgeordnete in Moskau erklärten den Anschlag in Wolgograd mit der räumlichen Nähe zum Nordkaukasus. Terroristen könnten dort leichter agieren als in der besser bewachten Hauptstadt, hieß es. Der Ultranationalist Wladimir Shirinowski von der Liberaldemokratischen Partei Russlands forderte noch schärfere Sicherheitsvorkehrungen. Er kündigte dazu neue Initiativen an.

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