Wolfowitz lehnt Rücktritt ab: Umstrittene Beförderung lässt Druck weiter anwachsen

Sogar Weltbank-Personalvertreter fordern Rückzug US-Regierung steht noch hinter dem Banken-Boss

Nach Deutschland, Großbritannien und Frankreich haben auch die Niederlande ihren Druck auf Weltbank-Präsident Paul Wolfowitz erhöht. Der Skandal um die Beförderung der Lebensgefährtin des Bankchefs habe eine Krise der internationalen Entwicklungshilfe-Institution verursacht, die schnell gelöst werden müsse, mahnte der niederländische Entwicklungshilfeminister Bert Koenders. Wolfowitz wies alle Rücktrittsforderungen zurück.

"Ich glaube an die Mission dieser Organisation, und ich bin davon überzeugt, dass ich sie erfüllen kann." Mit diesen Worten trat Wolfowitz nach einer Krisensitzung des Entwicklungshilfe- Ausschusses der Bank am Sonntagabend vor die Presse. Er verwies auf eine Untersuchung des Exekutivdirektoriums der Bank, deren Ergebnis abgewartet werden solle. "Da müssen wir uns nun durcharbeiten, und wir werden das Direktorium seine Arbeit abschließen lassen."

Wolfowitz soll sich bei der Versetzung seiner ebenfalls bei der Weltbank arbeitenden Lebensgefährtin Shaha Riza nicht korrekt verhalten haben. Sie wurde an das US-Außenministerium versetzt, aber weiterhin von der Weltbank bezahlt. Wolfowitz soll dabei ihr Gehalt doppelt so stark erhöht haben, wie nach den Regeln der Institution eigentlich vorgesehen war. Der Vorgang gilt als besonders heikel, weil der ehemalige US-Vize- Verteidigungsminister seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren die Korruption in Entwicklungsländern zu einem seiner Hauptthemen gemacht hat.

USA stehen hinter Wolfowitz
Der Entwicklungshilfe-Ausschuss hatte in einer überraschend deutlich formulierten Erklärung seine "tiefe Besorgnis" über die Vorgänge ausgedrückt. Während der Sitzung hinter verschlossenen Türen sei Wolfowitz aber nicht ausdrücklich zum Rücktritt aufgefordert worden, hieß es in den beteiligten Delegationen.

Vor den Beratungen hatten die USA Wolfowitz noch einmal ihre Unterstützung versichert. Die US-Regierung schlägt traditionell den Chef der Finanzinstitution vor, war mit der Nominierung des Irakkrieg-Befürworters jedoch bereits vor zwei Jahren auf erheblichen Widerstand vor allem in Europa gestoßen.

Die Weltbank müsse in ihrer Arbeit die höchsten Anforderungen erfüllen, betonte der Niederländer Koenders in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Es müsse daher ernsthaft geprüft werden, ob die Bank wegen des Skandals diesen Anforderungen im Hinblick auf ihre Glaubwürdigkeit und ihren Ruf noch genüge. Die Niederlande gehören wie Deutschland und Großbritannien zu den größten Geberländern. Ihre Stimme hat daher großes Gewicht.

Die Personalvertretung der Bank forderte Wolfowitz auf, seinen Posten zu räumen: Die Belegschaft habe kein Vertrauen mehr in ihn und könne "nicht erkennen, wie er die Glaubwürdigkeit zurückgewinnen könnte, die verloren gegangen ist", erklärte die Vorsitzende der Vertretung, Alison Cave.

(apa/red)