Wohlstand von

Macht Reichtum gemein?

Neue Studie zeigt mehr Rücksichtslosigkeit und Egoismus unter Wohlhabenden

Wohlstand - Macht Reichtum gemein? © Bild: Corbis

Arm und nett? Reich und unsympathisch? Wie das „New York Magazine“ berichtet scheinen neueste Studienergebnisse nahezulegen, dass reiche Menschen weniger Mitgefühl zeigen und sich rücksichtsloser benehmen als Durchschnittsverdiener.

An der Universität von Berkeley, in Kalifornien, ließen Wissenschaftler verschiedener Disziplinen Studenten gegeneinander Monopoly spielen. Es spielten jeweils immer zwei gegeneinander, wobei der eine vom Start weg mehr Geld erhielt und auch bei jedem Überqueren des Bankfeldes mehr Geld erhielt, als der andere. Der eine wurde sozusagen reich gemacht und der andere arm.

Die Spieler wurden beim Spiel mit Videokameras beobachtet und die Wissenschaftler machten eine erstaunliche Beobachtung. Während sich der Spieler der Runde für Runde immer mehr gewann, anfangs noch entschuldigte und signalisierte, dass er die Zuteilung des Geldes auch für ungerecht hielt, änderte sich dies im Verlauf des Spiels. Er stellte die Entschuldigungen ein und trat immer herrischer auf. Es schien so, als ob er sich an seinen neuen Reichtum gewöhnen würde und zunehmend die Fähigkeit verlor, sich in die Lebensrealität des anderen hineinzuversetzen.

Nette Menschen haben es schwer
Die Wissenschaft zur Erforschung des Verhaltens von Reichen ist noch relativ jung und eindeutige Ergebnisse gibt es wenige. Aber es gibt einige Hinweise die nahe legen, dass Reiche im Schnitt rücksichtsloser auftreten und weniger Empathie zeigen würden als ärmere Menschen. Der Wissenschaftler Paul Piff, von dem auch das Monopolyexperiment stammt, vertritt die These, dass sozialer Aufstieg zu einer Entmenschlichung führen kann. Natürlich muss es nicht so sein, dass Reiche sich irgendwie anders verhalten als nicht so Reiche, aber laut Piff passiert es erstaunlich häufig.

Reiche würden ihre eigenen Bedürfnisse häufiger gegenüber den Bedürfnissen anderer priorisieren. Auch eine psychologische Studie der Universität Notre Dame brachte ein ähnliches Ergebnis. Das Ziel der Studie war es herauszufinden, ob als besonders nett eingeschätzte Menschen tatsächlich, wie häufig angenommen, deutlich weniger weit in ihren jeweiligen Karrieren kommen. Das Ergebnis der Studie zeigte, dass diejenigen die als am wenigsten freundlich auftretend eingeschätzt wurden, deutlich mehr verdienten als die als nett eingestuften.

Rücksichtslos im Verkehr
Aber auch Piff selbst hat noch andere Beweise für seine Vermutung. Er verbrachte viel Zeit den Verkehr an einer Straße zu beobachten und musste feststellen, dass Besitzer von Luxusautos deutlich aggressiver fuhren, als diejenigen in Mittelschicht-Wägen.

Eine weitere Studie der Universität Minnesota zeigte, dass schon alleine das Denken an Geld, die Fähigkeit Empathie zu empfinden deutlich absenken kann. Die Wissenschaftler führen das darauf zurück, dass Geld einen funktionell denken lässt. Menschen, die sich besonders mit finanziellen Belangen beschäftigen, denken daher besonders häufig an Geld und weniger an ihre Umwelt.

Armut schädigt Hirn
Erschütternd ist auch, dass zahlreiche Studien nahelegen, Armut würde die Entwicklung des kindlichen Gehirns schädigen. Durch den permanenten mit Armut einhergehenden Stress sind Kinder armer Familien häufig weniger gut in der Lage ein strategisches und rationales Denken zu entwickeln. Reiche haben also offenbar häufig selbst jenseits ihres Reichtums einen Startvorteil.

Es zeigt sich, dass je weiter Menschen aufsteigen, desto mehr scheinen sie sich für Individualität und Unterscheidbarkeit zu interessieren. Eine Studie mit Feuerwehrleuten und MBA-Studenten zeigte beispielsweise, dass erstere sich in der Regel freuten, wenn ihr bester Freund das selbe Auto wie sie kaufen würde, während MBA-Studenten häufiger um den Verlust ihres Status fürchteten.

Ob Reichtum glücklich macht, darüber lässt sich so natürlich nichts sagen. Aber wenn sich die Studienergebnisse bestätigen, so liegt es doch nahe, dass steigende Ungleichheit in einer Gesellschaft möglicherweise mehr Schäden hinterlässt als bisher angenommen.

Kommentare

Muss so etwas wirklich erst ... wissenschaftlich untersucht werden? Der einfache Hausverstand und ein bisschen Beobachtungsgabe genügt eigentlich. Zum Glück gibt es aber auch Ausnahmen. (Wie überall!)

Aber wer weiß, vielleicht tut es ja auch vielen Politikern ganz gut, so etwas zu lesen?

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reiche sind rücksichtslos wenn reiche nicht rücksichtslos wären, wären sie nicht zu geld gekommen. wer immer brav, lieb, nett und das helferlein ist, kanns ja zu nix bringen.

auer47 melden

Re: reiche sind rücksichtslos Wozu Universitätsstudien um viel Geld?? Ein altes Sprichwort sagt: "Reich werden ist keine Kunst, wenn dich die Armen nicht edrbarmen". Diese Weisheit hat sicher kein Gscheiterl entdeckt, das ist Volkswissen. seit generationen

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