Fitness-Tipp von

WM 2018: Safety first!

Volker Piesczek © Bild: Matt Observe/News

Lassen Sie mich heute über die WM philosophieren. Nachdem ich im Augenblick als Kommentator für die Weltmeisterschaft im Einsatz bin, habe ich fast jedes Spiel gesehen, die Kader und Taktik-Ausrichtungen genauestens studiert, und fast überall lautet die Devise: "Safety first!" Die Fehlervermeidungsstrategie ist auch im Fußball angekommen. Was dabei herauskommt, haben wir gesehen. Die Spiele finden hauptsächlich im Rückwärtsgang statt. Selbst spielerisch starke Mannschaften wie Brasilien, Spanien, Argentinien, Deutschland und Frankreich agieren derart vorsichtig, dass sie mit Recht um das Weiterkommen zittern mussten.

Diese Mutlosigkeit wird meist durch eine Standardsituation bestraft, oft fallen Tore erst, wenn der Schiedsrichter per Videobeweis auf Elfmeter entscheidet. Daraus resultiert wiederum die Abhängigkeit von einem einzelnen Spieler, der den Unterschied ausmachen soll. Und wenn die Messis, Neymars und Ronaldos dann versagen, schreien alle: "Kreuzigt sie!" Jene Spieler, die es sich im Schatten der Stars bequem gemacht haben, sind nicht mal vergessen, weil man ihre Namen erst gar nicht kannte. Der Wunsch nach dem einen Erlöser, der uns inspiriert, für uns kämpft und dann ins gelobte Land führt, ist so alt wie die Menschheit selbst, somit ist der Wunsch nach dem Fußballgott, der sein Land ins Finale schießt, nur verständlich. Für die Fans kann ich nur hoffen, dass sich das ab dem Achtelfinale ändert und Mut belohnt wird.