WM-Qualifikation von

Kasachen mit deutschem Know-how

Enge Zusammenarbeit mit dem DFB. Austausch von Trainern und mehr.

Kasachstan Fußball-Teamchef Miroslav Beranek © Bild: Reuters/Sezer

Das topmoderne Trainingszentrum der kasachischen Nationalmannschaft in Talgar liegt nur 300 Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt. Dennoch orientiert sich Österreichs kommender WM-Qualifikationsgegner zumindest im Fußball lieber an Europa als an Asien. Im Februar 2010 wurde ein "Memorandum of Understanding" mit dem DFB abgeschlossen, das unter anderem den Austausch von Trainern, die Unterstützung bei der Trainer- und Schiedsrichterausbildung sowie Medien- und Medizinseminare beinhaltet.

Seither wurde die Nachwuchsarbeit völlig umgekrempelt - ab kommendem Jahr muss jeder kasachische Oberhaus-Club eine Nachwuchsakademie mit ausgebildeten Trainern betreiben. In einigen Jahren sollen sich diese Maßnahmen dann auch positiv auf das Nationalteam auswirken.

Im Moment zählt Kasachstan, das neuntgrößte Land und gleichzeitig größte Binnenland der Welt, im Fußball noch zu den Zwergen. In der aktuellen FIFA-Rangliste scheint die ehemalige Sowjetrepublik gerade einmal an der 147. Stelle auf und liegt damit 77 Plätze hinter Usbekistan - vor allem deshalb, weil der ungeliebte Nachbar Mitglied des asiatischen Kontinentalverbandes ist und es daher zumeist mit leichteren Gegnern zu tun bekommt.

Vorteile in Europa
Den großen Abstand zu Usbekistan nehmen die Kasachen trotzdem gerne in Kauf, schließlich sehen sie bei der UEFA bessere Entwicklungsmöglichkeiten. "Es ist für uns ein Vorteil, in Europa zu spielen, nicht nur wegen des Lernprozesses. Wenn man im Wembley-Stadion oder in der Türkei spielt und sich nicht einmal selbst denken hört, weil es so laut ist, dann fühlt man sich als echter Fußballer", erklärte der kasachische Kapitän Kairat Nurdauletow.

5,4 Prozent der Fläche Kasachstans liegen westlich des Urals und damit in Europa. Diesen Umstand nützte das zentralasiatische Land, um 2002 nach zehnjähriger Zugehörigkeit zum asiatischen Verband zur UEFA zu wechseln. Große Erfolge blieben seither aus. In der Qualifikation für die WM 2006 reichte es gerade einmal zu einem Punkt (0:0 in Georgien), in der Qualifikation für die EURO 2008 erwies sich Österreichs Gegner aber immerhin als Favoritenschreck. Gegen Serbien gab es einen 2:1-Heimsieg, außerdem wurden je zwei Unentschieden gegen Belgien und Aserbaidschan ergattert.

Großes Land mit wenig Einwohnern
In der Qualifikation für die WM 2010 lief es für Kasachstan, dessen Bevölkerungsdichte von 6,01 Einwohner pro Quadratkilometer zu den niedrigsten der Welt zählt, weniger nach Wunsch. Acht Niederlagen standen zwei Siege gegen Andorra gegenüber. Eine Niederlage gegen Kroatien kassierten die Kasachen allerdings erst durch einen Treffer in der Nachspielzeit.

In der abgelaufenen EM-Qualifikation holten die Kasachen vier Punkte - drei gegen Aserbaidschan und einen beim 0:0 vor einem Jahr gegen Österreich in Astana. Schon damals wurde die Nummer 147 der FIFA-Rangliste vom aktuellen Teamchef Miroslav Beranek betreut, der den kasachischen Fußball stark im Aufwind sieht. Als Beleg dafür nannte der Ex-Assistent des früheren ÖFB-Teamchefs Karel Brückner bei der tschechischen Auswahl die Auftritte der kasachischen Clubs in dieser Europacup-Saison.

Gute Entwicklung
Meister Schachtjow Karaganda schied in der zweiten Runde der Champions-League-Qualifikation gegen Slovan Liberec erst nach Verlängerung aus, Ordabasy verabschiedete sich im Europa-League-Play-off gegen Rapids Gruppenphasen-Gegner Rosenborg Trondheim aufgrund eines Gegentreffers in der 87. Minute. "Das zeigt, dass sich der Fußball in Kasachstan sehr gut entwickelt hat", erklärte Beranek.

Als weiterer Motivationsschub könnte das äußerst erfolgreiche Abschneiden bei der Olympischen Spielen dienen, schließlich kehrten die kasachischen Athleten mit sieben Goldmedaillen aus London zurück. "Das ist für uns ein Ansporn. Wir wollen, dass Kasachstan in der Welt nicht nur durch Boxer und Gewichtheber bekannt ist, sondern auch durch Fußballer", sagte Nurdauletow.

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