WM-Kommentar von

Enttäuschter Messi,
glücklicher Schweinsteiger

Nach dem Finale ließen die Gesichter der Akteure keine Fragen offen

Michael Kuhn © Bild: NEWS / Thomas Jantzen

Gesenkten Hauptes stapfte Lionel Messi die 48 Stufen zur Ehrenloge hinauf. Unbewegten Gesichts nahm er den Goldenen Ball als bester Spieler des Turniers entgegen. Gesenkten Haupt kehrte er aufs Spielfeld zurück. Wieder 48 Stufen, wieder verfolgt von der unbarmherzigen Livekamera.

Sieger sehen anders aus.

Hunderte Millionen in aller Welt bemitleideten den personifizierten schwer enttäuschten Verlierer. Der Goldene Ball als Trostpreis konnte den WM-Pokal nicht ersetzen, nicht annähernd. Messi war auch nicht DER Fußballer dieser Weltmeisterschaft gewesen. Auch nicht der Mann, der das Finale diktiert und bestimmt hatte. Das wusste er selbst am besten. Robben, Müller, Neuer – es hätte andere Kandidaten gegeben. Aber das ist subjektiv.

Das Symbolgesicht des Triumphs war für mich Bastian Schweinsteiger, einer der sieben Bayernspieler auf dem Feld von Maracana. Überglücklich, sein Glück hinausschreiend, verschwitzt, eine Platzwunde unter dem Aug.

Die Gedankenwelt seines Chefs Jogi Löw war von der Livekamera schwerer zu durchleuchten. Ein versonnenes, befreites Lächeln. Was mag ihm durch den Kopf gegangen sein? Vielleicht auch ein Gedankenblitz an Frank Stronach. Dem österreichisch-kanadischen Experten für alles, auch für Fußball, hat er eigentlich seine Weltkarriere zu verdanken. Der hatte ihn 2004 beim Tabellenführer Wiener Austria rausgeschmissen. Er sei kein Erfolgsmensch. Wohl zu leise. Der arbeitslose Trainer fand Unterschlupf als Assistent Jürgen Klinsmanns bei der deutschen Nationalmannschaft und beerbte seinen Boss nach der WM 2006.

Wie man sieht, der Fußball schreibt die sonderbarsten Geschichten. Alles ist möglich. Auch dass der große kleine Lionel Messi doch noch einmal den WM-Pokal in den Händen halten kann. 2018 bei der Weltmeisterschaft in Russland wird er 31 sein, also im besten Fußballeralter.

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