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"Die WM ist für die Reichen"

Der Bischof kritisiert die Verschwendung von Milliarden für die Fußball-WM.

Erwin Kräutler © Bild: imago/epd

Sicher protestiert in Brasilien niemand, wenn die Seleção zum 6. Mal Weltmeister wird. Die Fußballfreude beherrscht nach wie vor das Land. Vom 12. Juni bis 13. Juli 2014 werden Millionen Brasilianer bei jedem Tor der Nationalmannschaft begeistert aufspringen, mit erhobenen Händen ein ohrenbetäubendes "Gooooool" brüllen und Böller krachen lassen. Sie werden aber nur vor Fernsehschirmen sitzen, denn Eintrittskarten können sie sich nicht leisten. Sie müssen draußen bleiben. Die WM ist für die Reichen, die Bonzen, die Touristen. Jedes Stadion ist im Umkreis von zwei Kilometern hermetisch abgeriegelt! Weg mit den Armen, weg mit den Fußballfans aus dem Arbeitermilieu und den Favelas!

»"Werden Stadien zu Denkmälern des Wahnsinns?"«

Als Brasilien 2007 den Zuschlag für die WM 2014 erhielt, dachte kaum jemand daran, dass damit die Finanzierung von FIFA- Standards verbunden war. Die Stadien haben Milliarden verschlungen. In den meisten Fällen werden sie nach der WM nie mehr voll sein. Bereits im Juni 2013 gingen vor allem junge Leute zu Tausenden auf die Straße und protestierten. Seither sind die Demonstrationen gegen die FIFA-unterwürfige Regierung an der Tagesordnung. Wie kann die Regierung Milliarden für den Bau von Stadien hinausschmeißen, solange es für Millionen Kinder nicht einmal anständige Schulbänke gibt, solange Kranke in den Gängen von Spitälern auf dem Boden liegen oder, dort abgewiesen, tot umfallen? Wie kann die Regierung Steuergelder für Stadien verschwenden, solange Arbeiter stundenlang in Bussen wie in Sardinendosen eingepfercht zum Arbeitsplatz fahren müssen? Werden hier Stadien nicht zu Denkmälern eines Wahnsinns?

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