WM 2014 von

Brian Behrendt: Meine WM-Top-Elf

Die WM ist vorbei und hat mit Deutschland einen verdienten Weltmeister gefunden

Schweinsteiger, Hummels, Boateng © Bild: Martin Rose/Getty Images

"Wir sind alle Weltmeister." So hat es Jogi Löw auf der Fanmeile am Brandenburger Tor in Berlin den Anhängern zugerufen. Ich habe schon vorab immer daran geglaubt, dennoch war der Kampf im Finale härter als erwartet. Wenn man das gesamte Turnier betrachtet, hat sich die DFB-Auswahl ihren vierten Stern aber reichlich verdient.

Ich habe das Finale gemeinsam mit Thomas Schrammel in Wimpassing gesehen und muss sagen, die Partie gegen Argentinien war die schwerste für Deutschland in Brasilien. Dass Jogi Löws Auswahl gesiegt hat, ist auch mit ein wenig Glück verbunden. Hätten die Argentinier ihre Chancen kaltschnäuziger genutzt und das 1:0 erzielt, wäre viel anders gelaufen. Der letzte Biss, der absolute Wille hat die deutsche Mannschaft aber zum Sieg geführt. Daher: Gratulation auch von meiner Seite.

Zum Abschluss möchte ich noch meine persönliche Top-Elf der WM präsentieren. Ein Dream-Team, das logischerweise vom neuen Weltmeister dominiert wird.

TOR

Manuel Neuer: Hier gibt es nicht viel zu diskutieren. Er ist für mich einfach der beste Torhüter der Welt und hat das im Turnier eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Vielleicht war es auch ein bisschen der Respekt vor Neuer, der Argentiniens Stars vor dem Tor gehemmt hat.

Manuel Neuer mit dem goldenen Handschuh
© Clive Rose/Getty Images Neuer: Auch für die FIFA der beste Keeper des Turniers

VIERERKETTE

Philipp Lahm: Rechts in der Viererkette spielt Philipp Lahm, der gezeigt hat, wie wichtig er für Deutschland auf dieser Position ist. Zwar sieht er sich wie bei den Bayern im defensiven Mittelfeld, doch seine Routine und seine Kraft waren ein Garant für Deutschland.

Thiago Silva: Brasiliens Kapitän ist unglaublich zweikampfstark und wurde im Spiel gegen Kolumbien dafür auch mit einem Tor belohnt. Wie wichtig er ist, hat man gesehen, als er im Halbfinale gegen Deutschland dann nicht mehr da war.

Mats Hummels: Er strahlt bei Standards Gefahr durch sein starkes Kopfballspiel aus und zeigte sich defensiv so stark wie man ihn von Borussia Dortmund kennt. Der 25-Jährige hat seine internationale Klasse auf höchstem Niveau bewiesen.

Jerome Boateng: Als Linksverteidiger habe ich mich für Jerome Boateng entschieden, einfach weil es bei dieser WM keinen auf dieser Position gegeben hat, der sich aufgedrängt hätte. Boateng aber zeigte sich ganz stark und lieferte gegen Argentinien sein Meisterstück ab. Als selbst Mats Hummels schon k.o. war, lief der Bayern-Spieler immer noch und beeindruckte in jeder Eins-gegen-Eins-Situation.

Lahm, Hummels und Boateng gegen Argentinien
© Michael Steele/Getty Images Deutschland dominiert die Defensive

DOPPEL-SECHS

Bastian Schweinsteiger: Ein extremer Siegertyp, ein Vorbild, ein Fußballer mit großer Klasse und einfach ein klassischer Führungsspieler. Er war der Mann, an dem man sich orientieren konnte, auch wenn es einmal nicht so gelaufen ist.

Javier Mascherano: Auch Frankreichs Paul Pogba wäre ein geeigneter Kandidat für diese Position gewesen, der Argentinier hat mich allerdings mit seiner Übersicht überzeugt. Er ist ein klassischer Sechser, der auf Absicherung aus ist und das Positionshalten im Wechselspiel perfekt beherrscht.

Javier Mascherano jubelt
© Clive Rose/Getty Images Mascherano, Argentiniens Absicherung

OFFENSIVE

Neymar: Ein verdammt starker Spieler, wenn auch einen Tick zu eigensinnig. In diesem Bezug ähnelt er Lionel Messi sehr, wenngleich es beim Argentinier noch mehr ist. Bis zu seiner Verletzung dauernd in Bewegung und eine ständige Gefahr. Der zweite Schlüsselspieler Brasiliens, dessen Fehlen sich deutlich bemerkbar machte.

James Rodriguez: Der Kolumbianer hat sich die Trophäe des Torschützenkönigs geholt, hat nebenbei aber auch sehr viel fürs Spiel getan. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, entwickelt er eine enorme Schnelligkeit mit dem Ball. Kein Wunder, dass Real Madrid schon eine Millionen-Offerte vorbereitet. Für mich der eigentliche "Beste Spieler" des Turniers.

Arjen Robben: Unglaublich, mit wie viel Tempo der Niederländer in jedem Spiel voll abgeht. Bei den teils sehr hohen Temperaturen habe ich mich des Öfteren gefragt, wo er diese Power hernimmt. Wenn ich an den Sprint kurz vor Ende der Chile-Partie denke oder auch gegen Spanien...für mich wäre auch er ein verdienter Sieger des "Goldenen Balls".

© imago/Xinhua Bei vollem Tempo eben nur durch Fouls zu stoppen: Arjen Robben

STURM

Thomas Müller: Zehn Tore in zwei Weltmeisterschaften sprechen eine klare Sprache. Vor vier Jahren Torschützenkönig war er auch heuer wieder knapp dabei. Dass ich ihn wegen seiner unkomplizierten Art schätze, habe ich an anderer Stelle schon kundgetan. Müller erreicht mit einfachen Dingen so viel.

Thomas Müller trifft zum 1:0 gegen Brasilien.
© APA/EPA/Andreas Gebert Deutschlands Top-Torschütze Müller

Mit dieser meiner Auswahl verabschiede ich mich vorerst. Am Wochenende startet die neue Bundesliga-Saison mit dem Kracher Rapid gegen Salzburg. Drückt uns die Daumen!

Tschau,
Euer Brian

Brian Behrendt, geboren im niedersächsischen Bremervörde und aufgewachsen beim HSV, spielt seit 2012 in der Bundesliga-Mannschaft von Rapid Wien, wurde aber 2013 an Horn in die Erste Liga verliehen. Behrendt absolvierte bislang 10 Europa-League-, 30 Bundesliga-, 17 Erstliga- und fünf Cup-Partien. Der leidenschaftliche Fußballfan fungiert in diesem Sommer während der Weltmeisterschaft als Experte für NEWS.AT und erweitert die Berichterstattung durch Analysen "seiner" Deutschen und anderer Endrunden-Teilnehmer sowie Fachwissen aus erster Hand.

Kommentare