Brasilien 2014 von

Fußball WM 2014: Der Star-Check

Wer hat überzeugt, wer enttäuscht und wer konnte sich ins Rampenlicht spielen?

Die Fußball-WM 2014 ist Geschichte und das beste Team war unbestritten Weltmeister Deutschland. Doch im Fußball geht es bekanntermaßen nicht immer nur um Mannschaften, sondern auch um einzelne Spieler. NEWS.AT präsentiert also den großen Star-Check der WM in Brasilien. Wer hat überzeugt, wer enttäuscht und welche Newcomer konnten die große Bühne nutzen, um sich ins Rampenlicht zu spielen?

Bastian Schweinsteiger

Er ist der König der Fußball-WM 2014. Bastian Schweinsteiger erfüllte sich mit dem 1:0-Sieg über Argentinien in seinem 108. Länderspiel für Deutschland den Weltmeister-Traum. Im Finale zeigte der Mittelfeld-Stratege sein bestes Spiel des Turniers: Ballsicher und zweikampfstark entschied er das Duell gegen sein argentinisches Pendant Javier Mascherano klar für sich und war, obwohl Mario Götze am Ende wegen seines Tors „Man of the match“ wurde, Deutschlands wichtigster Mann am Platz. Egal, wie oft der am Ende der Partie bereits sichtlich gezeichnete Schweinsteiger von den Argentiniern "abgeklopft" wurde, er stand immer wieder auf und beendete die Partie dank seines unbändigen Willens.

Bastian Schweinsteiger.
© APA/EPA/Andreas Gebert Bastian Schweinsteiger am Ziel seiner Träume.

Dabei konnte „Schweini“ dem Turnier lange Zeit nicht seinen Stempel aufdrücken. Beim 4:0 über Portugal blieb er noch über 90 Minuten auf der Bank, spielte erst im Viertelfinale gegen Frankreich erstmals durch und konnte eigentlich erst im letzten Spiel erstmals richtig überzeugen. Gutes Timing nennt man das wohl.

Lionel Messi

Er ist so etwas wie der Anti-Schweinsteiger der Fußball-WM 2014. Treibende Kraft in einem defensiv stabilen, offensiv aber permanent unter seinen Möglichkeiten agierenden argentinischen Team. Von den „fantastischen Vier“ (Messi, di Maria, Higuain, Aguero) war er der einzige, der seine Leistung abrief, nur ihm ist es zu verdanken, dass die „Albiceleste“ überhaupt bis in Finale vorstoßen konnte. Auch wenn er in den K.O.-Spielen dann nicht mehr traf: Ohne Lionel Messi wäre Argentinien wohl schon in der Vorrunde ausgeschieden.

Lionel Messi.
© APA/EPA/Diego Azubel Lionel Messi konnte seine tiefe Enttäuschung nicht verbergen.

Am Ende muss „el pulgo“ (der Floh) aber wie schon 2006 und 2010 mit leeren Händen nach Hause zurückkehren, der große Traum vom Weltmeistertitel erfüllte sich wieder nicht. Die Enttäuschung darüber ist beim 27-Jährigen – der vor der WM gesagt hatte, er würde alle seine Rekorde für den Weltmeistertitel eintauschen - unbeschreiblich groß, sein Gesichtsausdruck bei der Übergabe des Preises für den besten Spieler des Turniers sprach Bände.

Cristiano Ronaldo

Dass sich Messis großer Gegenspieler im Match um den weltbesten Fußballer der Gegenwart bereits nach der Vorrunde sang- und klanglos von der WM verabschieden musste, dürfte für Messi dabei auch kein großer Trost sein. Umgekehrt kann man sich vorstellen, dass Cristiano Ronaldo vielleicht doch ein klein bisschen froh war, nicht mitansehen zu müssen, wie sein größter Rivale den WM-Pokal in den Nachthimmel von Rio stemmt.

Cristiano Ronaldo.
© APA/EPA/Marius Becker Cristiano Ronaldo spielte eine schwache Weltmeisterschaft.

So oder so: „CR7“ spielte wie der Rest seiner Mannschaft ein fürchterliches Turnier und enttäuschte auf ganzer Linie. Ein einziger Treffer und ein Assist standen am Ende auf dem Konto des Superstars – zu wenig für das Achtelfinale und wohl auch zu wenig für seine eigenen Ansprüche.

Neymar

Ach, Neymar. Die Last der Hoffnungen einer ganzen Nation trug der 22-Jährige auf seinen schmächtigen Schultern, am Ende beendete eine rücksichtslose, wenn auch unglückliche Attacke von Kolumbiens Camilo Zuniga im Viertelfinale die WM für den Star der Gastgeber. Bis dahin hatte er, ähnlich wie Messi bei Argentinien, die „Selecao“ immer wieder im Alleingang weitergebracht, nachdem von der übrigen Offensivabteilung der Brasilianer im Turnier wenig bis gar nichts zu sehen war. Ein tragisches Ende für eine bis dahin starke Leistung. Was bleibt, ist der Blick nach vorne. Neymar hat aufgrund seines Alters zumindest noch zwei weitere Gelegenheiten, sich zum Weltmeister zu krönen.

Neymar.
© APA/EPA/Tolga Bozoglu Neymar war der tragische Held der WM.

Arjen Robben

Der niederländische Dribbelkünstler tat in Brasilien sieben Spiele lang das, was er am besten kann: Sich den Ball schnappen und auf seine unnachahmliche Weise Verteidiger aller Herren Länder staunend zusehen lassen, wie er in den Strafraum zieht - und dort manchmal auch umfällt. Beinahe hätte er das auch noch im Finale tun können, nach einer zu vorsichtigen Halbfinal-Vorstellung der Niederländer und dem Aus im Elfmeterschießen blieb ihm das aber verwehrt. Obwohl er vor dem Spiel um Platz drei lautstark betonte, wie unnötig dieses „kleine Finale“ seiner Meinung nach sei, führte er die „Elftal“ dann doch zu einem 3:0-Sieg über Brasilien und einem versöhnlichen Ausklang der WM. Dennoch überwiegt beim Bayern-Flügelflitzer die Enttäuschung, seine Karriere nicht mit dem WM-Titel krönen zu können. Bei der Weltmeisterschaft 2018 wäre Robben 34 Jahre alt – fraglich, ob er in Russland noch einmal eine Gelegenheit bekommt.

Arjen Robben.
© APA/EPA/Felipe Trueba Platz drei war nur ein schwacher Trost für Arjen Robben.

Andres Iniesta

Der Regisseur der „goldenen Generation“ der Spanier war noch der engagierteste und beste in der rundum enttäuschenden Offensivabteilung der „Roja“. Doch auch er konnte nur punktuell Akzente setzen, insgesamt überwog bei Iniesta wie beim gesamten spanischen Team der Eindruck, dass der Erfolgshunger nach zwei EM- und einem WM-Titel einfach nicht mehr im nötigen Ausmaß da war.

Andres Iniesta gegen Chile.
© APA/EPA/Abedin Taherkenareh Auch Andres Iniesta konnte Spanien nicht retten.

Wie für seine Mittelfeld-Kollegen Xavi und Xabi Alonso dürfte das 0:2 gegen Chile der letzte Auftritt auf der größten aller Fußball-Bühnen gewesen sein, ein Umbruch scheint in Spanien unvermeidbar, will man bei der Europameisterschaft in Frankreich wieder auf die Erfolgsstraßen zurückkehren.

Wayne Rooney

Wayne Rooney teilte ein Schicksal mit Andres Iniesta: Er musste bereits nach der Vorrunde wieder die Heimreise antreten. Zwar brach er gegen Uruguay endlich den Bann und erzielte seinen ersten Treffer im zehnten WM-Antritt, doch das war es dann schon wieder mit Rooneys Herrlichkeit. In der Folge scheiterte er mit den Engländern teils an Pech, teils an Unvermögen und teils wohl auch an seinen eigenen Ansprüchen, wollte er der Welt doch beweisen, dass er auch im Teamtrikot eine wichtige Rolle spielen kann. Ob des vielversprechenden Nachwuchses der „Three Lions“ wie Sturridge, Sterling oder Oxlade-Chamberlain darf auch ernsthaft bezweifelt werden, dass er 2018 noch eine weitere Chance dazu erhalten wird.

Wayne Rooney erzielte seinen ersten WM-Treffer.
© APA/EPA/Sebastiao Moreira Immerhin endlich ein WM-Treffer für Wayne Rooney.

Andrea Pirlo

Wer Iniesta und Rooney sagt, muss auch Pirlo sagen. Wie Spanien und England mussten auch die Italiener nach der Vorrunde wieder die Koffer packen, die letzte Weltmeisterschaft des 35-Jährigen Strategen verlief damit nicht nach Wunsch. Doch auch, wenn die „Squadra azzurra“ insgesamt enttäuschte, Pirlos Leistung in Brasilien war einmal mehr beeindruckend. Jederzeit anspielbar, zweikampfstark und passsicher lenkte er die Geschicke der Italiener und so lag es am wenigsten an ihm, dass es nicht fürs Achtelfinale reichte.

Andrea Pirlo.
© APA/EPA/Vassil Donev Andrea Pirlo zeigte mit 35 Jahren noch einmal ein starkes WM-Turnier.

Luis Suarez

Italien und Suarez, da war doch etwas. Hatte der Angreifer der „Celeste“ im zweiten Gruppenspiel noch die Engländer im Alleingang k.o. geschossen, fiel er im Entscheidungsspiel um den Aufstieg ins Achtelfinale nur durch seine Bissfestigkeit auf. Hätte Schiedsrichter Marco Rodriguez den Stürmer nach seiner Biss-Atacke an Giorgio Chiellini regelkonform ausgeschlossen, wäre wohl kaum eine Minute später der entscheidende Treffer durch Godin gefallen. Und wer weiß, ob dann nicht doch die Italiener die K.o.-Runde erreicht hätten. Aber ja, "hätte hätte" – Fakt ist, Luis Suarez machte ein starkes Spiel, prägte ein zweites durch sein kräftiges Gebiss und wurde letzlich für 94 Millionen Euro vom FC Barcelona verpflichtet. Vielleicht möchte er ja auch noch einmal Cristiano Ronaldo beißen.

Luis Suarez gegen England.
© APA/EPA/Tolga Bozoglu Luis Suarez hat in Brasilien auch Fußball gespielt.

Karim Benzema

Der Top-Stürmer der „Equipe tricolore“ spielte eine starke WM und scheiterte mit Frankreich erst im Viertelfinale am späteren Weltmeister. Und stünde bei Deutschland nicht Manuel Neuer im Tor, der bei einem Schuss Benzemas kurz vor Schluss glänzend parierte, wäre möglicherweise auch noch viel mehr möglich gewesen. So bleiben für Benzema unterm Strich drei Treffer und zwei Vorlagen stehen, wobei dem Real-Stümer sogar noch zwei weitere Treffer aberkannt wurden. Ein Tor im Spiel gegen Honduras wurde als Eigentor gewertet, sein vermeintliches 6:2 gegen die Schweiz zählte nicht, weil Schiedsrichter Björn Kuipers die Partie unmittelbar vor Benzemas Schuss abgepfiffen hatte.

Karim Benzema.
© APA/EPA/Mohamed Messara Karim Benzema erzielte zwischen drei und fünf Treffer.

James Rodriguez

Auch wenn James Rodriguez interessierten Kreisen bereits vor der WM ein Begriff war, der breiten Öffentlichkeit schoss sich der 23-jährige Angreifer erst während der vergangenen Wochen in Brasilien ins Bewusstsein. Kolumbiens Zehner führte die „Cafeteros“ überraschend bis ins Viertelfinale, wo erst im Elferschießen gegen Brasilien Schluss war. Kein Wunder also, dass Real Madrid bereits eifrig an einer Verpflichtung des Torschützenkönigs der WM bastelt. Der hatte bereits am Rande der WM fallen lassen, dass sich mit einem Engagement bei den Königlichen „ein Bubentraum“ erfüllen würde. Real soll die Erfüllung dieses Traums dem Vernehmen nach bis zu 85 Millionen Euro wert sein.

James Rodriguez.
© APA/EPA/Shawn Thew A star is born: James Rodriguez.

Keylor Navas

Wenn eine Mannschaft bei dieser WM noch mehr überraschte als Kolumbien, dann war das Costa Rica. Die „Ticos“ ließen in der Gruppenphase Uruguay, England und Italien hinter sich, warfen im Achtelfinale Griechenland aus dem Turnier und scheiterten erst im Elfmeterschießen des Viertelfinales an den Niederlanden. Aus dem starken Kollektiv der Costa-Ricaner ragte ein Mann besonders hervor: Keylor Navas. Der Keeper überzeugte während der Weltmeisterschaft mit Ruhe, Übersicht und tollen Reflexen und trug entscheidend zum Erfolgslauf seines Teams bei. Derzeit noch bei Levante Klubkollege von Andreas Ivanschitz, ranken sich bereits einige Gerüchte um einen bevorstehenden Transfer des 27-Jährigen. Der Vizepräsident Levantes bestätigte vor einigen Tagen einen angeblichen Transfer Navas‘ zu Bayern München, dort wollte man den Wechsel jedoch nicht bestätigen.

Keylor Navas.
© APA/EPA/Srdjan Suki Vielleicht bald Back-up von Manuel Neuer: Keylor Navas.

Enner Valencia

Der dritte Newcomer der WM kommt aus Ecuador. Zwar konnte sein Team mit den Erfolgen Kolumbiens und Costa Ricas nicht Schritt halten, Enner Valencia wusste die WM aber trotzdem zu nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Der gelernte Mittelfeldspieler rutschte erst durch den tragischen Tod Christian Benitez‘ im vorigen Sommer in den ecuadorianischen Angriff, bewies sein Talent auf dieser Position aber eindrucksvoll und erzielte alle drei WM-Treffer seiner Mannschaft. Derzeit steht der 25-Jährige noch bei Pachuga in Mexiko unter Vertrag, britischen Medienberichten zufolge steht West Ham United aber kurz vor einer Verpflichtung Valencias. Kolportiert wird eine Ablösesumme von 15 Millionen Euro.

Enner Valencia.
© APA/EPA/Jesus Diges Von Enner Valencia wird in Zukunft noch zu hören sein.

Kommentare

Ist Deutschland verdient Weltmeister? Spanien, England, Italien schon ganz am Anfang ausgeschieden. Gegen Algerien 2:1, Frankreich 1:0 (immer ein(!) Tor Unterschied), gegen Brasilien (daheim) 7:1 - da gibt-s nicht viele oesterr. 3.Klasse-Mannschaften, die gegen De so hoch verlieren.

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