Brasilien 2014 von

Fußball-WM 2014: Argentinien nach Elfmeterschießen im Finale

Torwart Sergio Romero avanciert nach 120 torlosen Minuten zum großen Helden

Argentinien steht zum ersten Mal seit 1990 im Finale einer Fußball-Weltmeisterschaft. Der zweifache Titelträger setzte sich im Halbfinale gegen die Niederlande am Mittwoch in Sao Paulo nach torlosen 120 Minuten mit 4:2 im Elfmeterschießen durch. Im Endspiel (LIVE-Ticker auf NEWS.AT) trifft die "Albiceleste" nun am Sonntag im Maracana von Rio de Janeiro auf Deutschland, bereits Gegner vor 24 Jahren.

Argentiniens Torhüter Sergio Romero parierte in der Entscheidung die Elfer von Ron Vlaar und Wesley Sneijder, während bei den Südamerikanern um ihren Superstar Lionel Messi alle Schützen trafen. Für das Elferschießen hatte sich Bondscoach Louis van Gaal keine Auswechslung aufgehoben. Den Schachzug mit Tim Krul konnte er nach bereits drei getätigten Wechseln nicht mehr bringen.

Sergio Romero Argentinien-Holland Jubel
© APA/EPA/DIEGO AZUBEL Der Held der "Albiceleste" - Sergio Romero

Die Niederlande, vor vier Jahren in Südafrika noch im Finale, bestreiten am Samstag das Spiel um Platz drei in Brasilia gegen Brasilien. Für Argentinien ergibt sich die Chance zur Revanche für Italien 1990. Damals siegte Deutschland mit 1:0.

Wenig Aufregendes in Sao Paulo

Nach dem deutschen Torfestival gegen den Gastgeber am Tag zuvor bot die Partie in der Arena Corinthians deutlich weniger Spektakel. Nach einer Schweigeminute für den Montag verstorbenen Alfredo di Stefano griffen die taktischen Systeme schnell. Fehler sollten tunlichst vermieden werden, bedachtes Aufbauspiel stand auf dem Programm. Die Offensivstars Arjen Robben und Robin van Persie auf der einen sowie Messi und Gonzalo Higuain auf der anderen Seite kamen kaum ins Spiel.

Bei den Niederländern kehrte Mittelfeldmann Nigel de Jong eineinhalb Wochen nach seiner Leistenverletzung überraschend in die Start-Elf zurück. "Der Geist ist stärker als der Körper", sagte Van Gaal vor der Partie, die das 750. Länderspiel in der niederländischen Fußball-Geschichte bedeutete. Der als Raubein bekannte De Jong war bis zu seiner Auswechslung nach einer Stunde vorrangig damit beschäftigt, die Kreise von Messi einzuengen.

de jong mascherano holland-argentinien
© APA/EPA/TOLGA BOZOGLU De Jong und Mascherano im "Infight"

Im Vergleich zum Viertelfinale gegen Costa Rica saß bei den Niederlanden Memphis Depay stattdessen auf der Bank. Abwehrchef Ron Vlaar lief wie der vor dem Spiel ebenso fragliche Kapitän Van Persie ein. Bei Argentinien vertrat Enzo Perez den verletzten Angel di Maria, mit dabei war wieder der gegen Belgien gesperrte Außenverteidiger Marcos Rojo.

Nur vier Schüsse in Halbzeit 1

Höhepunkt der ersten Spielhälfte war bezeichnenderweise eine Standardsituation. Ein Freistoß von Messi aus guter Position landete in den Händen von Oranje-Keeper Jasper Cillessen (15.). Es war einer von nur vier Schüssen in Richtung gegnerisches Gehäuse in den ersten 45 Minuten von beiden Seiten.

Größere Probleme als der auf Schritt und Tritt bewachte Superstar des FC Barcelona machte den Niederländern der quirlige Ezequiel Lavezzi. Eine Hereingabe des Flügelstürmers konnte der umsichtige Vlaar noch vor dem einschussbereiten Higuain klären (36.). Aufseiten der Niederländer kam der bisher überragende Robben auf gezählte sechs Ballkontakte in Hälfte eins.

wijnaldum higuain holland-argentinien
© APA/EPA/CHEMA MOYA Das Spiel war von zahlreichen Zweikämpfen (hier Wijnaldum und Higuain) im Mittelfeld geprägt

Van Gaal holte zur Pause den schon verwarnten Bruno Martins Indi vom Feld. Bei einsetzendem Regen wurde das Niveau des Spiels nicht besser, selbst Freistöße gingen ins Leere. Argentiniens Fans riss es einmal von den Sitzen. Ein vermeintlicher Treffer von Higuain war jedoch nur ein Schuss ins Außennetz, der Napoli-Stürmer darüber hinaus im Abseits (75.). Robben hätte in der Nachspielzeit dann fast die Entscheidung herbeigeführt. Nach schönem Doppelpass mit Wesley Sneijder war Javier Mascherano gerade noch mit der Fußspitze zur Stelle.

Zum zweiten Mal in der WM-Geschichte nach Deutschland gegen Italien 2006 ging es in einem Halbfinale beim Stand von 0:0 in die Verlängerung. Bei beiden Seiten standen mit Sergio Aguero (für Higuain) und Klaas-Jan Huntelaar (für Van Persie) neue Offensivstars am Feld, am Charakter der Partie änderte dies nichts. Argentinien kam noch einmal gefährlich vor das Tor, ein Kopfball des ebenfalls eingetauschten Rodrigo Palacio fiel aber viel zu schwach aus (115.). Nach 120 Minuten taktischem Geplänkel ging es ins Elferschießen.

Stimmen zum Spiel

Alejandro Sabella (Trainer Argentinien): "Ich verspüre eine große Freude, es war ein schwieriges Spiel. In der zweiten Verlängerung hätten wir fast das Tor gemacht. Ich bin sehr glücklich, wir erwarten nun den dritten Titel. Es wird aber so sein wie immer: Wir werden hart arbeiten, um diese WM zu gewinnen."

Javier Mascherano (Spieler Argentinien): "Man braucht immer ein wenig Glück und muss versuchen, die Chancen zu nützen. Wir sind sehr stolz auf die Mannschaft, wir haben wie immer 100 Prozent gegeben und haben uns dieses Finale verdient. Das wird das aller-wichtigste Spiel, das wir in unserer Karriere bestreiten werden. Wir müssen stark sein, weil wir wissen, dass Deutschland eine sehr starke Mannschaft hat."

Sergio Romero (Torhüter Argentinien): "Es ist einfach nur zum Genießen. Ich möchte mich bei meinen Eltern bedanken, die hierherkommen konnten. Ehrlich gesagt, ist es Glück (Anm.: im Elfmeterschießen). Er kann reingehen oder nicht. Natürlich habe ich aber Selbstvertrauen. Deutschland wird extrem schwierig, es wird ein historisches Duell. Wir werden kämpfen bis zum Schluss und alles daran setzen. Wir werden den Moment genießen. Morgen erst werden wir realisieren, was passiert ist."

Arjen Robben (Spieler Niederlande): "Wir hatten es eigentlich mehr verdient. Wir können stolz sein, auf das, was wir erreicht haben. Wir haben alle gemeinsam alles gegeben. Und jetzt kann man niemandem etwas vorwerfen. Ich bin so unglaublich stolz auf diese Mannschaft. (...) Es ist Scheiße. Bisher haben wir alles gewonnen, und nun haben wir verloren. Aber auch das gehört nun einmal dazu. In diesem Moment kann mir das Spiel um den dritten Platz gestohlen bleiben. Nur ein Preis zählt."

Wesley Sneijder (Spieler Niederlande): "Ich denke, dass wir es doch mehr verdient hatten. Heute gab es nur ein Team, das es auf Elfmeter anlegte, das war Argentinien. Es tut weh. Wir haben hart dafür gekämpft. Wir hätten eher unsere Chancen nutzen müssen."

Louis van Gaal (Trainer Niederlande): "Wir haben nicht viele Chancen kreiert, das war in den anderen Spielen besser. Aber das sagt auch viel über die Leistung des argentinischen Teams. Auf dem Feld standen Robben, van Persie, Sneijder und auf der anderen Seite Messi, Lavezzi oder Higuain. Dass es trotzdem kaum Chancen gab, sagt viel über das taktische Niveau. Wir haben ein fantastisches Turnier gespielt. Niemand hat uns zugetraut, das Halbfinale zu erreichen. Es ist die schlimmste Weise, ein Spiel im Elfmeterschießen zu verlieren. Von daher ist die Enttäuschung groß."

Kommentare

Seite 1 von 1