Gruppe H von

WM 2014: Team-Check Russland

Die "Sbornaja" verzichtet auf Legionäre, nicht aber auf altbekannte Ansprüche

Russland-Teamfoto © Bild: ODD ANDERSEN/AFP/Getty Images

In wenigen Tagen beginnt die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Um sich auf das Sportereignis des Jahres gebührend einzustimmen, stellt NEWS.AT jeden Tag einen WM-Teilnehmer im Porträt vor. Alle Erfolge, Stars und die Aussichten bei der Endrunde im Check. Heute: Russland.

Gruppe A: Brasilien - Kroatien - Mexiko - Kamerun

Gruppe B: Spanien - Niederlande - Chile - Australien

Gruppe C: Kolumbien - Griechenland - Elfenbeinküste - Japan

Gruppe D: Uruguay - Costa Rica - England - Italien

Gruppe E: Schweiz - Ecuador - Frankreich - Honduras

Gruppe F: Argentinien - Bosnien und Herzegowina - Iran - Nigeria

Gruppe G: Deutschland - Portugal - Ghana - USA

Gruppe H: Belgien - Algerien - Russland - Südkorea

RUSSLAND

Steckbrief

Verband: Rossijski Futbolny Sojus
WM-Teilnahmen: 2 - zuletzt 2002
Erfolge: 2x Vorrunde
Teamchef: Fabio Capello

Die Qualifikation

Schon nach der Auslosung wurde klar, dass sich Russland und Portugal um den WM-Startplatz duellieren werden, besser gesagt: die Startplätze. Denn letzten Endes fuhren sowohl die zweitplatzierten Iberer als auch die “Sbornaja” als Gruppensieger nach Brasilien. Die direkten Begegnungen der beiden Fußball-Großmächte endeten jeweils mit einem 1:0-Sieg für die Heim-Elf. Somit sollte Rang eins an jene Auswahl gehen, die gegen die weiteren Gruppengegner Luxemburg, Aserbaidschan, Nordirland und Israel seltener patzte. Und das war eben Russland. Auch wenn man sich im letzten Spiel in Baku in der 90. Minute noch den Sieg nehmen ließ, reichte letztlich ein Punkt Vorsprung auf Cristiano Ronaldo und Co., um die harten Playoff-Spiele zu vermeiden und erstmals seit 2002 wieder zu einer WM-Endrunde zu fahren.

Der Superstar

Alan Dzagoev mit Ball
© GEPA pictures/ Christian Walgram

Seit Jahren wird er als eines der größten Talente des Kontinents gehandelt, seit Jahren wartet man auf seinen endgültigen Durchbruch. Doch Alan Dsagojew ist eben kein einfacher Typ und hat ein klares Handicap - seine Disziplin. Ausfälligkeiten gegenüber den Trainern stehen seiner Karriere-Entwicklung ebenso im Weg wie Sperren durch Rote Karten. Wahrscheinlich schreckte das die namhaften Interessenten am zentralen Mittelfeldspieler bisher ein wenig ab. Schließlich kickt der 23-Jährige weiterhin bei ZSKA Moskau und nicht etwa beim FC Chelsea oder Juventus Turin. Auch im Nationalteam könnte Dsagojews Unbeherrschtheit ihm zum Verhängnis werden. Der strenge Teamchef Fabio Capello ließ den Spielmacher schon im Vorfeld der Endrunde spüren, wer am längeren Ast sitzt. Ob der gebürtige Nordossete überhaupt in der ersten Elf agieren darf, wird daher von Experten bezweifelt. Für den neutralen Fan wäre es schade, denn die Qualitäten des klassischen Zehners (Dribbelstärke, Schusskraft, Schnelligkeit, Übersicht) stehen jeder Mannschaft gut zu Gesicht. Und wenn der beidfüßige Alleskönner sich in diesem Sommer nicht erneut in die Auslage spielen darf, verschwindet er für weitere Jahre in den Weiten der russischen Premier Liga.

Der Kader

PositionNameVerein
TorIgor AkinfejewZSKA Moskau
-Juri LodyginZenit St. Petersburg
-Sergej RyschikowRubin Kasan
AbwehrAlexej KoslowDynamo Moskau
-Georgi SchtschennikowZSKA Moskau
-Sergej IgnaschewitschZSKA Moskau
-Andrej SemenowTerek Grosni
-Wladimir GranatDynamo Moskau
-Wasili BeresuzkiZSKA Moskau
-Andrej JeschtschenkoAnschi Machatschkala
-Dmitri KombarowSpartak Moskau
MittelfeldIgor DenisowDynamo Moskau
-Denis GluschakowSpartak Moskau
-Alan DsagojewZSKA Moskau
-Pawel MogilewezRubin Kasan
-Oleg SchatowZenit St. Petersburg
-Juri SchirkowDynamo Moskau
-Alexander SamedowLokomotive Moskau
-Viktor FaisulinZenit St. Petersburg
AngriffMaxim KanunikowAmkar Perm
-Alexander KokorinDynamo Moskau
-Alexander KerschakowZenit St. Petersburg
-Alexej JonowDynamo Moskau


Vergessene Legenden

Lev Yashin bei einer Parade
© Central Press/Getty Images

Lange bevor Iker Casillas, Gigi Buffon, Manuel Neuer oder Petr Cech zu Semi-Heiligen mit der Nummer 1 am Rücken wurden, gab es einen Torwart, der alles bisher Gesehene in den Schatten stellte. Dabei dauerte es seine Zeit, ehe sich Lew Jaschin für den Fußball und gegen andere Sportarten, denen er frönte, entschied. Noch Anfang der Fünfziger Jahre hütete er im Sommer das Tor der Fußballer und im Winter jenes der Eishockeyspieler. Mit den ersten Erfolgen bei Großereignissen für die Sowjetunion hatte das runde Leder den Kampf um das Moskowiter Talent aber endgültig gewonnen. 1956 Olympiasieger, 1960 Europameister und 1964 Vize-Europameister sowie 1966 Platz vier bei der WM markierten die erfolgreichste Ära des sowjetischen Fußballs. Und die “Schwarze Spinne”, wie Jaschin genannt wurde, hatte maßgeblichen Anteil an all den Siegen. 1963 als erster und einziger Keeper mit dem “Ballon d’Or” ausgezeichnet, erfuhr der 1990 als 60-Jähriger Verstorbene mit der Wahl zum “Torhüter des Jahrhunderts” posthum die größte Ehrbezeugung. Neben seinen außergewöhnlichen Reflexen und einer beeindruckenden Statur glänzte Jaschin vor allem auch durch seine Ballbehandlung und aktive Anteilnahme am Spiel. Womit wir doch wieder bei den modernen Torhütern a la Manuel Neuer wären.

Die Chancen

Russland reist ohne einen Legionär nach Brasilien und vertraut den Leistungsträgern der heimischen Premier Liga. Das macht die Truppe von Starcoach Fabio Capello aber auch unberechenbarer. Unbekannt sind die Namen keineswegs, laufend in Aktion haben Juri Schirkow, Igor Denisow und Co. aber nur die wenigsten gesehen. Gelingt es den Russen, sich von Spiel zu Spiel zu steigern, ist nach der relativ leichten Gruppe durchaus eine Überraschung möglich. 2008 lässt grüßen!

NEWS.AT-Tipp

Hinter den zu favorisierenden Belgiern schnappt sich die “Sbornaja” Platz zwei und bekommt vom Sieger der Gruppe G im Achtelfinale die Grenzen aufgezeigt.

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